Fußball - VfB Lampertheim wurde vor 50 Jahren Kreisliga-Meister, zwei Jahre später stand zum Vereinsjubiläum eigentlich ein Freundschaftsspiel gegen München an – doch die Antrittsgage war zu hoch

Für 17 000 Mark wären die Bayern gekommen

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hias
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Helmut Landgraf vom VfB Lampertheim schwelgt in Erinnerungen an das Meisterschaftsjahr 1971 und schaut sich das Mannschaftsfoto an. © Nix

Lampertheim. Am Sonntag ist es auf den Tag genau 50 Jahre her, dass der VfB Lampertheim Meister der Kreisliga B Bergstraße wurde und in die A-Klasse Süd aufstieg. Diese damalige B-Liga entspricht der heutigen Kreisliga A. Die Klasse darüber, in der die Lampertheimer aufstiegen, muss allerdings etwas stärker eingestuft werden als die heutige Kreisoberliga. Sind es heute ausschließlich Mannschaften aus dem Fußballkreis Bergstraße, die in dieser Klasse spielen, so waren damals auch Darmstädter Vereine in dieser Liga beheimatet und werteten sie sicherlich auf.

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Der VfB vor 50 Jahren

Walter Schüle war der Macher beim VfB Lampertheim und sein Sponsor. Schüle, Karlheinz Schmitt und Ernst Westermann bildeten den Sportausschuss. Als Vorsitzender fungierte Willy Strubel.

Heinz Gresse hütete das Tor, sein Stellvertreter war Klaus Reinhardt. Aber auch Herbert Moos, Peter Kohl, Helmut Landgraf (Bild), Friedel Reuther, Hermann Gaier und Michael Bischof trugen in dieser erfolgreichen Saison 1970/71 das grün-weiße Trikot.

Ebenso gehörten Walter Hutzelmann, Fritz Stumpf, Peter Bischof, Alfred Schlatter, Ludwig Lott, Bonaventura Fath und Paul Gromus der Mannschaft von Trainer Walter Kleber an. hias

Doch ehe der VfB Lampertheim im August 1971 erstmalig in seiner bis dahin 23 Jahre währenden Vereinsgeschichte A-Liga-Luft schnupperte, war es ein weiter Weg.

Der Rundenabschluss 1969/70 weckte nach Erreichen des dritten Platzes berechtigte Hoffnungen im Lampertheimer Lager, doch musste der VfB-Sportausschuss auch bedauerlicherweise zur Kenntnis nehmen, dass nicht weniger als sieben Spieler dem Verein den Rücken kehrten.

Gute Kontakte zum Waldhof

„Wir haben damals dringend Verstärkung gebraucht, sonst hätten wir es womöglich noch nicht einmal geschafft, die Klasse zu halten“, erinnert sich der damalige Spieler Helmut Landgraf an die spannende Zeit. Die Bemühungen um neues Personal griffen keineswegs ins Leere, denn mit Hutzelmann, Lott und Kohl kam gleich ein spielstarkes Trio vom FC Olympia Lampertheim aus der Bezirksklasse Darmstadt. Auch kam es den Lampertheimern sicherlich zugute, dass ihr Trainer Walter Kleber noch gute Kontakte zum SV Waldhof hatte, für den er lange Zeit am Ball war.

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Der junge Waldhöfer Torwart Heinz Gresse schloss sich im Sommer 1970 nämlich ebenso dem VfB an wie der Ludwigshafener Friedel Reuther.

Und dessen fußballerische Laufbahn ist eine ganz besondere: Als die Alten Herren des VfB eines ihrer vielen Freundschaftsspiele bei der AH des BSC Oppau bestritten, fiel ihnen der angriffsstarke Reuther ganz besonders auf. Dieser beteuerte zwar, er wollte nicht mehr bei den Aktiven spielen, willigte aber schließlich ein, als ihn die Lampertheimer noch einmal ins Gebet nahmen.

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Und so ganz nebenbei erfuhren sie, dass er 1963/64 in der Premierensaison der Bundesliga immerhin zehn Spiele für den 1. FC Saarbrücken absolviert und dabei zweimal getroffen hatte.

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Wie wichtig Reuther für die damalige Meisterschaft des VfB war, zeigte sich gerade an den beiden Begegnungen gegen den härtesten Konkurrenten TG Jahn Trösel. Bezogen die Lampertheimer ohne das Mitwirken von Friedel Reuther, für den noch keine Freigabe seines alten Vereins vorlag, im Hinspiel eine 0:1-Heimniederlage, so drehten sie im Frühjahr 1971 in Trösel den Spieß um und gewannen bei den Odenwäldern, bei denen mit dem früheren Karlsruher Torwart Erich Wolf ebenfalls ein bundesligaerfahrener Akteur mitwirkte, mit 3:1.„Das war eine richtige packende Fußballbegegnung“, weiß der damalige Vorstopper Landgraf zu berichten und erinnert sich noch daran, dass er den Ball in höchster Not auf der Linie klärte. Noch heute bekommt er Gänsehaut, wenn er sich vergegenwärtig, dass sich unter den 1200 Zuschauern 200 mitgereiste Schlachtenbummler aus Lampertheim befanden.

In trockenen Tüchern war die Meisterschaft aber noch nicht. Erst ein paar Wochen später, am 2. Mai, machten die Lampertheimer mit dem 5:1-Erfolg beim TSV Weiher den Sack endgültig zu.

Letztlich wurden sie mit 53:3 Punkten und 120:34 Toren souverän Meister. Während die Tröseler mit 47:9 Punkten nur den zweiten Tabellenplatz belegten, blieb dem späteren Bundesligatrainer Klaus Schlappner mit seinem FC Alemannia Groß-Rohrheim der dritte Platz.

Glänzende Augen

Für Landgraf, der später dem VfB auch als Vorsitzender die Treue hielt, ist diese Meisterschaft einzigartig. Er hebt dabei Fritz Stumpf als Kapitän und Libero besonders hervor. „Aber auch die beiden Mittelfeldstrategen Peter Bischof und Peter Kohl, der linke Flügelflitzer Hermann Gaier und Torjäger Hans Griesheimer sind besonders zu erwähnen“, bekommt Landgraf heute noch glänzende Augen, wenn er diese erfolgreiche Epoche der Lampertheimer Revue passieren lässt.

In jedem Fall kamen Meisterschaft und Aufstieg gerade recht zum 25. Vereinsgeburtstag des VfB. Dieser wurde zwar im Jahr 1973 gebührend gefeiert, jedoch ohne das große Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München.

„Uns lag eine Zusage von den Bayern vor, dass sie für 17 000 Mark nach Lampertheim kommen wollten. Doch einigen Vorstandsmitgliedern war das Risiko damals zu hoch. So sagten uns nicht die Bayern ab, sondern wir bekamen kalte Füße“, ärgert sich Landgraf heute noch ein wenig darüber, dass er als Vorstopper zwar vielen Kreisliga-Torjägern das Leben schwer machte, er sich jedoch nie mit Gerd Müller, dem Bomber der Nation, messen konnte. hias