Fußball - Nach katastrophaler Anfangsphase unterliegt Eintracht Frankfurt 1:3 gegen Gladbach – die Sorgen sind zurück Der Kredit ist endgültig aufgebraucht

Von 
Alexander Müller
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Frankfurt. Lange Pausen liegen Eintracht Frankfurt nicht. Vor zwei Jahren schieden die Hessen im ersten Pflichtspiel nach der Sommer-Unterbrechung im Pokal mit 1:2 bei Regionalligist Ulm aus, im vergangenen August mühte sich die Eintracht im gleichen Wettbewerb zu einem spektakulären aber glücklichen 5:3 bei Drittligist SV Waldhof Mannheim. Im Carl-Benz-Stadion lagen die Hessen damals schnell mit 0:2 zurück – das Phänomen der Schläfrigkeit in der Anfangsphase kostete auch beim Bundesliga-Neustart gegen Borussia Mönchengladbach am Samstag ein mögliches Erfolgserlebnis.

Frankfurts Rechtsverteidiger Almamy Toure gab vor allem vor dem Treffer zum 0:2 keine gute Figur ab. © dpa
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„Wenn du nach knapp 40 Sekunden schon in Rückstand liegst und es nach sieben Minuten 0:2 steht, dann ist das nicht verständlich“, kritisierte Trainer Adi Hütter einen zu Beginn katastrophalen Auftritt seines Teams in der gähnend leeren WM-Arena. Tore von Alassane Plea (1.) und Marcus Thuram (7.) sorgten für einen Gladbacher Blitzstart, von dem sich die Hessen nicht mehr erholten. Rami Bensebaini erhöhte nach einem umstrittenen Foulelfmeter auf 3:0 (74.), Andre Silva erzielte den Treffer zum 1:3-Endstand. „Die Impulse von außen, die einen sonst immer pushen, haben leider gefehlt, aber das darf keine Ausrede sein. Wir müssen zu Beginn einfach besser verteidigen“, sagte Innenverteidiger Martin Hinteregger, der bis auf eine phänomenale Rettungstat als Torhüterersatz auf der Linie gegen Jonas Hofmann in den Schlussminuten auch nicht seinen besten Tag erwischt hatte.

Der Eintracht mangelte es – nach acht Wochen Corona-Pause logisch – am nötigen Rhythmus, auch der emotionale Verstärker von den Rängen fehlte den Frankfurtern mehr als den technisch beschlageneren Gästen. Nach nun vier Liga-Niederlagen in Folge ist der Kredit des guten Starts ins Fußball-Jahr 2020 endgültig aufgebraucht. „Ich glaube, wir sind in einer ähnlichen Situation wie am Ende der Hinrunde. Jeder kann die Tabelle lesen“, sagte Torhüter Kevin Trapp. Im Klassement steht die Eintracht mit 28 Punkten nur fünf Zähler vor dem Abstiegsrelegationsplatz.

Hütter kritisiert mit Augenmaß

Coach Hütter vermied es, trotz einer insgesamt überschaubaren Leitung mit seinem Team zu hart ins Gericht zu gehen – die gewöhnungsbedürftigen Zustände ohne Zuschauer waren da sicher eingerechnet. „Es bringt nichts, jetzt draufzuhauen, das mache ich nicht. Das klären wir intern. Nach zehn Tagen Mannschaftstraining und dem ersten Spiel muss man die Schlüsse daraus ziehen. Das Herz hat gestimmt, aber ein paar Situationen haben wir sehr unglücklich gelöst“, sagte der Österreicher und fügte mit Blick auf die Gefahr, noch einmal richtig in den Abstiegskampf zu rutschen, hinzu: „Ich mache mir keine Sorgen, ich mache mir Gedanken.“

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Der Spielplan ist allerdings im Moment kein Freund der Hessen. Am kommenden Wochenende geht es zum großen FC Bayern, der im engen Titelrennen jeden Punkt benötigt. Bei einer Niederlage, die man in München besser grundsätzlich einkalkulieren sollte, könnte die Situation für die Eintracht langsam prekär werden – auch wenn die Frankfurter noch die Nachholpartie in Bremen in der Hinterhand haben.

„Wir haben noch ein Spiel weniger, aber auch noch sehr starke Gegner. Wir fahren jetzt nach München, dort hängen die Trauben um einiges höher“, sagte Hütter. Die Lage ist nicht ungefährlich. Weitere Systemausfälle in der Anfangsphase sollten sich die Frankfurter in den anstrengenden kommenden Wochen besser nicht erlauben.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB