TSG 1899 Hoffenheim - Im Kraichgau steht nach dem Weggang von Erfolgstrainer Nagelsmann und mehrerer Leistungsträger ein Umbruch an Volle Kasse, unsichere Perspektive

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Alexander Müller
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Sinsheim. Wenn man einmal ehrlich ist: Richtig abgenommen hat es Dietmar Hopp kaum jemand. „Ich möchte, dass sich Hoffenheim bald wirtschaftlich selbst trägt“, betonte der mächtige Mäzen der TSG 1899 schon, als die Millionen im Kraichgau noch mit der Schubkarre an andere Clubs in In- und Ausland verteilt wurden. Was damals als Anschubfinanzierung für das bei Traditionalisten höchst umstrittene Fußball-Projekt Hoffenheim gerechtfertigt wurde. Zehn Jahre später ist die Kritik an ihrem künstlich erzeugten Durchmarsch in den Profifußball abgeebbt und die TSG hat eine erstaunliche Metamorphose vollzogen: Die einst vom SAP-Mitgründer großzügig alimentierten Hoffenheimer sind zu einem etablierten, normalen Bundesligisten geworden, der sich dank einer cleveren Transferpolitik mittlerweile tatsächlich wirtschaftlich weitgehend selbst trägt. Manager Alexander Rosen hat Hopps Auftrag in die Tat umgesetzt.

Trainer Alfred Schreuder gibt bei der TSG 1899 Hoffenheim künftig die Richtung vor. © dpa
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Geschätzte 115 Millionen Euro nahmen die Nordbadener in diesem Sommer ein. Die Leistungsträger Nico Schulz (Borussia Dortmund), Kerem Demirbay und Nadiem Amiri (beide Bayer 04 Leverkusen) sowie Joelinton (Newcastle United) machten den Hoffenheimern mit ihren Verkäufen die Kasse richtig voll – jetzt fürchtet so mancher TSG-Fan allerdings, dass der Fokus auf die Zahlen die sportliche Konkurrenzfähigkeit in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Unbegründet ist dieser Verdacht sicher nicht, zumal die Kraichgauer nicht nur einige Stützen der Mannschaft ziehen lassen mussten, sondern auch den Baumeister des Erfolgs in den vergangenen Jahren, durch den in der vergangenen Saison sogar die Champions-League-Hymne im beschaulichen Sinsheim zu hören war. Trainer Julian Nagelsmann will künftig RB Leipzig zu einem ernsthaften Titelaspiranten formen – einen Club, der von seinen wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen im Grunde nicht weit von der TSG entfernt war.

Samassekou soll kommen

Den Umbruch managen soll nun ein ehemaliger Nagelsmann-Assistent, der in der vergangenen Saison als Co-Trainer von Champions-League-Halbfinalist Ajax Amsterdam echte Fußball-Sternstunden im Santiago Bernabeu zu Madrid und der Juventus-Arena in Turin miterleben durfte: der Niederländer Alfred Schreuder. „Das Einzige, was ich über unser Ziel sagen kann: Wir wollen einen Fußball spielen, den das Publikum liebt“, sagt der 46-Jährige aus Barneveld südöstlich von Amsterdam.

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Das hört sich schon mal gut an. Abzuwarten bleibt, ob Schreuder auch das taugliche Personal dafür hat, um wieder in die erhofften Europapokal-Regionen vorzustoßen. Der dänische Torschützenkönig Robert Skov (FC Kopenhagen) soll Druck über die rechte Seite machen, fürs Sturmzentrum wurde Ihlas Bebou von Absteiger Hannover verpflichtet. Der von Schalke ausgeliehene Sebastian Rudy braucht keine Integrationszeit, auch die neu dazugekommenen Konstantinos Stafylidis (Augsburg) und Vincenzo Grifo (Freiburg) besitzen zumindest gehobenes Bundesliga-Niveau. Ob Schreuder aber ein Bessermacher von der Qualität Nagelsmanns ist, der Kicker wie Kevin Vogt oder Ishak Belfodil auf ein völlig neues Level hob, bleibt abzuwarten.

Nach Informationen des „Kicker“ arbeiten die Hoffenheimer in diesen Stunden indes noch am teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte. Demnach steht die TSG unmittelbar vor der Verpflichtung von Diadie Samassekou. Für den 23-jährigen Mittelfeldspieler von RB Salzburg soll ein Sockelbetrag von zwölf Millionen Euro überwiesen werden und damit noch eine Million mehr als beim bisher teuersten Einkauf, Andrej Kramaric (2016 von Leicester City). Der Malier soll wohl bis 2024 gebunden werden. Samassekou kam 2015 von Real Bamako zum FC Liefering nach Österreich und wechselte 2016 nach Salzburg. An dem aggressiven, laufstarken und technisch versierten Sechser sollen auch die großen französischen Clubs wie Paris St.-Germain, Marseille, Lyon und Monaco interessiert gewesen sein. Das klingt ganz danach an, als ob die Transferspezialisten der TSG im Falle eines Weiterverkaufs in ein paar Jahren auch bei Samassekou einen ordentlichen Schnitt machen könnte. Dietmar Hopp wird es gerne hören.

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