Mannheim. Aus und vorbei. Die Adler Mannheim haben die Endspielserie in der Deutschen Eishockey Liga verpasst. Die Mannschaft von Trainer Pavel Gross verlor am Freitagabend das entscheidende dritte Halbfinale gegen die Grizzlys Wolfsburg nach einer 1:0-Führung mit 1:2 (1:1, 0:0, 0:1). Im Finale, das am Sonntag beginnt, treffen die Niedersachen auf die Eisbären Berlin, die Adler haben Urlaub. Unterm Strich blieb die Erkenntnis: Das war zu wenig! „Ich glaube nicht an Glück“, sagte Gross zum entscheidenden Gegentor, als Denis Reul die Scheibe mit dem Schlittschuh ins eigene Tor beförderte. „Die Jungs haben alles gegeben, aber jetzt ist es für uns vorbei.“
Adler – Wolfsburg 1:2
Drittelergebnisse: 1:1, 0:0, 0:1.
Die Adler: Endras – Reul, Akdag; Schira, Katic; Larkin, Krupp; Wirth – Plachta, Desjardins, Loibl; Krämmer, Collins, Eisenschmid; Schira, Smith, Leier; Schütz, Bast, Brune.
Tore: 1:0 Reul (3:51), 1:1 Machacek (13:52), 1:2 Görtz (56:17).
Schiedsrichter: Sirko Hunnius (Berlin) und André Schrader (Dorsten).
Zuschauer: keine zugelassen.
Strafminuten: Mannheim 6 – Wolfsburg 8.
Gefühlt fand im ersten Drittel mehr vor beiden Toren statt als am Mittwoch in Wolfsburg über gut 65 Minuten. Vor allem die Adler machten Dampf, kamen gut aus der Kabine. Brendan Shinnimin fälschte einen Schuss von Craig Schira gefährlich ab, doch Dustin Strahlmeier war zur Stelle (4.). Noch in der selben Spielminute musste der Grizzlys-Torhüter aber zum ersten Mal hinter sich greifen – und da sah er nicht so gut aus. Andrew Desjardins behauptete den Puck, Matthias Plachta leitete weiter zu Denis Reul, dessen Schlagschuss von der blauen Linie zum 1:0 im kurzen Eck einschlug. Viel Platz war da nicht, doch es reichte.
Mannheim hatte Chancen, den zweiten Treffer nachzulegen. Shinnimin verzog knapp (5.), Taylor Leier, erneut der auffällige Shinnimin und Kapitän Ben Smith probierten es. Strahlmeier hatte sich nach dem 0:1 aber schnell wieder gefangen (6.). Vorn ließen die Adler (zu) viele Chancen aus, hinten waren sie anfällig. Anthony Rech narrte Björn Krupp und legte ab auf Spencer Machacek. Der feuerte direkt ab, doch Mannheims Torhüter Dennis Endras tauchte ins bedrohte Eck ab (6.).
Nach dieser Schrecksekunde machten die Blau-Weiß-Roten auf der anderen Seite des Eises weiter, die Verwertung ihrer guten Chancen war aber irgendwo zwischen fahrlässig und katastrophal anzusiedeln. Felix Schütz sah den völlig freistehenden Jason Bast, doch der Deutsch-Kanadier löffelte die Scheibe weit über den Kasten (9.). Das erste Powerplay entfachte noch mehr Druck, doch Matthias Plachta traf den Puck nicht, und Smith scheiterte an Strahlmeier (10.). Mark Katic spielte einen Konter nicht konsequent genug aus (12.), gegen Shinnimin verhinderte Strahlmeier mit dem Schoner das eigentlich längst überfällige 2:0. So kam es, wie es kommen musste. Nach einem Fehlpass von Sinan Akdag rettete Endras zwar zunächst stark gegen Rech, Sekunden später schlug es aber doch hinter ihm ein: Phillip Bruggisser zog ab, Machacek hielt direkt vor Endras die Kelle in den Schuss – 1:1 (14.). „Wir haben das Spiel diktiert, wollten von Anfang an zeigen, wer Herr im Haus ist“, sagte Adler-Angreifer Taylor Leier in der ersten Pause bei MagentaSport und erkannte: „Es sind viele Emotionen im Spiel.“
Dreimal hatte das Gross-Team im zweiten Drittel die Chance, sich in Überzahl die Führung zurückzuholen. Das Powerplay, das in den Play-offs eine Steigerung erfahren hatte, erinnerte nun aber wieder an das der Hauptrunde. Es fehlten die Ideen, die Wolfsburger erkannten die Passmuster, alles wurde zu langsam vorgetragen, Entschlossenheit sieht anders aus. Markus Eisenschmid packte den Hammer aus – das war’s (23.). Die Grizzlys hatten weiterhin nicht mehr vom Spiel, in dieser Phase aber die besseren Chancen. Akdag fiel hin, Sebastian Furchner fand in Endras seinen Meister, danach parierte der Adler-Goalie gegen Mathis Olimb mit dem Schoner (27.). Wie die Adler nahmen sich auch die Schiedsrichter eine Auszeit. Sie nahmen eine angezeigte Strafe gegen Leier zurück, dann wurden die Wolfsburger verschont, und als Dominik Bittner in einer Gäste-Überzahl den sterbenden Schwan spielte und eine weitere Strafe gegen Mannheim provozieren wollte, blieb die fällige Hinausstellung wegen unsportlichen Verhaltens aus (29.).
Je länger die Partie dauerte, desto seltener wurden Mannheimer Chancen. Katic versuchte es auf eigene Faust, sein Rückhandschuss strich kann am langen Eck vorbei (44.). Auf der anderen Seite hatte Matti Järvinen in Überzahl den zweiten Grizzlys-Treffer auf dem Schläger, an Endras gab es aber kein Vorbeikommen (48.). Keine Frage: Die Niedersachsen waren jetzt näher am Sieg – und am Finale. Pekka Jormakka scheiterte gleich zweimal (55.), doch dann nahm aus Mannheimer Sicht das Unglück seinen Lauf: Max Görtz „warf“ den Puck einfach mal vor den Adler-Kasten, und von Reuls Schlittschuhkufe sprang er vorbei an Endras zum 1:2 ins Netz (57.). Die Blau-Weiß-Roten waren verzweifelt, warfen noch einmal alles nach vorn. Die letzte Chance zum 2:2 vergab Katic acht Sekunden vor Schluss.
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