Fußball - Im Trikot des VfB Stuttgart steht Gonzalo Castro am Freitag vor seinem 400. Bundesliga-Spiel / Debüt im Januar 2005 als 17-Jähriger bei Bayer Leverkusen Musterschüler ist zum Anführer gereift

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K. Puck, C. Lother
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Mit seinen 33 Jahren zählt Gonzalo Castro zu den Routiniers und Leistungsträgern beim VfB Stuttgart. © dpa

Stuttgart. Gonzalo Castro lacht kurz. Dann erzählt der Kapitän des VfB Stuttgart von dieser ebenso „zähen“ wie „witzigen“ Geschichte, die einst den Weg einleitete zu seiner Karriere. Als er zwölf Jahre alt war, habe sein Vater heimlich den Vertrag in Leverkusen unterschrieben – ohne seiner Mutter davon zu erzählen. Der frühere VfB-Sportvorstand Michael Reschke, damals bei Bayer, habe sie dann mit überredet und ihr versprechen müssen, dass der toptalentierte Filius aus dem Training genommen werde, sollte er in der Schule nachlassen. Heute ist Castro so etwas wie ein Musterschüler der Fußball-Bundesliga.

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„Am Ende war ich natürlich nicht rausgenommen worden, auch wenn die Schule ein bisschen schlechter war. Wir haben es so geregelt, dass ich mehr Nachhilfe kriege“, sagte Castro am Dienstag verschmitzt: „Am Ende haben wir es gut hinbekommen, ich mit meiner Schule, dass meine Mutter glücklich ist, und ich erfolgreich Fußball spielen konnte.“

Pokalsieg mit Dortmund

Es war ein Schritt zu seiner erfolgreichen Laufbahn mit dem DFB-Pokalsieg mit Borussia Dortmund 2017 als ein Höhepunkt. An diesem Freitag (20.30 Uhr/DAZN) steht wieder ein Highlight an, wenn Castro im Heimspiel der Stuttgarter gegen den FSV Mainz 05 voraussichtlich sein 400. Spiel in der Fußball-Bundesliga bestreitet. Von den noch aktiven Profis hat er nur Bayern-Torhüter Manuel Neuer (423) und den früheren VfB-Kapitän Christian Gentner (416) vor sich.

„Ich habe ich mir nicht erträumen lassen, so viele Spiele zu machen“, sagte der 33-Jährige, der im Januar 2005 als 17-Jähriger für Bayer erstmals in der Bundesliga spielte. Der Rekord von Charly Körbel mit 602 Spielen dürfte auch für ihn außer Reichweite liegen.

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Bemerkenswert ist die Marke ohnehin. Es ist aber auch bemerkenswert, wie sehr Castro im Endspurt seiner Karriere glänzt. Reschke erklärt diesen Aufschwung mit der Arbeit von Trainer Pellegrino Matarazzo. „Matarazzo ist für Gonzo Gold wert“, sagte er und lobte Castro: „Er hat überragendes Spielverständnis, braucht auf dem Feld seine Freiheiten, schwimmt zwischen den Linien.“

Dass der VfB und Castro so fein zusammenpassen, war nicht immer so. In der Stuttgarter Abstiegssaison 2018/2019 war der fünfmalige Nationalspieler nicht unumstritten und lief überwiegend mit – statt vorne weg. In der vergangenen Zweitliga-Saison machte kaum einer die Bundesliga-Rückkehr an dem Routinier und dessen Erfahrung fest.

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Doch seit dem Aufstieg ist Castro kaum wiederzuerkennen. Dass Matarazzo ihn im Sommer zum Kapitän bestimmte, hat den früheren Dortmunder und Leverkusener gestärkt. Castro scheint zu einem richtigen Anführer für die junge Truppe gereift zu sein.

Bayern-Angebot abgelehnt

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„Er hat eine tolle Karriere hingelegt“, lobte Reschke. „Fußballerisch hätte er auch das Potenzial gehabt, beim FC Barcelona zu spielen.“ In Spanien, der Heimat seiner Eltern, hätte Castro gern einmal gespielt. Das Interesse mehrerer Vereine habe aber „vom Zeitpunkt nicht gepasst“, sagte er. Ein Angebot des FC Bayern hatte Castro einst abgelehnt.

Seine Zukunft beim VfB Stuttgart ist nun noch offen. Ein Jahr möchte er auf jeden Fall noch dranhängen. Die Gespräche über den im Sommer auslaufenden Vertrag wollen die Schwaben im Februar oder März angehen. Die Chancen auf eine Einigung dürften gut sein, auch wenn Sportdirektor Sven Mislintat vor wenigen Tagen sagte: „Wir müssen auch gucken, wie sich die Leistung von Gonzalo weiter entwickelt.“

Im Anschluss an seine Karriere will Castro mit seiner Familie nach Leverkusen zurückkehren. Wie es für ihn dann beruflich weitergehen soll, weiß er noch nicht. „Trainer ist es glaube ich eher nicht“, sagte er schmunzelnd, „weil ich einfach nicht wieder den Stress haben will, mich 20 Jahre vor 20 Bekloppte hinzustellen und jedes mal erklären zu müssen, warum der nicht spielt und warum der nicht spielt.“