Fußball - Unternehmer will mit seinem Geld den FCK zurück in die 2. Liga bringen, die Lauterer könnten Teil eines Club-Systems werden Milliardär Flavio Becca – der Herrscher aus dem Herzogtum

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Marc Stevermüer
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Flavio Becca (rechts) im Gespräch mit Patrick Banf, Vorsitzender des Beirates und des Aufsichtsrates des 1. FC Kaiserslautern. © imago

Kaiserslautern. Seine Konten sind prall gefüllt, aber Flavio Becca weiß auch, was harte körperliche Arbeit ist. Als der Milliardär vor vielen Jahren das kleine Bauunternehmen seines Vaters übernahm, musste er eine Meisterprüfung ablegen. Und zwar als Maurer. „Ich hatte wochenlang Rückenschmerzen“, verriet der Luxemburger unlängst gegenüber „Der Betze brennt“, einem Internetportal, das sich um den 1. FC Kaiserslautern dreht und gerade auch deshalb ein ausführliches Interview mit dem Unternehmer aus dem Großherzogtum führte, ist er doch so etwas wie der Retter des tief gestürzten Fußball-Drittligisten.

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Etwa drei Millionen Euro hat der potenzielle Investor dem Club bislang gegeben, das Darlehen in dieser Höhe soll durch den Erhalt von FCK-Aktien zeitnah in Eigenkapital umgewandelt werden, wie die „Rheinpfalz“ berichtete. Kurzum: Der Einstieg des Unternehmers wird konkreter, er hat auch bislang sein Wort gehalten – und bis zu 25 Millionen Euro könnte er in den nächsten Jahren in den seit einiger Zeit chronisch klammen Verein investieren, hieß es zuletzt.

Ähnlichkeiten mit Red Bull

Für einen wie Becca ist solch eine Summe eher kein Problem. Denn aus dem Bauunternehmen seines Papas ist längst ein Imperium mit mehreren Standbeinen entstanden. Mit dem Energydrink „Leopard“, dem Weingeschäft „Vinissimo“ oder der Uhrenmarke „Anonimo“ lässt sich wohl gutes Geld verdienen – und das wiederum investiert der 57-Jährige gerne im Sport. 2011 gründete er das prominent besetzte Radteam „Leopard Trek“, die Brüder Andy und Frank Schleck gehörten damals zu den besten Fahrern der Welt. Nach drei Jahren war aber Schluss. Außerdem ist Becca mit dem Rennstall „Leopard Racing“ in der Motorrad-WM aktiv.

Seine große Leidenschaft ist aber der Fußball. 2018 kaufte der Geschäftsmann den belgischen Drittligisten Royal Excelsior Virton, der Club stieg sofort in die 2. Liga auf. Seit rund 20 Jahren unterstützt er zudem den luxemburgischen Erstligisten F91 Düdelingen. Dort steigt der Milliardär aber in absehbarer Zeit aus, die Streitigkeiten mit der Politik haben ihn dazu bewogen, denn seit Jahren will Becca ein neues Stadion bauen – ohne Aussicht auf Erfolg. Nun geht er. „Wenn ich etwas anfasse, will ich meine Ziele erreichen“, sagt der Luxemburger, der seit 2018 sein finanzielles Engagement in der Heimat verstärkt auf den Zweitligisten Swift Hesperingen ausrichtet. Dort steht man seinen Stadionplänen offener gegenüber.

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Virton, Hesperingen, aktuell noch Düdelingen – und bald der 1. FC Kaiserslautern: vier Vereine, ein Geldgeber. Das erinnert stark an das Red-Bull-System mit seinen Standorten in Salzburg und Leipzig. Seit Jahren werden zwischen diesen zwei Clubs Spieler hin- und hergeschoben – und in diesem Sommer wechselten auch mehr als ein Dutzend Fußballer von Düdelingen zu Virton oder Hesperingen. Sogar Dino Toppmöller, Sohn von FCK-Legende und Becca-Freund Klaus Toppmöller, wurde „versetzt“ und ist nicht mehr Trainer in Düdelingen, sondern Virton. Laut Matthias Busse, Autor beim Internetportal „120minuten.net“ und Kenner des luxemburgischen Fußballs, wird im Großherzogtum bereits spekuliert, dass Toppmöller junior „in naher Zukunft das Traineramt bei den Roten Teufeln ausfüllen soll“.

Wird der FCK also Teil eines internationalen Club-Systems? Becca räumt ein, dass es eine Idee der Vernetzung gebe, „aber natürlich in einem kleineren Rahmen“ als bei Red Bull: „Als ersten Schritt möchten wir zeitnah ein gemeinsames Scouting-Netzwerk aufbauen, quasi in einem Dreieck: Kaiserslautern, Virton und Düdelingen/Hesperingen.“ Aufgrund seiner Strahlkraft dürfte der Drittligist aus der Pfalz perspektivisch die höchste Priorität im Fußball-Imperium Beccas einnehmen, was fast zwangsläufig wohl auch zu einer vermehrten Mitsprache des Unternehmers führt.

Interesse am Stadion

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„Ich gebe keinen Blankoscheck. Wenn mein Geld im Spiel ist, dann möchte ich auch gerne wissen, was damit passiert und wie es investiert wird“, stellt der Luxemburger klar, wenngleich auch ihm bewusst ist, dass die von ihm kritisch beäugte 50+1-Regel im deutschen Fußball seine Macht einschränkt. „Irgendwann wird diese Regel auf europäischer Ebene kippen“, glaubt Becca, der mit dem FCK so schnell wie möglich in die 2. Liga oder noch höher hinaus will und stets betont, nicht aus reinem Eigeninteresse bei den Pfälzern zu sein, sondern im Sinne des Vereins, der nach wie vor mit schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen zu kämpfen hat.

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2020 soll die Miete des Fritz-Walter-Stadions wieder von 425 000 Euro auf 2,4 Millionen Euro steigen – für einen Drittligisten eine kaum zu stemmende Summe. „Du kannst den 1. FC Kaiserslautern nicht in ein anderes Stadion setzen. Doch du musst es dir leisten können, Nostalgiker zu sein“, sagt Becca, der sein Interesse an dem Stadion bereits bei der Stadt hinterlegt hat, Fragen zu Immobilien und Grundstücken aber zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht hält. Momentan zähle für ihn nur der Verein: „Ich bin nicht dazu da, um den FCK zu schlachten oder das Stadion abzureißen. Mein Ziel ist sportlicher Erfolg.“ Und zwar lieber heute als morgen.

Redaktion Handall-Reporter, Rhein-Neckar Löwen und Nationalmannschaft