2. Fußball-Bundesliga - Sandhausen beendet mit spektakulärem 4:4 in Bochum die Talfahrt / Zwei Rückstände aufgeholt „Haben uns das Glück erarbeitet“

Von 
Maximilian Wendl
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Bochum/Sandhausen. Die gute Nachricht vorneweg: Der SV Sandhausen hat nach vier Partien ohne eigenen Treffer doch nicht verlernt, wo sich das gegnerische Tor auf dem Fußballplatz befindet. Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht, denn nach dem spektakulären 4:4-(2:2)-Unentschieden beim VfL Bochum warten die Schwarz-Weißen seit mittlerweile fünf Begegnungen auf einen Dreier in der 2. Fußball-Bundesliga. Nach dem torreichen Duell am Sonntagnachmittag überwog im SVS-Lager aber das Positive, denn die Gäste holte zweimal einen Zwei-Tore-Rückstand auf. „Das zeigt, dass die Mannschaft intakt ist. Das steht über allem“, hielt der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca fest.

Zunge raus: Der Sandhäuser Torschütze zum 2:2 Julius Biada (l.) jubelt mit Team-kollege Leart Paqarada im Vonovia Ruhrstadion – nach dem 2:4-Rückstand nahmen die Gäste beim VfL Bochum beim 4:4 einen Punkt mit. © dpa
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Die Anfangsphase im „Vonovia Ruhrstadion“ war jedoch ein Abbild des schwachen Heimauftritts gegen den Karlsruher SC (0:2/wir berichteten). Die Hausherren erwischten den SVS auf dem falschen Fuß. Nach einem Fehlpass von Robin Scheu, der neben Aziz Bouhaddouz, Emanuel Taffertshofer, Ivan Paurevic und Gerrit Nauber einer von fünf neuen Spielern in der Startformation war, konnte Nauber nur noch mit einem Foul im Strafraum eingreifen. Den fälligen Elfmeter verwandelte der frühere SVS-Profi Danny Blum (6.).

Ein Auf und Ab der Gefühle

Nur zwei Minuten später – Sandhausen stand immer noch völlig neben sich – ließ Innenverteidiger Aleksandr Zhirov seinen Gegenspieler entwischen. Dieser flankte auf Blum, der nur 135 Sekunden nach der Führung auf 2:0 erhöhte. SVS-Trainer Uwe Koschinat rang nach Worten: „Fakt ist, dass wir in der Anfangsphase nahezu überrollt wurden, da lag ein Debakel in der Luft.“

Der SVS konnte es jedoch abwenden und profitierte beim 1:2-Anschlusstreffer von Julius Biada von einem misslungenen Klärungsversuch von Saulo Decarli. Aus der Distanz drosch Biada den Ball ins Netz und brach dadurch den Torbann. Beinahe wäre die Aufholjagd der Kurpfälzer plötzlich beendet worden, aber Silvére Ganvoula vergab. Und der SVS schien aus den vergangenen Wochen etwas gelernt zu haben: Wenn es mit feinem Fußball nicht geht, dann muss eben Gewalt her. So wie beim Freistoß von Julius Biada, der kurz vor der Pause ausglich. Der Doppeltorschütze sagte: „In diesem Stadion ist es nicht einfach, noch einmal zurückzukommen. Wir hatten uns viel vorgenommen, wollten mutiger spielen und haben unseren Stiefel einfach durchgezogen. Bei mir ist dann auch der Knoten etwas aufgegangen. Es war ein Auf und Ab der Gefühle.“

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Abwärts ging es dann direkt nach der Pause wieder, denn Blum hatte sich gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber offenbar eine Menge vorgenommen und traf zum dritten Mal an diesem Tag (49.). Glück hatte der SVS dann auch noch als der zuletzt häufig gelobte Zhirov einen Ball an den eigenen Pfosten lenkte. Aber auch das Glück verließ Sandhausen dann, als Jordi Osei-Tutu auf 4:2 stellte. Kurz zuvor hatte Nauber seine fünfte Gelbe Karte gesehen. Somit wird er im Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Sonntag, 8. März, fehlen.

Türpitz gleicht aus

Es wäre durchaus möglich gewesen, dass die psychisch angeschlagenen Gäste nach den beiden Gegentoren diesmal nicht mehr zurückkommen würden. Aber sie kämpften und bekamen nach 84 Minuten einen Strafstoß zugesprochen. Die zuletzt gegebenen Elfmeter hatte der SVS allesamt verschossen, diesmal nahm sich Kevin Behrens die Kugel und verwandelte. In Bochum war aber immer noch nicht Schluss, denn Schiedsrichter Johann Pfeifer wollte der bekannten Sage über seine Geburtsstadt Hameln alle Ehre machen. Er blies in seine Pfeife und entschied zum dritten Mal auf Strafstoß. Anders als in der Rattenfängersage versammelten sich aber keine Tierchen um ihn, sondern die Bochumer Spieler, die heftig diskutierten.

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Die Entscheidung des Unparteiischen war aber korrekt und blieb bestehen. Philip Türpitz übernahm die Verantwortung und glich in der 93. Minute zum 4:4-Endstand aus. Kapitän Dennis Diekmeier hob mit geballten Fäusten ab und schrie seine Freude heraus. Nach dem Spiel hatten sich die Emotionen wieder etwas beruhigt. Er sagte: „Wir haben uns das Glück erarbeitet. Es ist nun an der Zeit, die Situation in den kommenden Wochen insgesamt zu drehen. Mit einer so positiven Herangehensweise werden wir das schaffen.“ Und dann würde der SVS wohl auch wieder für noch mehr positive Nachrichten sorgen. Bisher haben sie nach der Negativserie erst einmal bewiesen, dass sie wieder wissen, wie man Tore erzielt.

Redaktion Maximilian Wendl ist freier Mitarbeiter vor allem im Bereich Sport. Er betreut unter anderem den SV 1916 Sandhausen (Fußball), die Kurpfalz-Bären (Frauenhandball) und die HG Oftersheim/Schwetzingen (Männerhandball). Außerdem ist er Experte für Motorsport.