Triathlon - Da der Ironman 70.3 im Kraichgau auch 2021 abgesagt wurde, legte der Riedroder Ausdauerspezialist die Distanz nun auf eigene Faust zurück

Brutscher macht es wie Frodeno

Von 
Claudio Palmieri
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Riedrode. Zweimal hatte sich Sascha Brutscher für den Ironman 70.3 im Kraichgau angemeldet – und sich fleißig vorbereitet. Doch sowohl im vergangenen als auch in diesem Jahr fiel der Wettkampf im Nordbadischen der Pandemie zum Opfer. „Als der Triathlon wieder abgesagt wurde, habe ich mir gesagt: Ich kann nicht warten, bis endlich mal einer stattfindet“, hatte der Riedroder nach eineinhalb Jahren Vorbereitung die Faxen dicke: „Also habe ich es jetzt einfach mal durchgezogen.“

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Den Halbmarathon absolvierte Sascha Brutscher durch Feld und Wald. © Brutscher

In 6:06:29 Stunden absolvierte Brutscher, der am Freitag seinen 38. Geburtstag feierte, seine ganz persönliche Premiere über die Mitteldistanz, die 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer auf dem Fahrrad und einen abschließenden Halbmarathon (21,0975 km) vorsieht. Da es sich um keine offiziell abgemessenen Strecken handelte, stoppte Brutscher selbst mit – und packte ein paar Bonusmeter drauf.

Schwimmen im eigenen Pool

„Ich habe vorher geschaut, dass es mit den Distanzen grob hinkommt. Beim Radfahren waren es 93 Kilometer in 3:09 Stunden, beim Laufen 21,3 Kilometer in 2:09 Stunden“, erklärt der Wirtschaftsingenieur. Mit seiner kreativen Lösung ist Brutscher nicht alleine: Ironman-Weltmeister Jan Frodeno legte zu Beginn der Pandemie die Langdistanz komplett zu Hause zurück.

Die größte Herausforderung stellte der Schwimmauftakt im eigenen Pool dar. „Da hatte ich ein Zugseil, das ich mir um den Bauch binden konnte. Ich hatte aber auch meine Smartwatch dabei“, berichtet Brutscher, der auch die Zeit in den Wechselstationen mitzählte: „Ganz genau war das Schwimmen nicht messbar. Ich bin 40:07 Minuten geschwommen, das kommt hin. Normalerweise schwimme ich unter zwei Minuten pro 100 Meter.“

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Auf dem Rad ging es zunächst von Riedrode über Lorsch, Hüttenfeld, Lampertheim und Bürstadt zurück nach Riedrode. Die übrigen 63 Kilometer legte Brutscher über Einhausen, Bensheim, Heppenheim, Hüttenfeld, Lorsch, Bensheim, Auerbach, Fehlheim, erneut Einhausen und Riedrode zurück. Den Halbmarathon absolvierte der Riedroder in vier Runden über Feld und Wald. „An den Bahngleisen entlang gibt es einen betonierten Weg, der an den Pumpstationen in Richtung Einhausen vorbeiführt“, führt Brutscher aus. Unterstützung bekam er von seiner Frau Jasmin: „Sie hat mich beim Laufen auf dem Rad begleitet und hatte Verpflegung dabei.“

„Wichtig ist es, ein Ziel zu haben“

Mit seiner Zeit ist Brutscher „absolut zufrieden“, wie er betont. „Das Wetter war eklig, es war ja richtig warm. Aber ich bin stolz, dass ich es gemacht habe“, meint der Hobbysportler, den viele als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Riedrode und als Gründungsmitglied des Fastnachtsvereins „Die Brunnebutzer“ kennen.

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Besonders stolz macht den 38-Jährigen, dass er in den vergangenen zwei Jahren vielen äußeren Umständen getrotzt hat – und das ganz ohne Trainer. Die zwei Absagen im Kraichgau warfen ihn genauso wenig aus der Bahn wie der Lockdown-Winter 2020/21. Da etwa die Hallenbäder geschlossen hatten, konnte Brutscher das Schwimmtraining erst ab Mitte April angehen.

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„Es gibt Aufs und Abs – gerade im Herbst, wenn es nasskalt wird und du als Triathlet viel draußen sein musst. Aber im Winter wird der Grundstein für den Erfolg gelegt“, verrät Brutscher seine Erfolgsformel: „Wichtig ist, dass man ein Ziel hat, dass man gezielt auf einen Wettkampf hinarbeitet. Dann fällt es leichter, sich aufzuraffen.“ Seinen Trainingsplan, auf dem zehn Sportstunden pro Woche standen, hielt Brutscher mit viel Selbstdisziplin „im Großen und Ganzen“ ein.

Über zehn Jahre Erfahrung

Völlig unerfahren war der Mitteldistanz-Debütant übrigens nicht. „Ein paar Schnuppertriathlons habe ich schon gemacht, unter anderem in Lorsch“, sagt Brutscher. Angefangen hat er „vor über zehn Jahren“, wie er erklärt: „Fünf Kilometer, zehn Kilometer, Halbmarathon: So kommt man langsam rein.“ Langfristig will Brutscher die Langdistanz des Dreikampfs angehen. „Nicht dieses und nicht nächstes Jahr“, ist für ihn klar: „Aber irgendwann nehme ich das sicher mal in Angriff.“

Die Hoffnung auf eine offizielle Zeit in diesem Jahr hat Brutscher derweil noch nicht aufgegeben. Die Anmeldung für den City-Triathlon in Frankfurt am 1. August steht. „Ich hoffe es sehr, dass er stattfindet und bin zuversichtlich“, wird der sportliche Wehrführer sein Trainingspensum beibehalten.

Freier Autor Geboren 1987 in Viernheim. Aufgewachsen in Bürstadt. Lebt in Mainz. Seit 2009 freier Mitarbeiter in den Redaktionen Sport, Lokales (Bürstadt/Biblis/Lampertheim), Online, Kultur. Spezialgebiete im Sport: Eintracht Frankfurt, SV Waldhof, Fußball, American Football, Tischtennis, Judo, Basketball (Albert-Schweitzer-Turnier). Online: Social Media und der DEL-Liveticker. Weitere Autorentätigkeiten unter anderem für das ZDF und 11 FREUNDE.