Tennis - Grün-Weiss-Spieler Dominik Koepfer schildert seinen Quarantäne-Alltag in Melbourne / Isolation endet am Samstag Nur zwei Stunden „Freigang“

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Christof Kaltenbach
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Dominik Koepfer, hier im Achtelfinale der US Open 2019, durfte sich immerhin auf die Australian Open vorbereiten. Andere Profis hatten nicht so viel Glück. © dpa

Melbourne. „Das könnten zwei lange Wochen werden“, waren die Worte von Dominik Koepfer zu Beginn des Jahres. Gemeint war die Quarantäne, die ihm im australischen Melbourne bevorstand. Diese zwei langen Wochen enden am heutigen Samstag und werdendem Furtwanger Tennis-Profi sicherlich lange in Erinnerung bleiben.

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Die vergangenen 14 Tage verbrachte Koepfer fast durchgehend in einem Hotelzimmer. Die ersten 72 Stunden rund um die Uhr. Danach durfte der für den Bundesligisten Grün-Weiss Mannheim spielende Linkshänder fünf Stunden täglich fürs Training die wenigen Quadratmeter verlassen. Klagen gab es deshalb aber keine: „Ich wusste ja im Vorhinein, was auf mich zukommt.“

Zudem zahlen sich die harten Maßnahmen in Australien offenbar auch aus. „Hier gibt es derzeit kein Covid. Deshalb sind bei den Turnieren auch Zuschauer erlaubt. Das macht uns natürlich auch mehr Spaß. Wir können uns nun auch ohne Masken bewegen und ganz normal ins Restaurant essen gehen“, freut sich Koepfer auf die nächsten Tage. Denn an Essen gehen war für ihn in den zwei Wochen nicht zu denken. Dreimal täglich bekam die Nummer 68 der Weltrangliste die Mahlzeit vor sein Hotelzimmer gestellt. „Ich durfte auch nur diese dreimal am Tag die Zimmertüre öffnen“, erzählt der 26-Jährige. Eine Wache überprüfte in jedem Gang, dass die Tennis-Profis die Vorschriften einhielten. Koepfer: „Wer dies nicht machte, bekam richtig Ärger.“ Die Spieler waren in den vergangenen 14 Tagen in drei speziellen, streng überwachten Quarantäne-Hotels untergebracht.

Wenn es zum Training ging, gab es einen festen Ablauf. Koepfer wurde zu vorgegebener Zeit im Zimmer abgeholt und unter strikten Hygiene-Vorschriften auf die Tennis-Anlage gebracht. Dort durfte er die zwei Quarantäne-Wochen lang lediglich mit einem Gegner trainieren. Koepfers Trainingspartner war in dieser Zeit der Karlsruher Yannick Hanfmann (TC Weinheim). Neben zwei Stunden auf dem Tennisplatz durften die Spieler noch 90 Minuten Krafttraining machen.

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Immerhin hatte der Schwarzwälder die Möglichkeit zum Training. Die Kielerin Angelique Kerber, frühere Nummer eins der Welt und Australian-Open-Siegerin 2016, kam nicht in diesen Genuss. Sie musste die kompletten zwei Wochen im Hotelzimmer verbringen. Über 70 weiteren Profis ging es genauso, da bei ihrer Anreise im Flugzeug Corona-Infizierte saßen.

Koepfer hatte Glück, was nicht nur seine Stimmung besserte, sondern sich auch auf das bevorstehende Turnier auswirken könnte: „Natürlich ist es ein Vorteil, wenn man zwei Wochen trainieren konnte und der Gegner nicht.“ Ob sich das wirklich auszahlt, werden die nächsten Tage zeigen. Kommende Woche startet der Furtwanger beim ATP-Turnier Melbourne 250. Ab 8. Februar beginnen an gleicher Stelle die Australian Open. Ob dieses Grand-Slam-Turnier bei Koepfer prägenden Eindruck hinterlassen wird, ist ungewiss. Die zwei Quarantäne-Wochen im Januar 2021 wird er aber definitiv nicht vergessen.