Hockey - Damen-Bundestrainer Xavier Reckinger erwartet Sommerspiele ohne die typisch ausgelassene Atmosphäre „Olympia wird für alle Neuland“

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Andreas Martin
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Mannheim. Mannheim als Etappe auf dem Weg nach Tokio: Die deutschen Hockeydamen haben in der Traglufthalle auf dem Gelände des Mannheimer HC einen Teil ihrer Olympia-Vorbereitung absolviert. Dabei bestritt das Team von Bundestrainer Xavier Reckinger zwei Testspiele gegen die belgische Auswahl, die mit einer 1:4-Niederlage und einem 2:1-Sieg endeten. Wie der ehemalige belgische Nationalspieler Reckinger die Spiele gegen seine Landsleute und den Lehrgang in Mannheim gesehen hat, und wie er auf die wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschobenen Olympischen Spiele in der japanischen Hauptstadt (23. Juli bis 8. August) blickt, erklärt er im Interview mit dieser Redaktion.

Bundestrainer Xavier Reckinger stellt den MHC-Spielerinnen Naomi Heyn und Sonja Zimmermann ein gutes Zwischenzeugnis aus. © Pix
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Herr Reckinger, im Sommer 2021 sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio geplant. Wie bereitet man sich auf ein solches Großereignis vor, von dem man ja noch nicht hundertprozentig weiß, ob es auch tatsächlich so stattfindet?

Xavier Reckinger

Xavier Reckinger wurde am 20. Dezember 1983 in Brüssel geboren und war selbst ein erfolgreicher Hockeyspieler.

2012 wurde er bei den Olympischen Spielen mit Belgien Fünfter, 2013 Vizeeuropameister. Insgesamt absolvierte Reckinger 328 Länderspiele und war ab 2010 Kapitän der belgischen Nationalmannschaft.

Von 2014 bis 2015 arbeitete er als Co-Trainer der belgischen Damennationalmannschaft. Im Januar 2017 wurde er zunächst Co-Trainer des deutschen Damenbundestrainers Jamilon Mülders, dessen Nachfolge er im Oktober 2017 antrat.

Reckinger führte die deutschen Hockeydamen bei der WM 2018 auf Platz fünf und 2019 zu EM-Silber.

Im Mai 2020 hat der Deutsche Hockey-Bund den Vertrag mit Reckinger bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris verlängert. and

Xavier Reckinger: Wir gehen davon aus, dass Olympia in Tokio in diesem Jahr stattfindet. Dafür sprechen jedenfalls die Signale, die wir bisher bekommen haben. Trotzdem werden diese Olympischen Spiele für alle Neuland sein – auch für mich, obwohl ich als belgischer Nationalspieler selbst schon an zwei Olympischen Spielen teilgenommen habe.

Sie sprechen da die Schutz maßnahmen bezüglich des Coronavirus an?

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Reckinger: Wir haben beim Deutschen Hockey-Bund ein Hygienekonzept erarbeitet, das bisher schon sehr gut greift und viele Testungen auf das Coronavirus beinhaltet. In solch einer Blase zu agieren, das gibt einem in diesen Zeiten schon ein großes Stück an Sicherheit. Eine Frage ist allerdings, wie es atmosphärisch aussieht. Werden Zuschauer zugelassen sein und wenn ja wie viele? Wird jede Sportart ihre Wettbewerbe strikt getrennt voneinander austragen? Das wird für alle eine andere Situation sein, als man sie von bisherigen Olympischen Spielen kennt, aber letztlich ist es dann für jeden auch wieder gleich. Ich denke, es wird eher ein olympisches Turnier anstatt Olympische Spiele.

Der Start ins Olympiajahr hat jetzt in Mannheim stattgefunden. Wie wichtig ist es denn, dass die DHB-Teams auf die MHC-Traglufthalle zurückgreifen können?

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Reckinger: Ursprünglich hätten wir jetzt eigentlich in Singapur an einem Drei-Nationen-Turnier mit Japan und Indien teilgenommen, aber das hat sich wegen Corona zerschlagen. Ich hatte auch über Vorbereitungslehrgänge in Südafrika oder Spanien nachgedacht, aber auch das war wegen Corona nicht möglich. Da ist es schon gut, wenn man diese Traglufthalle als Rückversicherung hat.

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In Mannheim ging es jetzt zweimal gegen die belgischen Damen, sind diese Spiele für Sie als Belgier etwas Besonderes?

Reckinger: Ja, ich kenne rund 90 Prozent der Spielerinnen der belgischen Mannschaft, schließlich habe ich sie selbst in der U 21 und auch als Co-Trainer der belgischen Damennationalmannschaft trainiert. Sobald das Spiel losgeht, macht es für mich aber keinen Unterschied mehr, gegen wen wir spielen. Dann bin ich nur noch mit meinen Mädels beschäftigt und will das Spiel gewinnen.

Wie haben Sie die beiden Testspiele gegen Belgien gesehen?

Reckinger: Im ersten Spiel haben wir beim 1:4 Fehler gemacht, die wir normal so nicht machen, dennoch darf man nicht vergessen, dass der Bundesligaspielbetrieb in Deutschland seit Ende Oktober ruht, während in Belgien nach einer coronabedingten Unterbrechung in der Liga weiter gespielt wurde und die belgische Damennationalmannschaft danach direkt zu einem Lehrgang nach Spanien gereist ist. Für unsere Spielerinnen war es das erste Spiel nach fünf Monaten Pause. Da hat man gemerkt, dass Belgien im ersten Spiel einfach mehr auf Zack war als wir. Was mir bei meinem Team aber sehr gut gefällt ist, dass es schnell seine Schlüsse aus einer Situation zieht, das haben wir auch im zweiten Aufeinandertreffen gezeigt und verdient mit 2:1 gewonnen.

In beiden Spielen standen Naomi Heyn und Sonja Zimmermann vom Mannheimer HC auf dem Platz. Wie sehen Sie die beiden?

Reckinger: Naomi ist jetzt seit 2017 bei uns mit dabei, sie hatte mit ihrem Kreuzbandriss während der EM 2017 natürlich enormes Pech. Ich finde aber, dass sie sich wieder auf ihr altes Niveau zurückgekämpft hat und sie macht ihre Tore. Sonja Zimmermann ist seit 2019 mit an Bord, sie ist sehr stark am Ball und besitzt auch einen guten Eckenschlenzer. Beide entwickeln sich im Moment sehr stark.

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