Fußball - Waldhof-Trainer Bernhard Trares lehnt Vertragsangebot ab und verlässt den Verein / Braunschweig steigt nach 3:2-Sieg auf Der Baumeister des Erfolgs geht

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Alexander Müller
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Vor dem Abschied: Bernhard Trares, hier vor dem Braunschweig-Spiel, wird den Waldhof verlassen. © Michael Ruffler

Mannheim. Das norddeutsche Mistwetter passte zur Stimmungslage beim SV Waldhof. Fieser Dauerregen empfing die Mannheimer Mannschaft an dem Tag, an dem das Ende einer überaus erfolgreichen Ära bekannt gegeben werden sollte, in Braunschweig. Zwei Stunden vor dem Anpfiff hatte der SVW eine Nachricht kommuniziert, die im Umfeld noch für einige Eruptionen sorgen könnte: Bernhard Trares, der bei den Fans beliebte Aufstiegstrainer und Baumeister des Erfolgs der vergangenen beiden Jahre, wird seinen Vertrag in Mannheim nicht verlängern. Mit ihm geht Assistent Benjamin Sachs, der bei der nächsten Station weiter mit Trares zusammenarbeiten will. Das Ergebnis – Braunschweig siegte glücklich 3:2 (2:1) und machte den Aufstieg in die 2. Liga damit perfekt – war für den SVW an diesem Mittwoch nur noch Nebensache.

Braunschweig - SV Waldhof

  • Eintracht Braunschweig: Engelhardt – Kessel, Nkansah, Burmeister, Schlüter – Biankadi (75. Otto), Nehrig (61. Kammerbauer), Pfitzner, Schwenk (61. Pourie) – Kobylanski, Bär (79. Becker).
  • SV Waldhof: Scholz – Marx, Gohlke, Christiansen, Celik (46. Hofrath) – G. Korte, Schuster, Flick, Gouaida, Ferati (79. Bouziane) – Sulejmani (86. Koffi).
  • Tore: 1:0 Kobylanski (4.) 1:1 Gohlke (13.) 2:1 Schwenk (44.) 2:2 Sulejmani (58.) 3:2 Kobylanski (73.).
  • Beste Spieler: Kobylanski/Schuster, Sulejmani.
  • Gelbe Karten: Nehrig, Pourie/ –.
  • Schiedsrichter: Alexander Sather.
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„Nach zweieinhalb wundervollen Jahren habe ich mich trotz eines Vertragsangebots dazu entschieden, den Verein zu verlassen. Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass meine Zeit am Alsenweg nach dieser Saison enden wird. Ich hatte beim SV Waldhof die bislang wundervollste Zeit in meiner Trainerkarriere“, wurde Trares in einer Mitteilung zitiert.

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Der Hintergrund seiner Entscheidung: Mit Sportchef Jochen Kientz lag der 54-Jährige in der zurückliegenden Saison mehrfach über Kreuz, unter anderem in der Frage, welche Spieler gehalten werden sollen.

Das Angebot für nur ein weiteres Jahr auf der Trainerbank beim SVW entsprach zudem nicht den Vorstellungen des Heppenheimers, dessen Vertrag schon nach dem furiosen Aufstieg in die 3. Liga entgegen seinen Wünschen nur um eine Saison ausgeweitet worden war – während Kientz und Geschäftsführer Markus Kompp längerfristig angelegte Arbeitspapiere vorgelegt bekamen. Es ging also auch um Fragen der persönlichen Chemie und interner Wertschätzung guter Arbeit.

Quote: 193 Punkte in 95 Partien

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„Wir sind total dankbar für das, was Bernhard und Benjamin für diesen Club geleistet haben. Sie haben sich in den vergangenen Jahren über die Trainertätigkeit hinaus mit viel Herzblut für den SVW engagiert. Wir hätten gerne weiter mit Ihnen zusammengearbeitet, respektieren aber ihre Entscheidung. Wir bedanken uns bei Bernhard und Benjamin und wünschen ihnen alles Gute“, ließ sich Kientz zitieren.

Das letzte Heimspiel gegen Zwickau am Samstag beendet damit die beste SVW-Ära der vergangenen beiden Jahrzehnte: Trares holte in 95 Partien mit dem SV Waldhof überragende 193 Punkte, schaffte den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga und ließ die Mannheimer sogar lange vom Durchmarsch in die 2. Liga träumen.

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Wie geht es jetzt weiter beim Alsenweg? Kientz hatte noch am Sonntag vehement das Gerücht dementiert, der frühere Hoffenheimer Bundesliga-Coach Marco Pezzaouili sei ein Kandidat für die Trares-Nachfolge. „An der Geschichte stimmt nur, dass ich vor 20 Jahren einmal mit seiner Schwester verheiratet war“, sagte der SVW-Manager. Dass am Dienstag Pezzaoulis Abschied als Jugendtrainer bei Eintracht Frankfurt bekanntgegeben wurde, kann Zufall sein – oder aber Kientz hat es bei seinem Dementi mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen.

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Der Druck auf den Sportlichen Leiter wird in den kommenden Wochen ohnehin hoch sein. Kientz muss nicht nur einen passenden neuen Trainer finden, sondern auch einen großen personellen Umbruch im Team selbst managen, den er sich teils selbst eingebrockt hat, weil Verträge mit etlichen Leistungsträgern (noch) nicht verlängert worden sind.

Trares, der seinerseits mit einem Engagement bei seinem früheren Club 1860 München in Verbindung gebracht wird, gab sich vor dem Anpfiff in Braunschweig am Mikrofon von MagentaSport schmallippig, als er auf die Gründe für seinen Abschied angesprochen wurde. „Ich habe es gestern der Mannschaft gesagt, deshalb wurde es jetzt kommuniziert. Wir sollten uns heute trotzdem auf das Spiel konzentrieren, meine Person kann man zu einem anderen Zeitpunkt abarbeiten“, erklärte der 54-Jährige.

Das Spiel selbst rückte unter diesen Vorzeichen für die Mannheimer, die mit nur noch theoretischen Aufstiegschancen nach Niedersachsen gereist waren, in den Hintergrund. Torhüter Markus Scholz feierte sein Comeback nach Kreuzbandriss, weil Timo Königsmann angeschlagen zuhause geblieben war. Zentral verteidigten in Abwesenheit von Michael Schultz, Kevin Conrad (beide Vertragsende) und Marcel Seegert (muskuläre Probleme) der junge Gerrit Gohlke und Mittelfeld-Mann Max Christiansen.

Schon nach vier Minuten gingen die Braunschweiger durch Martin Kobylanski in Führung – und man musste das Schlimmste für den extrem ersatzgeschwächten SVW befürchten. Doch die Mannheimer kämpften sich leidenschaftlich zurück in die Partie gegen den trotz Führung nervös wirkenden Aufstiegskandidaten – nach einer Ecke köpfte Gohlke schnell zum Ausgleich ein (13.). Der erneute Rückstand kurz vor der Pause durch einen Kopfball von Manuel Schwenk (44.) tat deshalb doppelt weh.

Aber die Kurpfälzer blieben einfach weiter dran: Mit einem herrlichen Treffer aus der Drehung besorgte Valmir Sulejmani den erneuten Ausgleich (58.) – und verpasste 13 Minuten später bei seinem technisch hochwertigen Pfostenschuss nur knapp den Doppelpack. Stattdessen fiel im Gegenzug das Braunschweiger Siegtor, als Kobylanski einen Abpraller zum 3:2 verwertete (73.). Marco Schuster hatte kurz vor Schluss noch die Chance zum verdienten Remis für den Waldhof, doch Eintracht-Schlussmann Marcel Engelhardt parierte mit dem Fuß (85.).

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB