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Fußball - Reinhard Grimm denkt gerne an seine Zeit beim VfR Bürstadt

Auf ewig verbunden

Von 
hias
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Die Bürstädter Fußball-Legende Reinhard Grimm wird am Pfingstsonntag 70 Jahre alt. © hias

Bürstadt. Nach dem Abstieg in die Fußball-Kreisliga A Bergstraße befindet sich der einst so ruhmreiche VfR Bürstadt im Tal der Tränen. Da kann ein Rückblick in die glorreiche Vergangenheit des Vereins die Mienen etwas aufhellen.

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Ein kleiner Anlass bietet sicherlich am Pfingstsonntag der 70. Geburtstag der einstigen VfR-Größe Reinhard „Reiner“ Grimm. Er stattete gemeinsam mit seiner Frau Petra seinem alten Verein unlängst einen Besuch ab und geriet schnell ins Schwärmen über die großartige alte Fußballzeit, in der er selbst maßgeblichen Anteil am Erfolg des VfR Bürstadt hatte. Der Club stieg 1977 und 1979 in die 2. Liga auf und wurde 1975 deutscher Amateurmeister,

Grimm begann seine Laufbahn damals beim TSV Schönau. Als diese in den 1960er Jahren das Vorspiel zur Regionalligabegegnung des SV Waldhof gegen Hessen Kassel bestritt, schoss Grimm beim Schönauer 3:0 über den Waldhöfer Nachwuchs zwei Treffer und bekam fortan ein Angebot, nun für den Waldhof zu kicken. Erst bei den Junioren, doch auch im Seniorenbereich eroberte sich der junge Reinhard gleich einen Stammplatz als Libero. Das war in der Amateurliga, in die der SV Waldhof nun abgestiegen war.

Dort waren die sportlichen Anforderungen für den Waldhof bei Gegnern wie Germania Forst, Amicitia Viernheim oder dem FV 08 Hockenheim zwar überschaubar, doch das Ablösespiel für den bereits 1968 zum Hamburger SV gewechselten Waldhöfer Jürgen Dringelstein bot da im Jahr 1970 eine willkommene Abwechslung. „Da musste ich neidlos anerkennen, dass Uwe Seeler wesentlich dickere Oberschenkel hatte als ich Hänfling“, war es für Grimm trotz der sportlichen Unterlegenheit ein Höhepunkt, gegen die deutsche Fußballlegende spielen zu können.

1972 – das war das Jahr, in dem nicht nur der SV Waldhof in die Regionalliga zurückkehrte, sondern auch dem VfR Bürstadt der Sprung in die damals zweithöchste Spielklasse gelang. Grimm spielte weiter in der ersten Mannschaft, wurde aber 1974, als der Waldhof den Sprung in die neu gegründete 2. Liga Süd schaffte, von Trainer Fips Rohr nicht mehr berücksichtigt. Bald klopfte der 1. FC Nürnberg bei Grimm an. Doch seine damalige Freundin Carmen, heute mit 1990-Weltmeister Paul Steiner liiert, gab den Ausschlag, sich gegen das Frankenland zu entscheiden.

Außerdem tat sich unweit der Mannheimer Heimat für Grimm mit Bürstadt eine sportliche Perspektive auf. „Im Vergleich zum Waldhof war das Umfeld dort im positiven Sinne weniger professionell, doch dafür viel familiärer. Mir hat es von Beginn an dort gefallen“, erinnert er sich gerne an die ersten Tage im Sommer 1974 zurück, als er in der Bürstädter Alemannenstraße eine Wohnung bezog. Die Freigabe seines ehemaligen Vereins aber lag Grimm noch nicht vor. Dem späteren Bundesligaspieler Jürgen Groh, der von Starkenburgia Heppenheim zum VfR wechselte, erging es übrigens nicht anders. Angesichts dieser beiden Ausfälle wurde der schlechte Saisonstart 1974/75 dem VfR im Duell mit dem späteren Absteiger FSV Frankfurt zum Verhängnis. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass die Bürstädter zu Hause mit 1:0 gewannen und sich am gefürchteten Bornheimer Hang immerhin ein 2:2 ertrotzten.

Nicht wegzudenken

Was 1976 ebenfalls nicht klappt, wurde aber 1977 endlich in die Tat umgesetzt: Unter Trainer Wolfgang Solz durften die Bürstädter in der 2. Liga Süd ran. Mit dabei Grimm, der nun aus der Defensive nicht mehr wegzudenken war.

Ein ganz besonders spezielles Verhältnis hatte er zum damaligen Trainer Fritz Fuchs, der bei der Bürstädter Zweitliga-Rückkehr 1979 die sportliche Verantwortung trug. Unfassbar für ihn ist heute noch die Aktion am 17. November 1979. Gemeinsam mit Franz Ludwig kam er gerade so auf den letzten Drücker zum Treffpunkt. Während es Ludwig noch gelang, im Mannschaftsbus Platz zu nehmen, war Grimm noch damit beschäftigt, das Auto zu parken und überschritt somit den Abfahrtstermin um nicht mehr als fünf Minuten. Fuchs nahm darauf aber keine Rücksicht und forderte den Busfahrer auf, nun ohne Grimm abzufahren.

Dieser schaute ganz schön blöd aus der Wäsche und nahm sofort Kontakt zu VfR-Mäzen Robert Kölsch auf, zu dessen Lieblingsspielern er glücklicherweise zählte. Nun hatte Grimm eine weibliche Chauffeurin: Hanne Morweiser fuhr Grimm mit ihrem Mercedes Coupé zwar direkt ins 250 Kilometer entfernte Fürth, doch auch hier kam Fuchs nicht auf die Idee, Grimm nun für die Begegnung zu nominieren.

Ein folgenschwerer Fehler, zumal der VfR die Begegnung am altehrwürdigen Fürther Ronhof mit 0:3 verlor. „Nun hatte Robert Kölsch die Faxen dicke, feuerte Fritz Fuchs mit sofortiger Wirkung und baute dagegen weiterhin auf mich als Spieler“, kommentiert Grimm diese Entscheidung mit einer gewissen Genugtuung. Bis 1982 spielte er beim VfR, verabschiedete sich ordnungsgemäß und hängte danach seine Fußballschuhe für immer an den Nagel. Die Verbundenheit an „seinem“ VfR Bürstadt hat er sich aber bis zum heutigen Tag bewahrt. hias

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