Handball - Gedeón Guardiola blickt vor dem Umzug nach Lemgo etwas wehmütig auf sein letztes Kapitel bei den Rhein-Neckar Löwen und freut sich schon auf die Rückkehr Ex-Löwe Gedeón Guardiola freut sich auf seine Rückkehr nach Mannheim

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Thorsten Hof
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Emotionen pur: Über den Tempogegenstoß kam Gedeón Guardiola auch oft erfolgreich vor das gegnerische Tor. © Binder

Mannheim. Noch einmal das Bad in der Menge genießen, die Mannschaftskollegen umarmen, sich bei den Fans für die jahrelange Unterstützung bedanken und in das weite Rund der SAP Arena winken. Gedeón Guardiola hat es in seiner langen Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen immer wieder aus unmittelbarer Nähe miterleben dürfen, was es heißt, angemessen verabschiedet zu werden. Diese Gänsehautmomente hatte er sich nicht nur einmal ausgemalt, als feststand, dass er nach acht Jahren im gelben Trikot seine Zelte in der Kurpfalz abbrechen würde. Doch die Corona-Pandemie machte auch diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Anstatt auf der großen Bühne nach dem letzten Heimspiel wurde der Spanier kürzlich im Kronauer Trainingszentrum verabschiedet - ohne Fans, ohne die meisten seiner Mitspieler und immer mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand.

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„Das hat mich schon etwas traurig gemacht“, blickt der 35-Jährige Fan-Liebling zurück, der vor allem den direkten Kontakt zum Löwen-Anhang vermisst. Doch immerhin über die sozialen Medien nutzten viele Löwen-Fans die Gelegenheit, dem langjährigen Abwehrchef „Adios“ zu sagen. Viele hätten sich zudem gewünscht, dass sein Trikot einen Ehrenplatz unter dem Hallendach bekommt. „Das hat mich natürlich sehr gefreut und ich hoffe, dass ich mich nochmals persönlich bedanken kann“, denkt Guardiola schon an die Rückkehr mit seinem neuen Club TBV Lemgo-Lippe in der nächsten Spielzeit - wann auch immer die dann beginnen kann.

Momentan ist das allerdings noch ein Stück weit weg. „Im Kopf bin ich noch immer Löwe“, sagt der 1,99-Riese und macht das vor allem an der täglichen Routine mit der Familie fest. Zwar werden bereits der Umzug von St. Leon nach Lemgo für Ende des Monats geplant und die ersten Kisten gepackt, aber die Rhein-Neckar Region ist dem Weltmeister von 2013 inzwischen eine zweite Heimat geworden, die man nicht so einfach hinter sich lässt. Und bevor es nach Ostwestfalen geht, denkt Guardiola eventuell noch an einen Abstecher zur Familie in Spanien - sofern es die Lage in dem von der Corona-Pandemie schwer gebeutelten Land überhaupt zulässt.

Vorfreude auf Bruder Isaias

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Auch hier ist wieder die Ungewissheit vor dem neuen Lebensabschnitt des Abwehrspezialisten zu spüren, sogar wie, wann und unter welchen Voraussetzungen die Vorbereitung beim TBV beginnen wird, ist noch offen. Fest steht bislang nur, dass sein Vertrag in Lemgo am 1. Juli beginnt - und dass er dort wieder auf seinen Bruder Isaias treffen wird.

„Isa hat sich um unheimlich viel gekümmert. Hat nach einer Wohnung und Kindergartenplätzen für Gedeón junior und Alma geschaut. Und wenn es um alles Sportliche beim TBV geht, laufe ich ihm einfach hinterher“, lacht der Spanier und freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Zwillingsbruder, mit dem er schon bei den Löwen zwei Jahre gemeinsam am Ball war. „Das ist natürlich ein großer Vorteil für mich. Für uns werden sich viele Umstellungen ergeben, aber so wird es sicher ein Stück leichter“, sagt Guardiola mit Blick auf seinen ein Zentimeter größeren Bruder, der schon seit 2017 beim TBV im rechten Rückraum am Ball ist.

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Ein bisschen Vorfreude auf die neue Aufgabe ist dem Mann mit dem Kämpferherz da bereits anzumerken, doch momentan geht der Blick noch immer eher zurück. „Die Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen hat mich schließlich sehr geprägt - sportlich und persönlich“, sagt Guardiola.

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„In den acht Jahren in Deutschland wurden meine Kinder geboren, ich habe eine schwere Verletzung überstanden und wir haben große Erfolge gefeiert“, fasst der 35-Jährige Routinier, der gerne bei den Löwen geblieben wäre, diese Zeit zusammen.

Titelgewinn 2017 als Höhepunkt

Vor allem der zweite Titelgewinn 2017 ist ihm noch in bester Erinnerung. „Die erste deutsche Meisterschaft im Jahr zuvor war natürlich ein Meilenstein für den Verein. Aber den Titel dann nochmals zu holen - und das vor den eigenen Fans. Das war natürlich ein absoluter Höhepunkt“, erinnert sich der von vielen Experten als „bester Abwehrspieler der Welt“ bezeichnete Rechtshänder an die gelb-blaue Party vor drei Jahren - eben diese Gänsehautmomente, für die Profisportler leben und die Guardiola mit seinen Fähigkeiten als Turm in der Löwen-Defensive maßgeblich ermöglichte.

„Wir verdanken dir sehr viel. Wir werden dich vermissen“, würdigte deshalb auch Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann die Verdienste des Iberers, der an bislang allen Triumphen der Mannheimer beteiligt war und dessen Abschied daher ein besonderer Einschnitt ist. Und mit dem stillen Abschied des großen Kämpfers wird es sicher nicht getan sein. „Vielleicht können wir ein bisschen etwas nachholen, wenn ich mit Lemgo wieder da bin“, freut sich Guardiola schon jetzt auf die Rückkehr in die Mannheimer Arena.

Redaktion Sportredakteur, Schwerpunkte SV Waldhof, Rhein-Neckar Löwen.