14 Löwen freuen sich auf die EM

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Marc Stevermüer
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Ein Rudel aus 14 Löwen ist ab Donnserstag bei der Handball-EM dabei. © AS Sportfoto/ Binder

Mannheim. Der Parkplatz vor dem Trainingszentrum der Rhein-Neckar Löwen in Kronau ist in diesen Tagen recht leer - und daran wird sich auch vorerst nicht viel ändern. Patrick Groetzki, Tim Ganz, Ilija Abutovic und Steffen Fäth sind noch da, alle anderen Spieler des Handball-Bundesligisten sind ab nächster Woche für ihre Heimatländer bei der Europameisterschaft in Norwegen, Österreich und Schweden aktiv. Gleiches gilt für Trainer Kristján Andrésson. Der 38-Jährige betreut die schwedische Auswahl, zu der mit Jesper Nielsen, Jerry Tollbring, Mikael Appelgren und Andreas Palicka auch vier Profis der Löwen gehören. Uwe Gensheimer und Jannik Kohlbacher sind mit den Deutschen unterwegs, deren Teammanager ist Oliver Roggisch, der Sportliche Leiter des badischen Bundesligisten. Außerdem beim Turnier am Ball: Niclas Kirkeløkke, Mads Mensah Larsen (beide Dänemark), Romain Lagarde (Frankreich), Gedeón Guardiola (Spanien), Alexander Petersson (Island) und Andy Schmid, der mit Außenseiter Schweiz seinem Turnierdebüt entgegenfiebert.

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„Wir werden wohl nicht den Titel holen, aber immerhin haben wir ein leichtes Auftaktspiel“, sagt der Weltklasse-Mittelmann mit einem schelmischen Grinsen: In ihrer ersten Partie treffen die Eidgenossen auf Gastgeber und Medaillenkandidat Schweden - und damit auch auf gleich fünf Löwen, die mit ganz anderen Erwartungen in die EM starten als eben Schmid. Die Schweizer sind glücklich, überhaupt dabei zu sein. Andrésson und Co. wollen hingegen den Heimvorteil nutzen und eine Medaille holen. Mindestens. „Es wäre nicht schlecht, noch einen großen Titel mit der Nationalmannschaft vor dem Karriereende zu gewinnen“, sagt der 33-jährige Palicka, der bei den Löwen zuletzt auseichend Kollegen fragen konnte, wie das so ist, ein Turnier im eigenen Land zu spielen. Die WM 2019 fand schließlich in Deutschland und Dänemark statt, mit Mensah Larsen, Gensheimer, Kohlbacher sowie den diesmal nicht nominierten Groetzki und Fäth. „Ich freue mich riesig“, sagt Palicka, „für einen Sportler ist es das Größte, solch ein Turnier vor den eigenen Fans zu spielen.“

Einer, der so etwas auch schon erlebte, ist Guardiola. Der Weltklasse-Abwehrspieler gewann 2013 mit Spanien im eigenen Land WM-Gold, vor zwei Jahren folgte der EM-Triumph. „Dass ich diese beiden Titel mit dem Nationalteam feiern durfte, habe ich den Löwen zu verdanken. Ohne diesen Verein wäre ich nie der Spieler geworden, der ich heute bin“, sagt Guardiola, der die Badener am Saisonende in Richtung TBV Lemgo verlässt und vor zwei Jahren ein wenig unerwartet mit den Iberern Europameister wurde. Damals stellte der Titelverteidiger alle Gegner mit einer offensiven Abwehrvariante vor unlösbare Probleme. „Aber diesmal ist der Überraschungseffekt weg, wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen“, sagt Guardiola, der am nächsten Samstag mit Spanien im zweiten Vorrundenspiel auf Deutschland trifft. Der Sieger des Duells dürfte beste Chancen aufs Halbfinale haben, da in der Hauptrunde mit Kroatien nur noch ein vermeintlich starker Gegner wartet.

Angesichts dieser Aussichten ist klar, dass die Deutschen früh beste Voraussetzungen für den Einzug in die Vorschlussrunde schaffen wollen. Die knapp verpasste Medaille im vergangenen Jahr schmerzt den WM-Vierten, der trotz personeller Sorgen im Rückraum selbstbewusst und mit großen Hoffnungen in das Turnier startet. Das machen die Worte von Kohlbacher deutlich. „Zuletzt waren wir im Halbfinale, da wollen wir wieder hin und das ist auch realistisch. Auf alle Fälle wollen wir uns etwas um den Hals hängen“, will der Kreisläufer nicht ein weiteres Turnier ohne Medaille beenden.

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Um Edelmetall geht es auch für die Dänen, die mit Nikolaj Jacobsen auf der Trainerbank anreisen. „Wir können schlecht sagen, dass wir nicht einer der Favoriten sind, wenn wir als Weltmeister antreten. Vor allem wenn man sieht, in welcher Art und Weise wir den Titel geholt habe. Wir sind einer der Titelanwärter“, sagt der Ex-Coach der Löwen.

In der Vorrunde bekommen es die Dänen mit einem aktuellen Spieler des badischen Bundesligisten zu tun. Alexander Petersson war vor knapp drei Jahren aus der isländischen Auswahl zurückgetreten, nun ist er wieder dabei. Damals machte ihm die Belastung zu schaffen, gerade auch aufgrund der Champions League. Doch in dieser Saison sind die Löwen nicht in der Königsklasse dabei und der 39-Jährige zurück bei den Isländern: „Ich wünsche mir einen schönen Abschied aus dem Nationalteam.“ Und zwar die Olympischen Spiele. Um im Sommer in Tokio dabei zu sein, müssen sich die Nordeuropäer aber erst einmal bei der EM die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier sichern.

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft