Fußball - Im Duell mit seinem Ex-Club Hertha BSC Berlin kämpft Hoffenheims Trainer am Dienstag um seinen Job Besondere Rückkehr für Sebastian Hoeneß

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dpa
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Zuzenhausen. Der Begriff Hertha BSC zauberte ein Lächeln auf das Gesicht von Sebastian Hoeneß. Der Trainer der TSG 1899 Hoffenheim steht derzeit mächtig unter Druck bei den kriselnden Kraichgauern, doch die Rückkehr nach Berlin weckt bei dem 38-Jährigen positive Assoziationen. „Für mich wird es etwas Besonderes sein, im Olympiastadion zu sitzen. Ich habe jahrelang für Hertha gespielt und lange in Berlin gelebt. Ich kenne noch ziemlich viele Leute da“, sagte Hoeneß vor der Partie in der Fußball-Bundesliga gegen den Hauptstadtclub am Dienstag (20.30 Uhr/Sky). Vor allem sein Vater wird vor dem Fernseher genau hinschauen.

TSG-Trainer Sebastian Hoeneß bleibt in der Krise besonnen. © dpa
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Dieter Hoeneß war von 1997 bis 2009 Manager bei Hertha. Filius Sebastian begann zwar mit dem Kicken beim VfB Stuttgart, wo der Papa als Direktor 1992 zum Gewinn der deutschen Meisterschaft beitrug. Berlin prägte jedoch seine aktive Karriere: Von 1999 bis 2006 und von 2007 bis 2010 spielte er in Herthas zweiter Mannschaft, dazwischen ein Jahr in Hoffenheim. Als Jugendcoach war seine erste Stadion auch eine Berliner Hertha – aber Zehlendorf. Danach arbeitete Sebastian Hoeneß im Nachwuchsbereich von RB Leipzig und in München, wo er im vergangenen Jahr mit dem FC Bayern II Drittliga-Meister wurde.

Spieler in der U 23

„Als er hier war, war er ein junger Kerl, der in den Nachwuchsteams von Hertha gespielt hat – zum Schluss dann in der U 23 – und sich von hieraus seine nächsten Stationen in der Trainerlaufbahn aufgebaut hat“, sagte Manager Michael Preetz, der unmittelbare Nachfolger von Dieter Hoeneß.

Sebastian Hoeneß erlebte mit, wie sein Vater bei Hertha nach zwölf Jahren entlassen wurde – und regte sich damals ziemlich darüber auf. „Natürlich ist es so, dass man da als Sohnemann mit lebt und mit fiebert. Da war ich vielleicht ein bisschen zu emotional“, sagte der Neffe von Uli Hoeneß. Dass Dieter Hoeneß die Berliner nach so langer Zeit verlassen musste, wühlte damals offenbar die gesamte Familie auf. So war Uli Hoeneß jahrelang eng mit Hertha-Präsident Werner Gegenbauer verbunden, diese Freundschaft soll dadurch aber mächtig gelitten haben.

Kein Poltergeist

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„Natürlich habe ich damals vieles hautnah miterlebt und tiefe Einblicke in das Fußballgeschäft bekommen“, sagte Hoffenheims Chefcoach bei seinem Amtsantritt bei der TSG zu seiner Familiengeschichte. Im Gegensatz zu seinem Vater Dieter und zu Uli Hoeneß gilt Sebastian Hoeneß jedoch nicht als Poltergeist: „Irgendwas öffentlichkeitswirksam rauszuhauen“, sagte er einmal, „das bin ich nicht.“

Mit Besonnenheit versucht der Vater einer 2020 geborenen Tochter, die seit Monaten „sehr herausfordernde Situation“ in Hoffenheim zu bewältigen. Nach vielen coronabedingten Ausfällen im Herbst kämpft er nun mit zahlreichen Verletzten – und um seinen Job. Das 0:4 auf Schalke und das 0:0 gegen Arminia Bielefeld haben seine Stellung nicht gerade gestärkt.

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Am Samstag geht es für die kriselnden Kraichgauer gegen den 1. FC Köln. Von einer Woche der Wahrheit wollte Hoeneß aber nichts wissen: „Das sind wichtige Spiele, unabhängig vom Gegner oder von meiner Person.“ dpa