Boxen - Der 23-jährige Pfälzer Vincent Feigenbutz kämpft in Ludwigshafen gegen den Spanier Cesar Nunez „Spielmacher“ schlägt wieder zu

Von 
Markus Mertens
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Ludwigshafen. Über die Gelassenheit von Vincent Feigenbutz ranken sich Mythen. Denn im Boxgeschäft, in dem meist große Worte den Markt diktieren, überzeugt der gebürtige Karlsruher mit sportlicher Souveränität – und die Statistik spricht für ihn. Seit seinem ersten Profi-Sieg gegen den Tschechen Zdenek Siroky mit 16 Jahren hat er knapp drei Dutzend Kämpfe hinter sich gebracht, allein 27 davon gewann „Iron Junior“ durch K. o.

Vincent Feigenbutz will sich in Ludwigshafen wieder für WM-Kämpfe empfehlen. © Markus Mertens
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Wenn Feigenbutz am Samstag bei der Box-Gala des Teams Sauerland in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle gegen den bisher ungeschlagenen Spanier Cesar Nunez (34) in den Ring steigt, empfiehlt sich der 23-Jährige damit auch wieder für WM-Kämpfe um die großen Gürtel dieser Welt. Promoter Nisse Sauerland schwärmt schon heute von möglichen Duellen gegen Chris Eubank Junior oder Saul Alvarez. Wie weit entfernte Zukunftsmusik klingen solche Vorhaben heute nicht mehr.

Linksausleger

  • Vincent Feigenbutz wurde am 11. September 1995 in Karlsruhe geboren. Seinen ersten Profikampf bestritt Feigenbutz 2011 bereits als 16-Jähriger, seitdem hat der Linksausleger mit dem Kampfnamen „Iron Junior“ 30 von 32 Kämpfen gewonnen, 27 davon durch K. o.
  • Feigenbutz tritt als Schützling des Teams Sauerland an und arbeitet seit Jahren mit Bundestrainer Zoltan Lunka zusammen.
  • In seiner Freizeit geht Feigenbutz gern Angeln, spielt Fußball und setzt sich für karitative Zwecke ein.
  • Bei der Sauerland-Box-Gala am Samstag in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle kämpft Feigenbutz gegen den bisher ungeschlagenen Spanier Cesar Nunez um den GBU- sowie den IBO International-Gürtel.

Per Zufall entdeckt

Dabei wäre der Supermittelgewichtler fast zum Fußball-Profi geworden. Als Teenager war der Stürmer kurz vor dem Sprung zum Karlsruher SC, als ein Team-Kollege Feigenbutz mit zum Boxtraining nahm und eine Leidenschaft entfachte, die kein Ende mehr fand. Dass ausgerechnet Mike Tyson für den jungen Mann aus Baden zum Vorbild wurde, darf man überraschend finden – allein, das Talent, das Boxkenner Jürgen Lutz damals sprichwörtlich auf der Straße fand, teilt er mit der heutigen Ikone. Feigenbutz’ rasante Kombinationen sind in der Szene längst berüchtigt, weil sie Kraft und Raffinesse auf bisher kaum gekanntem Niveau vereinen. Der 23-Jährige selbst sagt dazu: „Ich bin der Spielmacher unter den Boxern.“ Doch die Wahrheit ist subtiler: Wenn Feigenbutz boxt, ist das mentales Schach mit seinen Gegnern. Tendenziell, das spürt man in der Stilanalyse rasch, lässt Feigenbutz seine Gegner gern angreifen und setzt seine Nadelstiche, wenn der Kontrahent am schwächsten ist. Eine Philosophie, die Feigenbutz nicht von ungefähr den Beinamen „K.o.-Prinz“ eingebracht hat – und dennoch tiefer rührt.

Denn nur, weil der gereifte Jungprofi seine Gegner nicht in Grund und Boden redet, heißt das nicht, dass er nichts zu sagen hätte. Wer mit Feigenbutz ins Gespräch kommt, erfährt viel über einen jungen Mann, der zwischen seinen Kampfvorbereitungen noch heute Fußball-Amateure trainiert, das Angeln liebt und sich aktiv gegen Hunger und Armut einsetzt („Die Politik müsste da noch viel mehr unternehmen“). Auch die Börsen, die bei internationalen Spitzenkämpfe bezahlt werden, bezeichnet Feigenbutz offen als „Irrsinn“, dem er allein mit seinen Händen entgegentreten will. „Für mich ist jeder Kampf ein Endspiel“, wie der 23-Jährige betont und weiß, dass es für ihn auch am Samstag einmal mehr um alles gehen wird.

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