Eishockey - Adler im Interview Taylor Leier: "Ich habe mich in ein neues Abenteuer gestürzt"

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Christian Rotter
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Adler Taylor Leier feiert das Tor zum 3:1 gegen München. © AS Sportfoto/ Binder

Mannheim. Die ersten beiden Spiele für seinen neuen Club können sich sehen lassen: Ein Assist beim 4:0 in Schwenningen, ein Tor beim 5:4 in München - der Start von Taylor Leier (sprich: "Lier") in Mannheim hätte besser kaum sein können. Im Interview spricht der Kanadier darüber, warum er erst über den Umweg Tschechien bei den Adlern gelandet ist - und über seinen 27. Geburtstag am Montag, den er abends (20.30 Uhr) mit dem Spiel gegen den ERC Ingolstadt feiert.

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Herr Leier, schon im zweiten Spiel für die Adler haben Sie zum ersten Mal getroffen. Läuft, oder?

Taylor Leier: Das fühlt sich natürlich großartig an. Es ist immer schöner, wenn du dein erstes Tor für dein neues Team bei einem Sieg erzielst. Wie wir das Spiel in München zu Ende gebracht haben, war zwar nicht so toll, wir haben dem Gegner im letzten Drittel zu viel Luft zum Atmen gelassen. Drei Punkte sind aber drei Punkte.

Eishockey Adler siegen im Topsspiel gegen München

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Ihr Nachname lässt vermuten, dass Sie deutsche Vorfahren haben. Stimmt das?

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Leier: Ja, die Seite meines Vaters ist deutsch. Wir haben gerade im vergangenen Sommer Nachforschungen angestellt, als mein Opa verstarb. Sein Vater lebte in einer deutschen Kolonie in Russland. Mein Opa wurde aber schon in Saskatoon geboren, meiner kanadischen Heimatstadt.

Sie sind noch relativ jung. Warum haben Sie sich entschieden, Ihre Karriere in Europa fortzusetzen?

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Leier: Wegen der Corona-Pandemie ist es gerade keine gute Zeit, ein Free Agent zu sein. Hauptgrund, warum ich mich für einen Wechsel nach Europa entschieden habe, war die Ungewissheit in der American Hockey League, in der ich in der vergangenen Saison gespielt habe. Es war lange nicht klar, ob überhaupt gespielt werden würde, es gab keinen Spielplan. Daher habe ich die Chance am Schopf gepackt und mich in ein neues Abenteuer gestürzt.

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Sie sind über den Umweg Tschechien nach Mannheim gekommen. Warum haben Sie zuvor zehn Partien für Trinec absolviert?

Leier: Als es mit der AHL nicht so richtig voranging, habe ich mich anderweitig nach einem Job umgeschaut. Ich hatte einige Angebote aus Europa auf dem Tisch legen, darunter das aus Trinec. Unglücklicherweise hat es dort nicht so gut gepasst. Jetzt bin ich in Mannheim - und das ist das Einzige, das mich gerade interessiert.

Sie haben 55 Mal in der NHL gespielt, können Sie sich noch an Ihren ersten Treffer in der besten Eishockey-Liga der Welt erinnern?

Leier: Ich habe für die Philadelphia Flyers in Dallas gegen die Stars getroffen. Es war ein Zwei-gegen-Zwei-Konter, ich habe zu meinem Sturmkollegen Nick Cousins gepasst, der sofort abzog - und ich habe den Rebound an Goalie Antti Niemi vorbei über die Linie gedrückt. Leider haben wir dieses Spiel verloren, für mich war das aber ein besonderer Moment.

In der Saison 2017/18 haben Sie zum bislang letzten Mal für die Flyers gespielt. Gehen Sie davon aus, dass Ihre NHL-Karriere vorbei ist?

Leier: Ich glaube, dass ich weiterhin die Möglichkeit habe, dort zu spielen. Die vergangene Saison war für mich ein hartes Jahr. Ich musste mich einer Schulteroperation unterziehen, war bis Dezember raus. Ab Dezember habe ich 27 Partien absolviert, gut gespielt und viele Tore geschossen. Ich habe alles versucht, um einen Call-up von den Buffalo Sabres zu bekommen, doch dann kam Covid-19 und hat diese Pläne durchkreuzt. Für mich ist das Wichtigste in diesem Jahr, so viele Spiele wie möglich zu bestreiten, denn viele von uns werden auch nach dieser Spielzeit wieder Free Agents sein.

Welche Position im Sturm bevorzugen Sie?

Leier: Ich kann zwar alle drei Positionen spielen, fühle mich aber auf Linksaußen am wohlsten.

Mit wem haben Sie sich vor Ihrem Wechsel über die DEL ausgetauscht?

Leier: Gegen zwei von ihnen haben wir am Freitag gespielt: Zach Redmond und Andrew MacWilliam aus München, mit denen ich in den vergangenen beiden Saisons für die Rochester Americans in der AHL auflief. Im System der Flyers habe ich mit Marcel Noebels und Jason Akeson gespielt. Über Mannheim habe ich nur Gutes gehört.

Wie ist Ihr erster Eindruck von Mannheim?

Leier: Mannheim hat ungefähr so viele Einwohner wie Saskatoon. Ich bin vor einigen Tagen in die Innenstadt gegangen, um mir etwas zu essen zu holen. Es ist alles so super-sauber. Ich würde mir wünschen, die ganze Kultur besser kennenzulernen, die Corona-Pandemie macht das aber leider unmöglich.

Wie haben Sie Ihre neuen Teamkollegen kennengelernt?

Leier: Meine Quarantäne ist am Montagabend zu Ende gegangen. Vor dem Spiel in Schwenningen habe ich nur das Pre-Game-Skate mit ihnen absolviert. Das System ist spitze, jeder in der Kabine spricht Englisch. Das macht es für mich leichter, Beziehungen zu den Spielern und zu den Trainern aufzubauen. Ich bin gespannt, was die Saison für uns noch bringen wird.

Am Montag werden Sie 27 Jahre alt, wie werden Sie diesen verbringen?

Leier: Ich bin alleine in Mannheim. Meine Familie und meine Freundin sind nicht bei mir. Für mich wird das ein ganz normaler Tag sein. Da am Abend das Spiel gegen Ingolstadt ansteht, konzentriere ich mich ohnehin darauf.