Fehler-Analyse statt Fußball-Festtag

Von 
Alexander Müller
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Mannheim. Oft entscheidet im Sport die richtige Strategie. Wahlhof-Trainer Bernhard Trares wählte im Derby der 3. Fußball-Liga gegen den 1. FC Kaiserslautern eine Herangehensweise, für die Otto Rehhagel einst den Begriff „kontrollierte Offensive“ erfunden hat. Statt die kriselnden und mit riesiger Unruhe im Umfeld angereisten Pfälzer von Beginn an aggressiv unter Druck zu setzen, bekam sein Team eine vorsichtige Marschroute mit auf den Weg.

Mehr erhofft: Waldhof-Angreifer Maurice Deville nach dem 1:1 gegen Lautern im Derby. © Michael Ruffler
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Der Plan ging nicht auf. „Wir wussten, dass wir dem Gegner nicht zu viel Raum geben und nicht zu wild spielen dürfen. Wir wollten ausnutzen, dass Lautern vielleicht ein bisschen überdreht. Das haben sie aber auch nicht gemacht“, bilanzierte Trares 90 durchwachsene Derby-Minuten, nach denen sich der SVW glücklich schätzen konnte, dass der späte Ausgleichstreffer zum 1:1 nach einem Eckball durch Marco Schuster (87.) einen echten Stimmungsdämpfer beim Aufsteiger verhinderte. Hendrick Zucks 1:0 (73.) hatte den FCK ganz nahe an einen nicht unverdienten Triumph beim ungeliebten Nachbarn gebracht.

Denn während die gehemmt wirkenden Mannheimer bei eigenem Ballbesitz bis in die Schlussphase erfolglos nach der Lücke im pfälzischen Abwehrverbund fahndeten, ging es bei den auf Konter ausgelegten Gästen schnell und zielstrebig Richtung SVW-Strafraum – Torhüter Timo Königsmann zeigte seine Klasse auf der Linie bei gleich mehreren Lauterer Großchancen.

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Statt einen echten Festtag vor 23 157 Zuschauern und ausverkauftem Haus zu erleben, der zusätzlich mit dem Sprung auf den ersten Platz versüßt worden wäre, deckte der Südwest-Klassiker die Waldhof-Schwächen im eigenen Stadion schonungslos auf. Die Unterschiede lassen sich an den Zahlen ablesen: Ein fulminanter erster Platz in der Auswärtstabelle der 3. Liga, aber mit gerade einmal drei Siegen Rang 15 im Heimklassement.

Destruktiv eingestellte Gegner

Wie schon beim 1:1 gegen Jena vor zwei Wochen fehlten den Mannheimern offensichtlich die Mittel, um eine massierte Deckung zu Fehlern zu zwingen. Auch die Hereinnahme von Marcel Hofrath für Marcel Seegert als Linksverteidiger änderte nichts daran, dass die meisten vielversprechenden Angriffe über die rechte Seite mit dem wieder einmal überzeugenden Sprintwunder Jan Hendrik Marx initiiert wurden. Im offensiven Mittelfeld blieb Gianluca Korte blass, Arianit Ferati hatte auch keine zündende Idee, und der für ihn eingewechselte Mohamed Gouaida fiel sogar richtig ab. Die Flanken fanden oft keinen Abnehmer, weil die hochgewachsene Innenverteidigung der Pfälzer die Lufthoheit für sich reklamierte; aber auch, weil abgesehen von Valmir Sulejmani zu wenig potenzielle Abnehmer im gegnerischen Strafraum lauerten. „Wir sind noch nicht die Mannschaft, die Lautern 3:0 oder 4:0 wegputzt, auch wenn ich das gerne hätte“, sagte Trares fast ein wenig entschuldigend. Dem 54-Jährigen missfielen etliche Ungenauigkeiten im braven Angriffsspiel, die dafür sorgten, dass der Waldhof bis zum Rückstand ohne echte Torgelegenheit blieb.

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Natürlich bleibt die Kritik ein Jammern auf einem äußerst hohen Niveau. Denn mit dem hart erkämpften Punkt gegen den FCK stabilisierten sich die Mannheimer (43 Punkte) sogar auf Aufstiegsrelegationsplatz drei, weil die direkten Konkurrenten Duisburg, Haching und Ingolstadt jeweils 0:1 verloren. Wenn die Chance auf den Durchmarsch in die 2. Liga im Mai Realität werden soll, benötigt der SVW aber dringend Lösungen für seine Heimflaute.

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Dass die Gegner bei ihren Gastspielen in Mannheim neuerdings tendenziell destruktiv eingestellt sind, gehört zu den Schattenseiten des überraschenden Waldhof-Erfolgs in dieser Saison. „Es ist auch ein Verdienst von uns, wie wir bisher aufgetreten sind“, sagte Torschütze Schuster und versprach Besserung. „Es liegt an uns, sich etwas einfallen zu lassen und dann wird es auch wieder besser.“ Kapitän Kevin Conrad deutete allerdings an, dass das Trainerteam die Problematik bereits länger vorhergesehen habe: „Wir haben uns in der Winterpause schon gedacht, dass sich die Gegner ein Stück weit besser auf uns einstellen und versuchen, unsere fußballerische Qualität zu unterbinden.“

Auch dem FCK gelang es mit einer stabilen Auswärtsleistung, die Mannheimer Stärken zu neutralisieren. So überwog im Waldhof-Lager am Ende die Erleichterung, wenigstens nicht mit einer Derbyschmach im Gepäck die schwere Auswärtsfahrt am Samstag zum Sechsten Würzburger Kickers antreten zu müssen. „Es war unglaublich wichtig, dass wir zum Ende hin noch das Tor gemacht haben“, sagte Maurice Deville. Ob mit einer mutigeren Strategie mehr als ein Remis möglich gewesen wäre, bleibt Spekulation.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB