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Tennis - Tatjana Maria über ihr ungewöhnliches Leben als Sport-Mama, die Bedeutung der Familie und die Vorfreude auf Wimbledon

Mit den Töchtern auf Tour

Von 
Ralf Kohler
Lesedauer: 
Tennis-Familie auf Reisen: Tatjana Maria mit ihrem Mann und Trainer Charles Eduard Maria und den Töchtern Charlotte (vorne) und Cecilia. © Cristian Bayona/dpa

Karlsruhe. Die Tennis-Karriere von Tatjana Maria verläuft nicht gerade typisch. So hat die 34-Jährige nach dem frühen Aus beim Turnier in Bonita Springs in ihrer Wahlheimat Florida nun einen Auftritt in ihrer alten Heimat Deutschland: Tatjana Maria spielt diese Woche beim WTA-Turnier in Karlsruhe. Ungewöhnlich ist aber vor allem, dass die gebürtige Bad Saulgauerin nicht mit ihrem aus dem Elsass stammenden Ehemann und Trainer Charles Edouard unterwegs ist, sondern immer auch die acht beziehungsweise ein Jahr alten Töchter Charlotte und Cecilia dabei sind. Erst nach Wimbledon (ab 27. Juni) geht es gemeinsam zurück in die USA.

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Tatjana Maria, wie ist es für Sie wieder einmal im Heimatland aufzuschlagen?

Erste Erfolge als Tatjana Malek

Die Tennisspielerin aus Bad Saulgau (Jahrgang 1987) bei Sigmaringen feierte vor der Hochzeit mit ihrem Trainer Charles Edouard Maria (2013) als Tatjana Malek erste Erfolge.

Nach Wimbledon 2013 legte Tatjana Maria eine erste Baby-Pause ein, kurz vor Weihnachten wurde dann Tochter Charlotte geboren.

Tochter Cecilia folgte im April 2021. Die Familie lebt in Palm Springs in den USA.

Tatjana Maria gewann bislang 2 WTA- und 15 ITF-Titel.

Tatjana Maria: Ich spiele immer wieder gern in Deutschland, habe immer wieder auch Bundesliga gespielt, nur gab es wegen Corona zuletzt ein Jahr keine Bundesliga. Nun habe ich aber erst am Sonntag mit Bredeney in Dresden gespielt. Ich fühle mich hier wohl – und werde immer bereit sein, für Deutschland zu spielen.

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In Bogota haben Sie Anfang April ein WTA-Turnier gewonnen. Bei der großen Veranstaltung kurz darauf in Stuttgart waren Sie nicht dabei: Woran lag es?

Maria: Ich hatte gedacht, dass ich vielleicht vorher Fed Cup spiele, dann hätte ich die Quali in Stuttgart nicht spielen können. Von daher war mein Plan anders.

Moment, es gibt doch auch Wildcards – für Stuttgart hatte zum Beispiel Laura Siegemund, die nun auch in Karlsruhe mitspielt, eine erhalten ...

Maria: Ich hab schon im Februar angefragt ob ich eine Wildcard in Stuttgart – und bei den anderen deutschen Turnieren bekomme –, aber sie wollten mir keine Wildcard geben. Die einzige Wildcard, die ich bekommen habe, war letztes Jahr die hier in Karlsruhe von Markus Schur (von dem Turnierdirektor, Anmerkung der Redaktion).

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Zuletzt war oft die Rede von einem Umbruch, der im deutschen Tennis anstehe, weil ja Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Laura Siegemund schon 34 seien. Sie sind ebenso alt und als Nummer 109 der Weltrangliste fünftbeste Deutsche, tauchten in all den Aufzählungen aber gar nicht auf ...

Maria: Das wundert mich auch, denn mit meinen Ergebnissen Anfang des Jahres bin ich immerhin eine der Besten in Deutschland! Auf jeden Fall bin ich auch noch da und werde noch länger auf der Tour sein!

Eine Tennisspielerin, die mit Nachwuchs durch die Welt reist ist immer noch ungewöhnlich ...

Maria: Ich wollte immer schon früh Kinder haben und da mein Mann mein Trainer ist und auch der Trainer von Charlotte macht es das Reisen mit Familie einfacher. Für uns ist die Familie das wichtigste. Wie bei Verletzungen ist es möglich, dass bei einer schwangeren Spielerin die Position in der Weltrangliste quasi eingefroren wird. Sie haben aber angedeutet, dass nicht alles optimal läuft. Ich dachte, dass man, egal wie lange man draußen ist, das „protected ranking“ für zwölf Turniere hat. Ich bekam dann aber von der WTA eine Mail, dass ich nur acht Turniere habe: Ich hatte wohl zwei Wochen zu früh angefangen. Ich setze mich dafür ein, dass Schwangere eine eigene Regelung bekommen: Schwangerschaft und Verletzung ist einfach nicht das Gleiche.

Ist der Eindruck richtig, dass Spielerinnen meistens allenfalls dann Kinder bekommen, wenn ohnehin das Karriereende naht?

Maria: Nein, das stimmt nicht, denn es gibt mittlerweile einige Mamas auf der Tour, die auch noch jung sind und wieder mit Kind auf die Tour zurückgekommen sind! Und wenn es mehr werden dann wird sich vielleicht auch diese Regel bald ändern.

Können Sie denn ein Profi-Dasein mit Kind empfehlen?

Maria: Ich würde auch mit einem dritten weitermachen. Bei uns läuft es super und für mich ist es das Beste, das passieren konnte: Es ist auch einfach, mit den beiden zu reisen.

Wie läuft es denn mit Ihrer älteren Tochter, was die Schule angeht?

Maria: Sie geht in die Florida Virtual School wie übrigens auch Coco Gauff. Jeden Tag mache ich zwei bis drei Stunden der von der Lehrerin vorbereitet wird: Aber es läuft gut.

Da Ihr Ehemann Ihr Trainer ist, hängt das Einkommen der Familie komplett von Ihren Ergebnissen ab, oder?

Maria: Uns geht es ganz gut: Es ist nicht so, dass ich mir viele Gedanken über das Preisgeld machen muss. Mir ist wichtig, dass ich mich weiterentwickle und möglichst mein bisher bestes Ranking – das war Nummer 46 – verbessere. Momentan, so denke ich, ist im Damen-Tennis viel möglich: Man kann da auch bei Grand Slams weiterkommen. Mein liebster Belag ist Rasen, daher liegt mir Wimbledon noch mehr als Roland Garros.

Mit welcher Sprache wachsen Ihre Kinder denn eigentlich auf?

Maria: Die sprechen vier Sprachen – deutsch, englisch, französisch und spanisch.

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