Handball - Rhein-Neckar Löwen stehen beim unerwartet deutlichen 30:23 über Hannover-Burgdorf wesentlich besser im Abwehrzentrum Die Kunst der kleinen Korrekturen

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Marc Stevermüer
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Gedeón Guardiola (Bild oben) machte im Löwen-Innenblock ein starkes Spiel und jubelte über zwei Tore. Mit den Rückennummern in Regenbogenfarben setzte der Club ein Signal gegen Rassismus und Diskriminierung. © Michael Ruffler

Mannheim. Entspannt steht Trainer Martin Schwalb etwa eine Stunde vor dem Spiel der Rhein-Neckar Löwen gegen die TSV Hannover-Burgdorf im Innenraum der SAP Arena und beobachtet das Aufwärmprogramm seiner neuen Mannschaft, die er erst seit ein paar Tagen kennt. Sein Einfluss auf das Team sei deshalb noch gering, sagt der 56-Jährige – und wiederholt diese Worte auch nach der Begegnung, die der zweifache deutsche Handball-Meister mit 30:23 gewinnt. „Ich habe weder ein Tor erzielt noch hatte ich eine gute Abwehraktion“, scherzt der Trainer, um den sich momentan alles dreht.

Handball Löwen mit zweitem Sieg im zweiten Spiel unter Martin Schwalb

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„Duo der Gegensätze“

Löwen: Appelgren, Palicka (n.e.)– Tollbring (2), Kohlbacher ...

  • Löwen: Appelgren, Palicka (n.e.)– Tollbring (2), Kohlbacher (4), Groetzki (4) - Mensah Larsen (3), Schmid (10/6), Petersson (2) – Guardiola (2), Abutovic (n.e.), Kirkeløkke (1), Lagarde (1), Fäth (n.e.), Gislason (1), Ganz (n.e.), Kessler (n.e.).
  • Hannover: Ebner, Lesjak - Cehte (5), Mävers (1), Patrail, Pevnov (1), Jönsson (3), Böhm (4), Ugalde (2), Krone (1), Olsen, Brozovic (1), Feise (2), Kastening (3), Büchner.
  • Schiedsrichter: Brodback/Reich.
  • Zuschauer: 11 992.
  • Strafminuten: Mensah Larsen (2), Gislason (2), Kirkeløkke – Brozovic (2), Patrail (2), Ugalde (2), Böhm (2).
  • Beste Spieler: Appelgren, Guardiola, Schmid– Cehte.
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Schwalb hat für einen Stimmungsumschwung und den ersten Bundesliga-Sieg in diesem Jahr gesorgt, nun soll er die Löwen möglichst schnell wieder nach ganz oben führen. Der Coach gilt schon jetzt als Heilsbringer, allerdings gibt es da jemanden, dem der Hype um Schwalb fast ein wenig zu weit geht. Es ist Schwalb selbst, weil er trotz des Sieges um die Defizite der Löwen weiß. „Im Angriff haben wir ein paar Fehler zu viel eingestreut.“ Ziemlich „unsortiert“ sei das teilweise gewesen, „im Verbundspiel, im Anbieten und in den Kreuzungen“ sei der Auftritt „nicht so toll“ gewesen. Letztendlich hilft gegen die Niedersachsen immer wieder die individuelle Klasse, weshalb der Trainer dann auch „zufrieden“ ist. Gleichwohl impliziert ja schon das Wort „zufrieden“, dass es noch Steigerungsmöglichkeiten gibt.

Aus den Fehlpässen und Ballverlusten leitet Schwalb einen „Arbeitsauftrag“ ab. Für die Mannschaft. Und natürlich auch für sich selbst. Dass der gebürtige Stuttgarter aber die Kunst der kleinen – und vor allem schnellen – Korrekturen beherrscht, zeigt sich gegen Hannover. Die Löwen stehen wie schon zuletzt beim Sieg über Liberbank Cuenca deutlich stabiler in der Deckung. „Darüber haben wir gesprochen und den Fokus darauf gerichtet“, verrät der 56-Jährige.

Während der Partie hat er „riesigen Spaß“ am Innenblock-Duo Ymir Gislason/Gedeón Guardiola, das in den Zweikämpfen so glücklich wirkt wie spielende Kinder. Auch weil es sich sicher fühlt. „Wenn man den Jungs sagt, wo sie hingehen sollen, und dann kommt es auch so, fühlt man sich wohl“, sagt Schwalb. Er liebt es zweifelsohne, wenn ein Plan aufgeht – weil er entsprechend umgesetzt wird. Wie in diesem Fall von Guardiola und Gislason. „Sie waren das Rückgrat, haben eine super Arbeit geleistet und fast alles richtig gelöst.“

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In der Tat reibt sich gegen Hannover manch ein Beobachter verwundert die Augen, gleicht der Auftritt in der Abwehr doch – gemessen an vielen Leistungen in dieser Saison – einer Illusion. „Ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir das letzte Mal 23 Tore bekommen haben. Wenn man solch eine Abwehr stellt, steht man im Angriff nicht so sehr unter Druck. Zuletzt mussten wir ja fast immer 30 Tore erzielen“, lobt Spielmacher Andy Schmid, der bei den Badenern traditionell für die magischen Momente im Angriff zuständig ist. Wenn er den Ball hat, geht es bisweilen schön und spektakulär zu. Doch gegen Hannover verkörpern Guardiola und Gislason die zweite Seite dieses Sports: Handball mag im Angriff etwas von der Ästhetik eines Balletts haben, in der Abwehr hat dieses Spiel aber auch immer etwas von der Athletik eines Boxkampfes, in dem es nicht nur auf Härte, sondern auch auf Taktik und Schnelligkeit ankommt. Wo auch immer die Hannoveraner an diesem Abend hinwollen – die Löwen-Abwehr ist schon da. Und so sind es nicht nur die Zahlen des Andy Schmid (10 Tore, 7 Vorlagen), die beeindrucken, sondern es ist vor allem die formidable Defensiv-Arbeit, die sich selten komplett in Statistiken festhalten und erfassen lässt, sich aber stets im Endergebnis niederschlägt.

Die funktionierende Feinabstimmung verwundert dabei durchaus ein wenig, wechselte Gislason doch erst Anfang Februar zum zweifachen deutschen Meister. „Die Jungs helfen mir richtig viel“, freut sich der 22-Jährige über die rasche Integration, die allerdings auch immer dann schneller voranschreitet, wenn ein Spieler eine gewisse Klasse mitbringt. Und das scheint beim Neuzugang der Fall zu sein. „Ymir bewegt sich gut, ist stark im Zweikampf und er versteht unser System“, lobt Guardiola, der mit Gislason ein „Duo der Gegenätze“ bildet. So nennt zumindest Schmid das Gespann mit dem kühlen Isländer und dem heißblütigen Spanier: „Ich habe keine Ahnung, wie sich die zwei Jungs verständigen.“ Ganz offensichtlich wissen die zwei Abwehr-Asse aber, was sie zu tun haben.

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Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/loewen

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Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft