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Fußball

Vom Ballast befreit

Viel spricht dafür, dass Frankfurts Königstransfer Mario Götze die hohen Erwartungen erfüllen wird – am Freitag kommt sein Ex-Club Bayern München

Von 
Frank Hellmann
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Frankfurt. Die Familie, das hat Mario Götze ganz am Anfang bei seiner Vorstellung gesagt, habe eine entscheidende Rolle bei seinem Wechsel zu Eintracht Frankfurt gespielt. Ohne Frau und Kind hätte der 30-Jährige den Schritt in die Mainmetropole nicht vollzogen. Er wolle schnell eintauchen in das Leben, und viele staunten nicht schlecht, wie der Fußballstar mit Anhang über den Platz an der Alten Oper schlenderte oder mit Kumpels auf den Gummiplätzen im Hafenpark vor der EZB kickte. Geholt worden aber ist er ja, um im Frankfurter Stadtwald in der Arena zu spielen – auch wegen seiner Person gibt es kein besseres Eröffnungsspiel zur 60. Bundesliga-Saison als jenes von Eintracht Frankfurt gegen den FC Bayern (Freitag 20.30 Uhr/Sat. 1).

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Der neue „Türöffner“ der Eintracht: Mario Götze überzeugte bei seinem Debüt im Pokal in Magdeburg. © dpa/Ronny Hartmann

Der nach zwei Jahren beim PSV Eindhoven zurückgekehrte Weltmeister trifft auf seinen Ex-Club, bei dem er zwischen 2013 und 2016 nie richtig glücklich wurde. Natürlich ließ es sich auch in München gut leben, viele sagen ja, noch viel besser als in Frankfurt, aber trotzdem war die Bayern-Zeit kein Beschleuniger der Karriere. Bis auf diesen einen Moment. „Mach’ ihn! Mach’ ihn! Er macht ihn!“ – der Ausspruch von ARD-Reporter Tom Bartels beim Siegtor im WM-Finale 2014 wird ihn ewig begleiten. Damit waren die Erwartungen illustriert, es immer wieder so wie im Maracanã zu machen. „Super-Mario“ hat danach auch zu wenig getan, um das Niveau zu halten.

Wirbel um Fischer



Ein lockerer Spruch von Eintracht Frankfurts Präsident Peter Fischer (Bild) über Bayern-Topstar Sadio Mané hat vor dem Bundesliga-Auftaktspiel für Wirbel gesorgt. „Who the fuck is Mané?“ hatte Fischer in einem Interview von RTL/ntv gewitzelt und damit für etwas Aufregung gesorgt. „Jeder weiß, dass ich eine große Leidenschaft auch für den FC Liverpool habe. Aus Spaß habe ich deswegen auf Englisch gesagt ‘Wer zum Teufel ist Mané’“, erklärte der Vereinschef des Fußball-Bundesligisten später der „Abendzeitung“.

Der Münchner Neuzugang vom FC Liverpool sei „ein verdammt guter Stürmer, ein Gewinn für die Bundesliga“, betonte Fischer. In dem ursprünglich verbreiteten Interview fühlte er sich verkürzt wiedergegeben. „Ich habe voller Hochachtung von Sadio Mané gesprochen. Und auch, wie überragend die Bayern sind“, sagte der 66-Jährige der „Bild“. (Bild: dpa)

„In einer tollen Verfassung“

Der Freigeist hat sich acht Jahre danach bewusst den Europa-League-Sieger ausgesucht, um frei aufspielen zu können. Der Club wird von einer Euphoriewelle getragen, die auch Götze reiten möchte. Der im Vergleich zu seiner Zeit bei Borussia Dortmund fast drahtig anmutende Techniker hat sich mit seiner Zwischenstation in den Niederlanden von einigem Ballast befreit. „Mir ist nicht so wichtig, was die letzten Jahre war“, stellte Götze in seiner ersten Medienrunde heraus. „Ich will nur mir etwas beweisen.“

Manager Markus Krösche hätte ihn am liebsten schon im Vorjahr verpflichtet, nur damals fühlte sich der Spieler noch seinem Aufbauhelfer Roger Schmidt verpflichtet. Jetzt aber könnte der 231-fache Bundesligaspieler (57 Tore) zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um im dritten Anlauf noch einen prägenden Fußabdruck für die Liga zu hinterlassen. Und ganz vielleicht ist sogar noch eine WM für ihn möglich – in diesem Business gibt es ja nichts, was es nicht gibt.

Wie sein Einfluss beim Champions-League-Teilnehmer aussehen könnte, war im DFB-Pokalspiel beim Zweitliga-Aufsteiger FC Magdeburg (4:0) zu besichtigen, als Frankfurts neue Nummer 27 mit seinen Pässen aus den Halbräumen den Türöffner spielte. „Ich glaube, das hat sich über die Vorbereitungszeit gut entwickelt“, sagte Götze nach seiner ersten Gala. Der Bundesliga-Auftakt wird gleich mehrere Nummern größer. „Ich freue mich darauf, für mich erstes Heimspiel, direkt gegen die Bayern – das wird gut.“ Und danach am Mittwoch noch den Supercup gegen Real Madrid; viel größere Gegner kann es zum Anfang nicht geben. Götze scheint bei den Adlerträgern schnell angekommen zu sein. „Das Drumherum, das Trainerteam, die Fans, die Stadt: Das Komplettpaket fühlt sich für mich richtig an“, sagte er am Montag am ARD-Mikrofon.

Trainer Oliver Glasner lobte vor dem Startschuss der Liga einen Spieler, „der Situationen auflösen, in der Tiefe Spieler einsetzen kann“. Götze sei „in einer tollen Verfassung“ und habe „einfach Spaß am Fußball.“ Manchmal ist es also ganz einfach. Der Österreicher glaubt, dass sein Top-Transfer „in allen Richtungen“ glänzen kann – der vielleicht wichtigste Unterschied zu früher. Und deshalb erwägt der 47-Jährige auch, mit Daichi Kamada, Filip Kostic, Ansgar Knauff, Jesper Lindström, Rafael Borré und eben Götze gleich sechs Offensive aufzustellen. Wenn die Bayern irgendwo verwundbar sind, dann ja wohl in der Defensive.

Er würde nur nicht darauf setzen, erklärte Glasner mit einem Augenzwinkern, dass „Mario Götze ein Laufduell gegen Dayot Upamecano gewinnt“. Doch fürs schnelle Laufen haben sie ihn nicht geholt, sondern fürs schöne Spiel. Und da ging Eintracht-Vereinspräsident Peter Fischer, durchaus dafür bekannt, dass er sich in Frankfurt überall und nirgends herumtreibt, zuletzt bei seiner Stippvisite am Trainingsplatz der Profis ein Herz auf. Götze sei „ein hyperanständiger, vollkommen normaler Kerl. Im Training sieht man das eine oder andere – das ist schon irre.“

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