Biathlon - Franziska Preuß will bei der WM in Slowenien im Klassiker über 15 Kilometer die erste Medaille für das deutsche Team holen Frontfrau wider Willen

Von 
Thomas Wolfer
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Pokljuka. Die Thüringer Rostbratwürste kamen den gefrusteten deutschen Biathleten gelegen. „Die Köche haben den Grill angeworfen, das war auch mal lecker und eine schöne Abwechslung“, sagte Franziska Preuß. Am Ende der medaillenlosen ersten WM-Woche im slowenischen Pokljuka gab es nach vielen sportlichen Enttäuschungen am Sonntag zumindest noch ein besonderes Abendessen, ehe Preuß nun das ersehnte erste Edelmetall ins Visier nimmt. „Das ist das Ziel, das war immer meine Motivation. Ich bin davon überzeugt, dass ich das drauf habe“, sagte die 26-Jährige am Montag in der Team-Unterkunft in Bled.

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Am Ruhetag wollte die Bayerin nach den Plätzen fünf (Verfolgung) und acht (Sprint) Kräfte für das schwere Einzel an diesem Dienstag (12.05 Uhr/ZDF) sammeln. „Mich würde es einfach mega freuen, wenn der Tag kommt, wo man belohnt wird für die ganze Arbeit, die man investiert“, sagte Preuß. Zweimal war sie in Slowenien schon nah am Podest dran, im dritten Einzelrennen soll es im schweren Klassiker über 15 Kilometer nun endlich gelingen. „So gut in Form war ich noch nie am Höhepunkt“, sagte die ehemalige Staffel-Weltmeisterin. Vor allem dank starker Laufform sieht sie „eine super Ausgangsposition“.

Unter Beobachtung

Franziska Preuß ist läuferisch gut drauf, das Stehendschießen bereitete ihr zuletzt allerdings einige Probleme. © dpa

Die DSV-Skijäger stehen nach dem schlechtesten WM-Start seit acht Jahren gehörig unter Druck. Um in den verbleibenden sieben Rennen noch die angepeilten vier bis fünf Medaillen zu holen, ist eine Steigerung notwendig. Die Frauen sind an der Weltspitze dran und liefen im Jagdrennen am Sonntag zu dritt unter die Top acht, die Männer erlebten ihr schlechtestes Sprintrennen überhaupt und konnten in der Verfolgung auch keine großen Schritte nach vorn machen. „Der Schalter ist schnell mal wieder umgelegt“, sagte Preuß über die Herren: „Man darf es nicht aufgeben.“ Und müsse „fröhlich bleiben“.

Sie selbst könne das nun wieder, nachdem sie den Ärger über ihre kleinen Fehler vor allem beim Stehendschießen verarbeitet hat. Dabei helfen Telefonate mit Partner und mittlerweile Ex-Biathlet Simon Schempp oder ihren Neffen. „Da ist Biathlon kein Thema“, sagte Preuß, die als Sechste beste Deutsche im Gesamtweltcup ist. Früher bremsten sie hartnäckige Infekte und Krankheiten immer wieder aus. Durch die strengen Corona-Maßnahmen ist das nun ganz anders. „Das ist mein erster Winter, wo ich beschwerdefrei durchkomme“, sagte sie.

WM-Silber vor sechs Jahren

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2015 hatte Preuß im Massenstart bereits WM-Silber in Finnland gewonnen. Ihr wurde in jungen Jahren ähnliches Talent bescheinigt wie Laura Dahlmeier, die später Doppel-Olympiasiegerin und siebenmal Weltmeisterin wurde. Erst mit reichlich Verspätung ist Preuß nun doch noch zur Nummer eins im Team aufgestiegen. Auch wenn sich die viermalige Vizeweltmeisterin selbst nicht als Frontfrau sieht und mit diesem Begriff nichts anfangen kann, hat sie Denise Herrmann in Sachen Konstanz überflügelt und kann in allen WM-Rennen antreten.

„Wir sind mannschaftlich vorn dabei, das könnte auch ganz anders aussehen“, sagte Frauen-Cheftrainer Kristian Mehringer. „Leider haben wir die Medaille noch nicht geholt.“ Neben Preuß könnte sich vor allem auch Herrmann, die Vierte im Sprint und Achte in der Verfolgung wurde, in das Rennen um Einzel-Edelmetall einschalten. Im Vorjahr hatte die Sächsin das Weltcup-Rennen auf der Pokljuka erstmals in ihrer Karriere mit 20 Treffern bei 20 Schüssen überlegen gewonnen. „Ich hoffe, das ist ein gutes Omen“, sagte Herrmann. Außerdem ist in Vanessa Hinz auch die aktuelle Einzel-Vizeweltmeisterin am Start. dpa