Fußball - Nach dem furiosen 4:3 gegen Duisburg fährt der SV Waldhof als „Mannschaft der Stunde“ in der 3. Liga auf den Betzenberg Auf der Welle des Erfolgs

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Alexander Müller
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Sechs Treffer in Liga und DFB-Pokal: Torjäger Valmir Sulejmani macht in der 3. Liga einfach da weiter, wo er in der Regionalliga aufgehört hat. © Michael Ruffler

Mannheim. Das Thema Fußball sollte Michael Schultz bei einigen alten Kumpels in der Heimat in den nächsten Tagen besser umgehen. Der Verteidiger des Drittliga-Überraschungsteams SV Waldhof stammt aus Landau, gemeinhin ein Kerngebiet der Fans des 1. FC Kaiserslautern, bei dem die Mannheimer am Sonntag (13 Uhr) zum ersten echten Derby seit 18 Jahren antreten. „Man muss schon zugeben, dass die Südpfalz eher Rot als Blau-Schwarz ist“, sagte der 26-Jährige nach dem furiosen 4:3-Erfolg gegen den MSV Duisburg am Sonntag.

Derbysplitter

  • Wie das FCK-Fanportal „Der Betze brennt“ berichtet, gilt beim als „Hochrisikospiel“ deklarierten Derby gegen den SV Waldhof am Sonntag, 1. September (13 Uhr), ein generelles Alkoholverbot im Fritz-Walter-Stadion. Das teilte die Polizei Kaiserslautern auf Anfrage mit. Nur die VIP-Räumlichkeiten sind von dieser Regelung ausgenommen, Vertreter und Funktionäre des SVW dürfen sich dort aber laut Anordnung nicht mit „Gästefanutensilien“ zeigen.
  • Der Waldhof hat bis Montag fast sein komplettes Kontingent an Gästekarten (4500 Tickets) verkauft. Damit werden voraussichtlich rund 5000 Mannheimer die kurze Reise auf den Betzenberg antreten.
  • Live und in voller Länge ist das erste Duell der Erzrivalen beim Streamingdienst „MagentaSport“ zu sehen. Das SWR-Fernsehen zeigt in seinen Sport-Sendungen am Sonntag (21.45 Uhr) eine Zusammenfassung.
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Schultz wurde beim Karlsruher SC ausgebildet, spielte aber zwischen 2014 und 2016 auch zwei Jahre für die U 23 der Lauterer. „Ich kenne aber nur noch den einen oder anderen im Umfeld“, berichtete der Pfälzer, der sich seit dem Aufstieg und der Versetzung von Kapitän Kevin Conrad auf die linke Abwehrseite wieder seinen Stammplatz in der Innenverteidigung des SVW gesichert hat. Trainer Bernhard Trares schätzt am 1,94 Meter großen Manndecker seine körperliche Präsenz, die Kopf- und Zweikampfstärke, aber auch seine fast fehlerfreie Spieleröffnung.

3. Liga SV Waldhof besiegt MSV Duisburg mit 4:3

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Schultz ist einer von vielen Gewinnern in dieser Waldhof-Mannschaft, die sich auch in der 3. Liga bisher als unschlagbar erwiesen hat. Sechs Spiele, zuerst drei Unentschieden, zuletzt drei Siege am Stück, Platz vier, aufsehenerregender Offensivfußball - die Mannheimer sind zweifelsohne die Mannschaft der Stunde in der untersten deutschen Profiklasse und fahren mit riesigem Selbstvertrauen auf den Betzenberg.

Pokalkrimi als Schlüsselerlebnis

Die Frage, was in dieser Saison noch möglich sein könnte, wenn der SVW weiter auf dieser Welle des Erfolgs reitet, mag Trainer Bernhard Trares allerdings überhaupt nicht. „Das waren drei Punkte für den Klassenerhalt“, meinte der 54-Jährige nach dem aufregenden 4:3 gegen den Ausstiegskandidaten MSV nur lapidar und ergänzte in einem Anflug von Ironie: „Es ist ja nicht so, dass wir keine Lücken zeigen und 4:0 gegen Duisburg gewinnen. Dann müsste ich mir Sorgen machen.“

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Marcel Seegert, Partner von Schultz in der Innenverteidigung, hat den Pokalkrimi gegen Europapokal-Teilnehmer Eintracht Frankfurt (3:5) als Schlüsselerlebnis ausgemacht. „Dieses Spiel war für viele von uns noch einmal eine Erkenntnis, was wir erreichen können, wenn wir immer an unser Limit gehen. Das hat uns verdammt viel Selbstvertrauen gegeben“, erklärte der Mannheimer: „Ich will mich nicht festlegen, wo unsere Grenze ist. Wir genießen jedes Spiel.“ Nach den Eindrücken von Sonntag ist dem Aufsteiger mit der Euphorie im Rücken fast alles zuzutrauen.

Selbst der Durchmarsch in die 2. Liga, wie ihn 2016 die Würzburger Kickers unter ähnlichen Ausgangsbedingungen geschafft haben, könnte in Reichweite geraten, wenn es den Mannheimern gelingt, sich von der Begeisterung durch die Saison tragen zu lassen. Eine unbeugsame Mentalität, ein funktionierendes, gewachsenes Kollektiv, das die Spielidee des Trainers komplett verinnerlicht hat, dazu herausragende Einzelspieler - das stimmige Waldhöfer Gesamtpaket lässt die Fans schon von der ganz großen Sensation träumen. „Es ist toll, wie sich die Mannschaft entwickelt hat“, meinte Sportchef Jochen Kientz.

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Einer der Solisten, der auch in der neuen sportlichen Umgebung für Furore sorgt, ist Valmir Sulejmani. Sechs Pflichtspiel-Tore hat der Hannoveraner bereits erzielt, bei seiner Auswechslung in der Schlussphase gegen Duisburg feierten die Fans den Angreifer frenetisch. „Das ist ein Zeichen dafür, dass du dein Maximum herausgeholt und gut gespielt hast“, sagte Sulejmani und blickte gleich auf das prickelnde Duell beim FCK: „Das wird nach dem Frankfurt-Spiel das nächste Highlight.“

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Eine ganz besonderes Partie wird es natürlich auch für den Pfälzer Schultz. Der 26-Jährige warnte allerdings davor, die Tabelle, in der der SVW als Vierter weit vor den Lauterern liegt, überzubewerten. „In einem Derby zählt keine Ausgangsposition. Aber wir haben auch auf dem Betzenberg eine Chance.“ Seine Kumpels aus Landau würden ihm einen Sieg beim FCK sicher verzeihen.

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Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB