Handball - Nach dem 32:34 in Göppingen müssen sich die Rhein-Neckar Löwen vorwerfen lassen, nicht alles abgerufen zu haben / Am Dienstag gegen Grundfos Tatbanya Eine Frage der Einstellung

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Thorsten Hof
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Mannheim. Der Frust saß tief, den Start ins neue Handball-Jahr hatten sich die Rhein-Neckar Löwen ganz anders vorgestellt, als er nach der 32:34-Niederlage bei Frisch Auf Göppingen dann Realität war. Und auch wenn die Badener gleich am Dienstagabend (20.45 Uhr/SAP Arena, live bei DAZN) in der European League gegen Grundfos Tatabanya KC die Gelegenheit haben, sich die Enttäuschung schnell wieder aus den Kleidern zu spielen, stand am Tag danach zu einem Großteil noch die Aufarbeitung der vermeidbaren Pleite bei den Schwaben im Mittelpunkt. Vermeidbar deshalb, weil die Löwen vor allem im kämpferischen Bereich nicht alles abgerufen hatten, was in ihnen steckt.

Kapitän Uwe Gensheimer (im Vordergrund, mit Jesper Nielsen) bemängelte die fehlende Aggressivität der Löwen. © Pix
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Darüber gab es hinterher keine zwei Meinungen, wie es beispielsweise Kreisläufer Jannik Kohlbacher formulierte. „Das war keine Qualitätsfrage, das war eine Einstellungssache“, brachte es der Nationalspieler, der sich in dieser Beziehung wie immer keinen Vorwurf machen musste, empfindlich klar auf den Punkt. Gerade zu Beginn der Partie hatten es die Göppinger gegen die offensive 5:1-Abwehr der Löwen teilweise viel zu leicht, um zum Torerfolg zu kommen.

„Zu viele Zweikämpfe verloren“

„Wir sind schlecht in die Partie gekommen und haben zu viele Zweikämpfe verloren“, ärgerte sich Trainer Martin Schwalb vor allem über die ersten 20 Minuten, als auch die Rückwärtsbewegung bei Fehlwürfen oder Ballverlusten nicht stimmte. Und im Angriff war ebenfalls nicht alles bei 100 Prozent. „Wir haben den Ball viel zu langsam zirkulieren lassen“, befand der Coach, die Göppinger Defensive hatte so immer wieder Gelegenheit, sich in der jeweiligen Gefahrenzone zu organisieren – und zog aus jeder dieser Situationen weiteres Selbstvertrauen.

Zudem gab es keine Entlastung durch die viel beschworenen „einfache Tore“ aus dem Rückraum. „Das ist ja immer so, dass wir das spielerisch lösen müssen. Wir sind ja keine Mannschaft, die aus elf Metern die Dinger reinschrotet“, relativierte Coach Schwalbe die oft zu harmlosen Würfe aus der zweiten Reihe – und ausgerechnet Lukas Nilsson, der eigentlich für die Treffer aus der Distanz vorgesehen ist, fand wie schon in den vorangegangen Partien auf europäischer Ebene nicht richtig ins Spiel. Dass Romain Lagarde aufgrund seiner Verletzung von der WM weiter fehlt, war ebenfalls wenig hilfreich, während auf Göppinger Seite Sebastian Heymann mit fünf Treffern aus dem linken Rückraum vormachte, wie es geht.

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Und dennoch waren die Löwen keinesfalls chancenlos, nach einer Steigerung im zweiten Durchgang war ein Punkt sogar immer wieder greifbar. „Wir haben gute Ansätze gefunden“, sagte Schwalb. Doch es blieb bei den Ansätzen, weil Göppingen die entscheidenden Würfe versenkte, während die Löwen den ein oder anderen Versuch aus dieser Kategorie ausließen. Am Ende fehlte wohl auch ein wenig der Glaube an die eigene Stärke, weil sich die Badener vom Start weg nicht mit der nötigen Sieger-Mentalität präsentierten. „Wir haben viel zu wenig Aggressivität im Eins-gegen-eins gehabt und jeden Zweikampf verloren. Da war fast jeder Angriff ein Treffer“, sah es auch Kapitän Uwe Gensheimer wie sein Kollege Kohlbacher. Selbst die zehn Tore des Anführers auf Linksaußen genügten nicht, um das Team am Ende entscheidend mitzureißen.

Berlin die nächste große Hürde

Am Sonntag wartet in der Liga mit der Partie bei den Füchsen Berlin schon die nächste Herausforderung gegen einen direkten Konkurrenten im Verfolgerfeld hinter Kiel und Flensburg. „Da können wir es besser machen“, setzt Trainer Schwalb auf einen anderen Auftritt seines Teams, das nun gegen Tatabanya und am Donnerstag (17 Uhr) gegen RK Trimo Trebnje entsprechend Anlauf nehmen kann.

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„Lange nachdenken und grübeln werden wir über das Göppingen-Spiel nicht“, hofft auch Kapitän Gensheimer auf einen Stimmungsaufheller gegen den noch punktlosen Letzten der Gruppe D aus Tatabanya. Und geht es nach Trainer Schwalb, werden da genau die Tugenden gefragt sein, die gegen Göppingen etwas vermisst wurden. „Tatabanya ist eine Truppe, die ist körperlich echt stark. Da sind ein paar Jungs dabei, die man in Bewegung bringen muss. Da sollten wir schnelle Beine beweisen, sonst tun wir uns schwer“, fordert der 57-Jährige eine eindeutig engagiertere Vorstellung als zuletzt.

Redaktion