Fußball - Die Hessen zeigen beim 2:1 gegen den FC Bayern eine große Leistung – und Amin Younes glänzt mit einer noch größeren Geste „Dafür steht Eintracht Frankfurt“

Von
Alexander Müller
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Eintracht-Profi Amin Younes erinnerte an den in Hanau ermordeten Fatih Saraçoglu. © dpa

Frankfurt. Amin Younes wusste genau, wo er hinrennen musste. Soeben hatte er Bayern-Torwart Manuel Neuer mit einem sensationellen 15-Meter-Schuss in den Winkel überwunden, da sprintete der Frankfurter Profi in Richtung Eintracht-Bank, schnappte sich ein T-Shirt mit dem Porträt und Namen von Fatih Saraçoglu und hielt es demonstrativ in die Höhe. Saraçoglu war vor einem Jahr eines der neun Opfer des rassistischen Terroranschlags von Hanau gewesen. Der hessischen 93 000-Einwohner-Stadt, die zum Kerngebiet der Eintracht-Fans zählt. In einem großen Spiel seiner Mannschaft zeigte Younes eine noch größere Geste. Ein starkes Zeichen, das der zuletzt häufig zurecht kritisierte Profifußball seine positive gesellschaftliche Funktion in guten Momenten doch noch ausfüllen kann.

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„Bei dem Jubel mit dem Hanau-Shirt ist mir die Botschaft wichtig, dass wir diese Geschehnisse nicht vergessen. Ich weiß, dass das die Opfer nicht zurückbringt. Aber es war einfach ein Zeichen an die Familien, dass wir an sie denken. Ich möchte, dass die Angehörigen wissen, dass uns das nah gegangen ist. Dafür steht Eintracht Frankfurt“, sagte Younes, nachdem der verdiente 2:1 (2:0)-Sieg gegen Meister FC Bayern über die Zeit verteidigt war. Es war das ultimative sportliche Ausrufezeichen in der Bundesliga. Daichi Kamada (12.) hatte zum 1:0 für die Eintracht getroffen, für die Münchner reichte es trotz eines deutlich verbesserten Auftritts nach der Pause nur noch zum Anschlusstor durch Weltfußballer Robert Lewandowski (53.)

Nichts spricht für einen Einbruch

In der ersten Halbzeit hatte die Eintracht die beste Vereinsmannschaft der Welt fast auseinandergenommen. An annähernd allen Offensivaktionen beteiligt: der nur 1,68 Meter große Dribbler Younes. „Er war Weltklasse vor der Pause, gekrönt mit dem Weltklassetor. Amin hat vorher schon sehr viele gute Spiele gemacht. Heute habe ich die beste Saisonleistung von ihm gesehen“, widmete Eintracht-Trainer Adi Hütter dem Neuzugang vom SSC Neapel eine kleine Eloge: „Ich kann mich nicht erinnern, einen Spieler mit dieser Qualität jemals trainiert zu haben. Er hat eine unglaubliche Technik und Energie, ist ein toller Mensch und geiler Kicker.“

Obwohl Top-Torjäger André Silva wegen eines Hexenschusses ausgefallen war, bauten die Hessen ihre Serie auch gegen den Branchenprimus weiter aus – seit elf Spielen sind die Frankfurter in der Bundesliga ungeschlagen. Wo soll dieser Höhenflug noch enden?

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Für die Perspektiven über den Tag hinaus ist bei der Eintracht Sportvorstand Fredi Bobic zuständig. Der frühere Nationalstürmer hat sich mittlerweile abgewöhnt, die Euphorie rund um seine Mannschaft bremsen zu wollen. „Die Tabellensituation ist verlockend. Es spricht jeder von der Champions League, es ist aber noch ein langer Weg. Jetzt sind wir die Gejagten“, sagte Bobic. Mit 42 Punkten stehen die Frankfurter auf Rang vier, fünf Zähler beträgt der Vorsprung auf den Fünften Leverkusen, sogar sechs Punkte auf den Sechsten Borussia Dortmund. Und auf einen Einbruch deutet hin: wenig bis nichts.

Younes musste nach seiner Bayern-Gala indes die naheliegende Frage beantworten, ob ihn Bundestrainer Joachim Löw – in Frankfurt auf der Tribüne – bei den Länderspielen Ende März nicht wieder für das DFB-Team nominieren könnte. Doch der Düsseldorfer wiegelte ab. „Ich will nicht in den Himmel gelobt werden. Ich bin nach Frankfurt gekommen, um wieder Spaß am Fußball zu haben. Und es macht mir gerade so viel Spaß. Es ist fantastisch“, sagte Younes. Ein reflektierter junger Mann, der weiß, dass Fußball ziemlich unwichtig werden kann, wenn schreckliche Dinge wie vor einem Jahr in Hanau passieren.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB