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Fußball

Frankfurt in der Königsklasse: Die hessischen Lehrlinge

Trotz des Festtages im Frankfurter Stadion erlebte die Eintracht bei ihrem Champions-League-Debüt eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Das 0:3 gegen Sporting Lissabon zeigte auf, was den Hessen auf höchstem Niveau noch fehlt

Von 
Alexander Müller
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Ernüchterndes Debüt: die Frankfurter Luca Pellegrini (l.) und Rafael Borré beim 0:3 gegen Sporting Lissabon. © Arne Dedert/dpa

Frankfurt. Oliver Glasners Blick wanderte kurz hinüber zu den Bildschirmen im Pressekonferenzraum, auf denen die Konferenz der späten Spiele in der Champions League übertragen wurden. Inter Mailand gegen Bayern München, Atlético Madrid gegen FC Porto. In diesen elitären Sphären des europäischen Vereinsfußballs ist Eintracht Frankfurt seit dieser Saison angekommen. Und es gab nicht wenige im Umfeld des hessischen Traditionsvereins, die gehofft hatten, dass es einfach so weitergehen würde wie beim traumwandlerischen Triumphzug durch die Europa League in der vergangenen Spielzeit.

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Umso härter fiel der Aufprall in der Realität am Mittwochabend aus. Ein schmerzhaftes 0:3 beim Königsklassendebüt gegen Sporting Lissabon. Gegen einen Club, der noch nicht einmal zu den großen im wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt zählt.

„Das ist Champions-League-Niveau. Wir haben viel Lehrgeld bezahlt“, sagte ein ernüchterter Torhüter Kevin Trapp nach dem Spiel, in dem die Hessen aufgezeigt bekamen, woran es ihnen auf dem allerhöchsten internationalen Niveau noch mangelt. Wer seine Chancen nicht nutzt und zu oft naiv verteidigt, bekommt die Quittung.

„We killed Eintracht“, sagte Lissabons Trainer Ruben Amorim. Die ungewollte Brachialität dieser Aussage war sicher dem Wechsel des Sporting-Coaches ins nicht ganz sattelfeste Englisch geschuldet. Getötet wurde in der zum historischen Festtag wieder einmal außergewöhnlich stimmungsgeladenen Frankfurter Arena zum Glück niemand. Aber die Portugiesen nutzten im Gegensatz zur Eintracht einfach ihre erste richtige Chance durch Marcus Edwards (65.), um die Hessen in der Folge bei Toren von Francisco Trincao (67.) und Nuno Santos (82.) unbarmherzig auszukontern.

Pressestimmen zum Frankfurter Champions-League-Debüt

  • Frankfurter Rundschau“: „Ein frustrierender Abend. Zum schlechten Schluss herrschte große Ernüchterung im Frankfurter Lager. Nach einer klassischen Lehrstunde musste die Eintracht bei ihrem Debüt in der royalen Klasse in eine humorlose 0:3-Niederlage einwilligen.“
  • „hessenschau.de“: „Für das, was in der zweiten Halbzeit passiert, hat die Fußballsprache diverse Ausdrücke. ,Lehrgeld bezahlen’ trifft es am besten, eine harte Landung passte ebenfalls. Für Eintracht Frankfurt geht es an diesem Abend einmal zu den Sternen und zurück.“
  • FAZ.net: „Auch wenn das Team von Ruben Amorim in der Liga schwächelt, wissen seine Auserwählten, wie der Ball in der Königsklasse rollt. Als die Eintracht nicht aufpasste, machte Sporting bei seinen Überfällen zu später Stunde gleich dreimal fette Beute.“
  • „PortuGOAL“ (Portugal):Sporting schlägt Eintracht und bricht den deutschen Hexenkessel. Von zuvor 14 Spielen in Deutschland verlor Sporting rekordreiche 13 Mal, dazu ein Remis. Doch war es am Mittwochabend eine andere Geschichte im Waldstadion.“
  • „Goal“ (Spanien): „Die Europa-League-Sieger von Eintracht Frankfurt erlebten auf neuem Terrain ein Albtraumdebüt und verloren im atemberaubend lauten Auftaktspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon mit 0:3.“

„Eine Niederlage, die wehtut“

„Sporting hat aufgrund seiner Effizienz verdient gewonnen“, meinte Glasner, der allerdings aus guten Gründen darauf hinwies, dass sein Team eine Stunde lang eine mehr als passable Vorstellung gezeigt hatte und das Spiel auch in die eigene Richtung hätte lenken können: „Wir haben eine großartige erste Halbzeit gespielt und hatten insgesamt vier Situationen zur Führung.“

Da aber vor allem Randal Kolo Muani bei einer frühen Großchance glücklos blieb (2.) und die Frankfurter Kreativkräfte Mario Götze sowie Daichi Kamada von Sportings robuster Defensive weitgehend aus dem Spiel genommen wurden, stand am Ende eine „Niederlage, die sehr wehtut“, so Glasner.

Eine verpatzte Premiere auf der ganz großen Fußballbühne, aus der die Frankfurter ihre Lehren ziehen wollen, wie sie im Nachgang gelobten. „Wir haben gesehen, dass die Fehlertoleranz hier viel niedriger ist als in der Europa League“, meinte Mittelfeldantreiber Djibril Sow. Dass die Luft in der Champions League für die in den vergangenen Jahren rasant nach oben gepreschte Eintracht dünner wird, war insgeheim auch dem Trainer klar. „Das Ergebnis heute darf uns nicht zermürben. Wir werden daraus lernen. Wir nehmen den Kopf hoch und weiter geht’s. Das ist wichtig“, sagte Glasner, der nach dem schon gegen Lissabon fehlenden Sebastian Rode (Oberschenkelblessur) im zur Pause ausgewechselten Christopher Lenz (Muskelfaserriss) den zweiten Verletzten innerhalb weniger Tage zu beklagen hat. Und schon am Samstag geht es in der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg weiter.

Ein gutes Gespür für die Situation bewiesen die Frankfurter Fans, die das Team trotz des Euphoriedämpfers gegen Sporting nach dem Abpfiff sofort wieder aufbauten. Der Kredit der Mannschaft nach dem sensationellen Europa-League-Triumph ist weiterhin riesig. „Die Spieler haben sich den Applaus der Fans nach dem Schlusspfiff verdient, weil sie alles gegeben haben“, bekundete Glasner.

In der Champions League fahren die Lehrlinge aus Hessen jetzt allerdings schon mit einem gewissen Druck zum zweiten Gruppenspiel am Dienstag bei Olympique Marseille. „Sicher wollen wir da punkten. Aber das ist der Tabellenzweite der französischen Liga, punktgleich mit Paris Saint-Germain. Das wird nicht so einfach, das ist kein Wunschkonzert“, sagte Glasner, bevor er den Pressekonferenzraum wieder verließ. Kurz danach flimmerten wieder die späten Partien der Königsklasse über die Bildschirme.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB

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