Fußball - TSG verliert das erste Spiel nach der Corona-Zwangspause mit 0:3 gegen Hertha BSC Hoffenheimer Fehlstart

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Andreas Öhlschläger
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Sinsheim. Und siehe, es war sehr gut. So steht es in der Bibel. Es geht um die Schöpfung. „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte.“ Mit Zuefvfriedenheit schaute er auf sein Werk. Es soll da oben im Himmel, so heißt es immer wieder (allerdings nicht in der Bibel), auch einen Fußballgott geben. Zuletzt muss diese Fachkraft allerdings in Kurzarbeit gewesen sein. Es gab ja kaum etwas zu tun in der beinahe weltweiten Coronavirus-Zwangspause. Jetzt aber wird in der Bundesliga wieder gekickt. Ein Pilotprojekt, das global viel Beachtung findet. Der deutsche Profifußball ist viel weiter als andere traditionelle Großmächte.

TSG-Coach Alfred Schreuder konnte nicht zufrieden sein. © dpa
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Die TSG Hoffenheim ist allerdings kein bisschen weiter als vor gut zwei Monaten, als ganz plötzlich Schluss war mit dem Bundesliga-Geschehen. Das fußballerische Schöpfungswerk von Trainer Alfred Schreuder ist kein zufriedenstellendes. 0:3 gegen Hertha BSC beim Neustart in der leeren Sinsheimer Geisterspiel-Arena, eine verdiente Pleite. Es war schon die achte Heimniederlage in dieser Saison. Keines der letzten sechs Ligaspiele wurde gewonnen, die mögliche Europa-League-Teilnahme gerät immer mehr außer Sicht.

Bundesliga Geisterspiel für Hoffenheim - TSG torlos

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Und siehe, es ist gar nicht gut.

Obwohl, vielleicht muss man es anders anpacken. Es war ziemlich gut, dass keine Hoffenheimer Fans im Stadion dabei sein durften. So wurde keine Freizeit vergeudet, kein Geld verschenkt. Nulldrei. Ernüchternd. 0:3 gegen Freiburg, 0:3 gegen Gladbach, 1:5 gegen Mainz, 2:4 gegen Augsburg, 1:2 gegen Frankfurt, 2:3 gegen Wolfsburg, 0:6 gegen den FC Bayern und jetzt 0:3 gegen Berlin – es ist sehr viel schiefgegangen im eigenen Stadion. Schreuder hat viel Erfahrung gesammelt im Erklären von Heimniederlagen. Immer mal wieder ist der Niederländer in den Pressekonferenzen als Schönredner dagesessen. Und diesmal? War die Pressekonferenz eine Coronakrisen-Spezialanfertigung ohne die Möglichkeit, Nachfragen zu stellen. Eine Frage pro Reporter war erlaubt (und Reporter gab es nicht viele wegen der strengen Geisterspiel-Limitierung durch die DFL). Die eine Frage galt es, via WhatsApp bei TSG-Pressesprecher Holger Kliem einzureichen. Dann sprach Schreuder.

Fragen per WhatsApp

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„Wenn du 0:3 verlierst in einem Heimspiel, das fühlt sich natürlich nicht gut an.“ Logisch. Der Hoffenheimer Trainer haderte mit der Szene in der 54. Minute, als Angriffs-Youngster Maximilian Beier die Riesenchance zum 1:0 vergeben hatte. Völlig frei war Beier im Strafraum vor Hertha-Torwart Rune Jarstein aufgetaucht. Ganz knapp schoss er mit dem Außenrist am Tor vorbei. „Diese Chance muss natürlich rein“, sagte Schreuder. War das der Knackpunkt im Spiel? „Ich glaube schon.“

Es verging nach Beiers Fehlschuss nicht viel Zeit, da war die Partie auch schon gelaufen. Gegen die TSG. Erst traf der Hoffenheimer Verteidiger Kevin Akpoguma ins eigene Tor, als Herthas Peter Pekarik aus der Distanz geschossen hatte (58.). „Sehr unglücklich“ fand Schreuder diese Aktion. Akpoguma lenkte den Ball entscheidend ab. Nach dem 0:1 gingen dann „ein paar Spieler aus dem Spiel“, wie sich Schreuder ungelenk ausdrückte, sprich: Sie hatten Probleme auf ihrer Position, wackelten. Folglich stand es in der 60. Minute 0:2. Vedad Ibisevic hatte per Kopf getroffen, Akpoguma hatte nicht aufgepasst. Matheus Cunha packte schließlich noch das dritte Berliner Tor oben drauf (74.). Erst hatte er Akpoguma düpiert, Schreuder schimpfte: „Defensiv war das individuell einfach nicht gut, absolut nicht gut. Die Tore, die wir bekommen, haben nichts mit der Taktik zu tun.“

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Die TSG wäre wohl nur mit einem Happy End vom Platz gegangen, hätte sich der Fußballgott richtig für die Kraichgau-Kicker reingehängt. Aber der war noch in Corona-Kurzarbeit.

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Und siehe, es war nicht gut.

Der Autor dieses Beitrags, Andreas Öhlschläger, ist Redakteur bei der „Heilbronner Stimme“, die Mitglied der „G14plus“ ist: Eine bundesweite lose Kooperation von Sportredaktionen, die gegenseitig Beiträge austauschen. Auch diese Redaktion gehört zur „G14plus“.