Löwen mit Doppelschlag ins Mammutprogramm

Von 
Marc Stevermüer
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Niclas Kirkeløkke (rechts, hier gegen den Flensburger Jim Gottfridsson) wird im rechten Rückraum als Alleinunterhalter gefragt sein. © Binder

Mannheim. Die Anreise zu einem Europapokalspiel fiel für die Handballer der Rhein-Neckar Löwen in den vergangenen Jahren schon mehrfach recht kompliziert aus. Um nicht zu sagen: abenteuerlich. Man denke da nur an den Trip in die Ukraine, als sich auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel plötzlich die Ladeluke des Busses öffnete und ein paar Koffer auf die Autobahn fielen. Oder die Rückreise aus Montpellier mit dem Schnellzug TGV. Nach einem Defekt stand die Mannschaft samt Gepäck auf einmal auf einem Bahnhof in der französischen Prärie und wartete auf den nächsten Zug. Ebenfalls unvergessen: Der spontane Mietwagen-Trip quer durch Dänemark. Schlechtes Wetter verhinderte einen Rückflug aus Billund. Mit mehreren Autos fuhren die Löwen umgehend nach Kopenhagen, um von dort aus noch einen Flieger nach Frankfurt zu bekommen.

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Verglichen damit dürfte das, was am Dienstag auf den Handball-Bundesligisten zukommt, weder aufregend noch chaotisch werden. Die Löwen müssen vom Trainingszentrum in Kronau nur 250 Kilometer mit dem Bus in südliche Richtung fahren, die Schweizer Grenze überqueren und um 17.30 Uhr zum Gruppenspiel der European League bei den Kadetten Schaffhausen antreten. 25 Stunden und 15 Minuten später wird dann auch gleich das Rückspiel bei den Schweizern ausgetragen. Die Löwen wollen angesichts des Mammutprogramms in den nächsten Wochen die ersten beiden Partien im neuen Jahr kurz und schmerzlos hinter sich bringen. Einen echten Heimvorteil gibt es ohne Zuschauer ja sowieso nicht.

Klar ist: Die Badener visieren vier Punkte an, mit zwei Erfolgen würden sie ihre Tabellenführung ausbauen. „Unser Ziel ist der Gruppensieg“, sagt Trainer Martin Schwalb, der die Belastung auf alle Spieler verteilen will. Zum Kader gehören auch die WM-Fahrer Uwe Gensheimer, Andy Schmid und Patrick Groetzki, die nach mehreren negativen Corona-Tests und beendeter Quarantäne am Montag zum Team stießen. Nicht mit dabei sind hingegen Andreas Palicka, Albin Lagergren und Romain Lagarde. Das Trio war am Final-Wochenende der Weltmeisterschaft in Ägypten noch im Einsatz und wird erst zu Beginn der nächsten Woche wieder im Mannschaftstraining erwartet. Mikael Appelgren fehlt verletzt (Schulter), fraglich ist das Mitwirken von Nikolas Katsigiannis (Wadenprobleme). Kurzum: Wenn schon nicht die Anreise, so ist also zumindest die Personallage erschwert.

Auf der halblinken Position steht beispielsweise in Abwesenheit von Lagergren nur Niclas Kirkeløkke zur Verfügung, da Alexander Petersson den Club kurzfristig und durchaus überraschend nach fast neun Jahren in Richtung SG Flensburg-Handewitt verlassen hat. „Die Löwen sind diesem Spieler zu großem Dank verpflichtet. Was er hier geleistet hat, ist schwer in Worte zu fassen. Das steht erst einmal für sich“, sagt Schwalb über den 40-Jährigen, der an allen Titelgewinnen des Clubs beteiligt war und auch in dieser Saison seinen Wert nachgewiesen habe, wie der Trainer deutlich macht: „Aber es gibt Situationen, in denen es weder um Romantik noch um die sportliche Bedeutung, sondern um das Gesamtpaket geht. So läuft der Profisport. Und diese Lösung ist für alle Seiten eine gute.“

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft