Historie - 18 Mal trafen SVW und 1. FC Kaiserslautern bisher aufeinander – wir lassen die fünf spektakulärsten Derbys Revue passieren Derby-Historie: Als Waldhof vier Elfmeter bekam

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Andi Nowey
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Szene aus dem ersten Bundesliga-Derby 1983 auf dem Betzenberg: Lauterns Andreas Brehme zieht ab, Waldhof-Torwart Uwe Zimmermann kassiert das 0:1. © Imago

Mannheim. Gerry Ehrmann, Fritz Walter, Attila Birlik – der Südwest-Klassiker zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SV Waldhof, der am Sonntag (13 Uhr) im Fritz-Walter-Stadion in der 3.. Fußball-Liga nach 18 Jahren Auszeit seine Wiederauflage feiert, bot stets interessante Geschichten. Jede der bislang 18 Auseinandersetzungen auf dem Rasen birgt ihre eigenen Anekdoten. Wir haben die fünf spektakulärsten Derbys herausgepickt.

SV Waldhof gegen 1. FC Kaiserslautern – die Chronik

  • 22. Oktober 1983, Bundesliga: FCK – SVW 2:0 (0:0).
  • 7. April 1984, Bundesliga: SVW – FCK 2:0 (1:0).
  • 29. August 1984, Bundesliga: SVW – FCK 1:1 (1:0).
  • 12. März 1985, Bundesliga: FCK –SVW 1:1.
  • 3. September 1985, Bundesliga: SVW – FCK 1:1.
  • 1. April 1986, Bundesliga: FCK – SVW 0:0.
  • 27. September 1986, Bundesliga: FCK – SVW 3:2 (1:1).
  • 15. April 1987, Bundesliga: SVW – FCK 4:3 (2:2).
  • 29. August 1987, 1. Runde DFB-Pokal: FCK – SVW 3:1 nach Verlängerung (1:1, 0:1).
  • 31. Oktober 1987, Bundesliga: FCK – SVW 2:2 (0:1).
  • 3. Mai 1988, Bundesliga: SVW – FCK 0:2 (0:0).
  • 27. November 1988, Bundesliga: SVW – FCK 0:4 (0:1).
  • 10. Juni 1989, Bundesliga: FCK – SVW 0:3 (0:1).
  • 23. August 1989, Bundesliga: FCK – SVW 2:3 (1:3).
  • 24. Februar 1990, Bundesliga: SVW – FCK 4:0 (4:0).
  • 23. November 1996, 2. Liga: SVW – FCK 2:0 (0:0).
  • 26. Mai 1997, Bundesliga: FCK – SVW 5:0 (2:0).
  • 28. November 2001, 2. Runde DFB-Pokal: SVW – FCK 2:3 (1:2).
  • Gesamtbilanz: 18 Spiele, 7 Siege FCK, 5 Remis, 6 Siege SVW, 32:28 Tore für FCK.
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22. Oktober 1983, Bundesliga, FCK – SVW 2:0: „Natürlich hat dieses Südwest-Derby seinen besonderen Reiz, aber im Grunde kann das dem Fußball doch nur zuträglich sein. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass diese Region durchaus zwei Bundesligisten vertragen kann“, hatte SVW-Trainer Klaus Schlappner im Vorfeld des ersten Bundesliga-Duells der beiden Clubs gesagt und versucht, das Knistern im Umfeld herunterzuspielen. Vor 27 000 Zuschauern blieb der SV Waldhof auf dem Betzenberg aber vieles schuldig und unterlag dem den Abstiegsrängen bedrohlich nahen FCK durch Tore von Andreas Brehme (58.) und Torbjörn Nilsson (73.) mit 0:2. Bitter war aus SVW-Sicht allerdings die Annullierung des eigentlich regelkonformen 1:1 durch Fritz Walter aufgrund einer angeblichen Abseitsstellung (65.).

15. April 1987, Bundesliga, SVW – FCK 4:3: Es war eine rassige Partie, die alles zu bieten hatte. Fritz Walter sorgte bereits in der 3. Minute unter frenetischem Jubel für das 1:0. Frank Hartmann glich für die Pfälzer aus (29.). Dann begann die Elfmeter-Flut des Schiedsrichters Joachim Kautschor, der insgesamt vier Strafstöße für Waldhof verhängte. Den ersten verwandelte Fritz Walter nach Foul an ihm selbst zum 2:1 (31.). Und zwei Minuten später das Ganze nochmal von vorne: Erneut Foul an Walter, erneut lief der quirlige Stürmer an, scheiterte aber an Lauterns Torhüter Gerald Ehrmann (34.). Stattdessen hieß es kurz danach 2:2 durch Harald Kohr (39.). Hartmann erzielte in der 61. Minute gar das 3:2 für Lautern. SVW-Schlussmann Uwe „Zimbo“ Zimmermann verletzte sich beim Gegentor und musste mit der Trage in die Kabine gebracht werden, Gregor Quasten nahm den Platz zwischen den Pfosten ein. Nach einem Foul an Jochen Müller gab es den dritten Elfmeter. Jörg Neun lief an und scheiterte ebenfalls an Ehrmann, den Nachschuss verwertete Walter zum 3:3 (83.). Nach einem Foul an Karlheinz Bührer war es in der 89. Minute dann erneut Walter, der an den Elfmeterpunkt laufen durfte– und dieses Mal aber verwandelte. „Das war für mich das schönste Waldhof-Spiel“, bestätigt Walter noch heute. „Bei den Elfmetern war ich mir zu 100 Prozent sicher.“ Lauterns Stürmer Sergio Allievi hingegen ließ seinem Frust freien Lauf und trat beim Gang in die Kabine die Schiedsrichtertür ein.

24. Februar 1990, Bundesliga, SVW – FCK 4:0: Ausgerechnet am Fastnachts-Samstag hatte der SVW dem FCK ordentlich eingeschenkt. 4:0 hieß es nach schön herausgespielten Treffern von Uwe Freiler (16.), Thomas Franck (20., 32.) und Jochen Müller (30.) bereits zur Halbzeit. „Was unsere Mannschaft spielerisch und läuferisch heute gezeigt hat, war eine Klasse für sich“, sagte Waldhof-Präsident Wilhelm Grüber dieser Zeitung. Keiner sollte bei den zu diesem Zeitpunkt auf Platz acht liegenden Waldhöfern ahnen, dass es der letzte Bundesliga-Sieg bis zum heutigen Tag bleiben sollte. Nach einer erbarmungslosen Verletztenserie konnte der SVW keines der letzten zwölf Spiele mehr gewinnen und stieg in die 2. Liga ab.

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23. November 1996, 2. Liga, SVW – FCK 2:0: Waldhof auf Rang 14, der FCK auf Platz 1. Die Vorzeichen für diese Zweitliga-Partie waren klar: Die Pfälzer, die mit ihrem bundesligareifen Kader aufkreuzten, waren klarer Favorit. Bei den Blau-Schwarzen war es ein Talent aus dem eigenen Nachwuchs, das ins kalte Wasser geschmissen wurde, und gegen die hochdekorierte Angriffsreihe der Lauterer um Pavel Kuka wohl das Spiel seines Lebens zeigte. „Der Trainer hat gesagt, alles ist in Ordnung, wenn Kuka kein Tor erzielt“, hatte Dennis Mackert seinen Auftrag damals formuliert. Stattdessen trafen Andrzej Kobylanski (79.) und Alois Schwartz (88.) zum 2:0-Sieg für Waldhof.

26. Mai 1997, 2. Liga, FCK – SVW 5:0: Es war das letzte Duell in einem Ligaspiel, und das hatte es in sich: Auch hier war es ein Nachwuchsfußballer aus den Reihen der Blau-Schwarzen, der für Schlagzeilen sorgte. Atilla Birlik, danach mit dem Spitznamen „Ehrmann-Killer“ ausgezeichnet, ließ die Waldhof-Fans trotz der derben 0:5-Schlappe feiern. Birlik erinnert sich: „Ich wurde beim Stand von 0:3 eingewechselt. Ich bekam den Ball am gegnerischen Strafraumeck und wurde sofort von Martin Wagner sauber rasiert. Ich sprang auf, wollte den Ball zurückerobern und sprang Wagner von hinten in die Waden – direkt vor der FCK-Kurve.“ Gerry Ehrmann baute sich vor Birlik auf, der dem FCK-Keeper per Reflex einen Wischer ins Gesicht verpasste, was ihm einen Platz in den Waldhof-Geschichtsbüchern sicherte. Auf dem Weg in die Kabine hatte Birlik vor der Haupttribüne noch demonstrativ sein Trikot präsentiert. Am Saisonende stieg der SVW in die Regionalliga ab, der FCK mit Trainer Otto Rehhagel schaffte den Sprung in die Bundesliga, wo er 1998 sensationell Meister wurde.

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