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Fußball - Hoffenheims Kapitän arbeitet im Trainingslager in Rottach-Egern an seinem Comeback – doch das Ende der Leidenszeit ist noch offen

Hübners steiniger Weg zurück

Von 
Florian Huber
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Benjamin Hübner (r.), hier gegen Anthony Ujah im Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin, hat seit 13 Monaten kein Pflichtspiel mehr bestritten. © dpa

Rottach-Egern. Während die Teamkollegen am Mittwochvormittag längst schon intensive Zweikämpfe auf dem Sportplatz des FC Rottach-Egern führen, ist Benjamin Hübner mal wieder als Einzelkämpfer gefordert. Der Kapitän der TSG Hoffenheim beschäftigt sich mit Mobilitätsübungen. Die Muskulatur aktivieren, die Beweglichkeit verbessern. Aufbautraining ist immer noch angesagt für den 32-Jährigen, der seit bald 13 Monaten kein Pflichtspiel mehr für die TSG bestritten hat. Coach Sebastian Hoeneß hatte zum Trainingsauftakt noch verkündet, dass sein Kapitän „nur noch einen Schritt vom Mannschaftstraining entfernt ist“.

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Erste Übungen mit Ball möglich

Zweieinhalb Wochen später sind es in Rottach-Egern immer noch locker 20 Schritte, die im Trainingslager am Tegernsee das Übungszelt vom sattgrünen Rasen nebenan trennt. Immerhin: Erste Übungen mit Ball sind schon wieder möglich – aber eben noch nicht unter Vollbelastung. Langsam das Pensum steigern, sich rantasten, den Körper wieder an die Belastung gewöhnen, lautet die Devise. „Ich kann auch nicht sagen, wann es so weit ist“, sagt Hübner über sein Comeback: „Wenn du so lange ausgefallen bist, dann setzt du dir keinen Tag, an dem du wieder dabei sein willst.“ Druck macht sich der Rekonvaleszent keinen. Dafür waren es auch zu viel Rückschläge, Tiefschläge und K.o.-Schläge die Hübner einstecken musste. Der Abwehrchef fasst die lange Verletzungshistorie in der Lobby des Teamhotels kurz zusammen, was schwer möglich ist: Vor dem Erstrunden-DFB-Pokalspiel in Chemnitz im vergangenen September knickt der Innenverteidiger im Training mit dem Fuß um. Eine Untersuchung des Sprunggelenks im MRT ergibt nichts, doch bei jeder Belastung reagiert der Fuß sofort, auch nach einer kompletten Ruhigstellung im Gips. Erst eine Arthroskopie befördert einen Innenbandriss zutage, der im MRT nicht erkennbar war. „Da kann man niemandem einen Vorwurf machen“, sagt Hübner heute.

In zwei der vergangenen drei Spielzeiten war der 1,93-Meter-Mann quasi ein Totalausfall. Im Sommer 2018 bekam der Defensivstabilisator einen Ball so an den Kopf, dass eine schwere Gehirnerschütterung und monatelange Absenz die Folge war. Hübner spricht von drei Jahren mit zwei Rückschlägen nach 15 Jahren ohne. „Aber das sind ja auch Momente, aus denen man gestärkt hervorgeht und merkt: Es gibt wichtigere Dinge im Leben. Es ist nicht so dramatisch, wenn man mal nicht Fußball spielen kann.“

Eher kein Zufall ist, dass die TSG in beiden Spielzeiten ohne Hübner nur im Mittelfeld landete – mit ihm als Stammspieler sich aber drei Mal für den Europapokal qualifizierte. Hübner ist seit Dezember 2019 der Kapitän der Mannschaft, seine Rolle ist wohl auch der Grund dafür, dass er die letzte Etappe auf dem Weg zurück ins Teamtraining nicht in Zuzenhausen bestreitet. „So ein Trainingslager ist schon wichtig, ich habe ja auch im Team eine wichtige Position“, sagt der Kapitän a.D. über seine Rolle: „Man versucht nah dran zu sein, aber es ist eben nicht dasselbe wie auf dem Platz.“ Absprachen mit dem Trainer, die Wünsche der Mannschaft ans Trainerteam herantragen – all das hat Hübner auch in der Vorsaison übernommen.

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„Habe wichtige Position“

Aufgeben, das kam in der Seuchensaison 2020/21 für Hübner nie infrage. Der Gedanke, dass es reicht, die Lust fehlt, weil der eigene Körper ständig streikt, „wäre verständlichgewesen“, sagt Hübner. „Wenn ich keine Lust mehr gehabt hätte, dann hätte ich aufgehört. An dem Tag, an dem ich keine Lust mehr habe, höre ich auf.“

Thema : TSG 1899 Hoffenheim

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