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Rudern

Spät ins Boot, aber dann auf die Überholspur

Paula Lutz zählt zu den bislang größten Talenten des Mannheimer Ruderclubs und vertritt die Quadratestadt gerade bei der Junioren-WM in Varese

Von 
Sibylle Dornseiff
Lesedauer: 
Paula Lutz vom Mannheimer Ruderclub (links) ist mit ihrer Doppelzweier-Partnerin Helena Brenke bei der Junioren-WM in Varese im Einsatz. © MRC

Mannheim. „Eine Augenweide“, „wie entfesselt“, „eine Demonstration des Ruderns“ – der Kommentator von Sportdeutschland TV ließ seiner Begeisterung freien Lauf, als er den Auftritt der Mannheimerin Paula Lutz und ihrer Doppelzweier-Partnerin Helena Brenke (Karlsruhe) bei den deutschen Juniorenmeisterschaften in Köln beschrieb. Schon nach 500 Metern lag das Duo drei Bootslängen vorn, mit fast vier Sekunden Vorsprung erreichte es das Ziel nach 2000 Metern. Damit hatten Lutz/Brenke nicht nur die erste ihrer beiden Goldmedaillen gesichert (die zweite gab es im Vierer), sondern sich auch direkt für die JuniorenWeltmeisterschaften im italienischen Varese qualifiziert, die noch bis Sonntag ihre Besten sucht.

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„Wir haben mit einem so großen Abstand nicht gerechnet und unterwegs über die WM auch nicht nachgedacht. Schließlich kann immer noch passieren. Doch im Ziel gab es dann den Adrenalin-Kick“, spürt die Zwölftklässlerin des Ludwigshafener Carl-Bosch-Gymnasiums mit den Lieblingsfächern Mathe und Biologie noch immer die riesige Freude über den überraschenden Coup. Zumal das Duo erst über den Hoffnungslauf in das Finale eingezogen war.

Doch schon zu Saisonbeginn hatte Lutz auf sich aufmerksam gemacht, als sie das erste Ranglistenrennen im Einer gewann. „Das hat noch nie ein Vereinsmitglied geschafft, wir sind mit ihr in den letzten zweieinhalb Jahren einen wahnsinnigen Weg gegangen“, unterstreicht Jan Dehoust, einer ihrer drei Trainer vom Mannheimer Ruderclub.

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Julian Eistetter
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Beim MRC rudert sie erst seit knapp drei Jahren, denn trotz einer familiären Vorgeschichte ist Paula Lutz eine sportliche Späteinsteigerin. Ihr Vater Andreas Lutz ist dreimaliger Vizeweltmeister, auch ihre Mutter Christiane Brand und deren Schwester Angelika holten sich in den 90er-Jahren höchste internationale Meriten. „Aber unsere Eltern haben uns nie ins Boot gedrängt“, fand etwa ihr älterer Bruder nie Gefallen am Rudern, sie erst mit 15 Jahren. Bis dahin begeisterte sie sich mehr für Turnen und vor allem für Ballett – was ihr bis heute hilft. Denn bei allen gymnastischen Trainingseinheiten ist sie den Konkurrentinnen weit voraus. „Ich bin sehr gedehnt und mein gutes Körpergefühl habe ich vom Ballett“, sagt die gebürtige Mainzerin, die seit 2006 in Altrip wohnt.

Ihr Vater suchte den Kontakt zum Mannheimer Ruderclub, der inzwischen auch die zweite Heimat für Tochter Paula ist. „Als ich 2019 erstmals Rudern ausprobierte, hat es mir sofort Spaß gemacht.“ Die Lust am neuen Sport wurde auch durch Corona nicht gedämpft. Ganz im Gegenteil.

„Die gute Gemeinschaft im Club hat mit sehr geholfen“, ging beim Rudern sogar während der Lockdowns immer etwas. Wenn auch nur in den Einern. Überhaupt gehören die regelmäßigen Wochenenden im Leistungszentrum auf der Friesenheimer Insel, bei denen gemeinsam trainiert und gekocht wird, zu ihren schönsten Erlebnissen. „Wir unternehmen auch sonst viel zusammen.“

Nach ersten Einheiten mit Vater Andreas übernahmen Jan Dehoust, Kurt Bauder und Hans Breitenbach das kontinuierliche Training und Paula profitiert von allen. „Jan ist dabei so etwas wie ein Spielertrainer, denn er rudert noch selbst aktiv und sieht sofort alles, was im Boot passiert“, schätzt Lutz diesen Ansatz.

Ihre Corona-Erkrankung nach den „Deutschen“ hat sie gut weggesteckt, das versäumte Training fast wieder aufgeholt und schaut nun wieder nach vorne „Unser Ziel in Varese ist das A-Finale. Helena und ich sind eher leicht, sind bis 2021 noch im Leichtgewichts-Zweier gefahren. Und haben eine gute Technik. Wenn wir dann noch etwas Schiebewind haben, wäre das die optimale Voraussetzung, um sogar vorne mitzufahren.“

Vorlauf klar gewonnen

Und das Unternehmen Finale ist schon mal gut angelaufen: Am Mittwoch gewann das Duo seinen Vorlauf klar mit fünf Sekunden Vorsprung vor Australien und hat seinen Platz im Halbfinale am Samstag schon sicher. Doch der Lago di Varese in der Lombardei ist tückisch, weiß Jan Dehoust aus eigener Erfahrung. „Bei ruhigem Wetter ist er ein super geiler See, aber dort sind auch alle Windbedingungen möglich“, warnt der Coach, dessen Schützling bereits über den internationalen Einsatz hinaus plant: „Ich freue mich schon heute aufs lange Ausschlafen, auf die Jugendfreizeit mit dem MRC, aufs Ausspannen und auf Rennradtouren mit meiner MRC-Gruppe“, weiß Paula Lutz schon jetzt, was sie ab Sonntag nach der JWM macht – ganz egal, was sie dann erreicht hat.

Freie Autorin Spezialgebiete Sport und Kultur:Sport: Turnen, Tanzen, Leichtathletik, Kanu, Eiskunstlauf, Short-Track, Curling, Judo, Triathlon, Rope Skipping, Turf, Reiten, Volleyball.Kultur: Theater/Schauspiel, Tanz, Ballett

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