Fußball - Nach der verletzungsbedingt verkorksten Hinserie hofft der Waldhof-Neuzugang nun in der Rückrunde auf Spielanteile Gouaida nimmt neuen Anlauf

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Thorsten Hof
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Side. Auch wenn Mohamed Gouaida in der Hinrunde verletzungsbedingt noch keine Akzente beim SV Waldhof setzen konnte, hat er seinen Kollegen im neuen Fußball-Jahr schon etwas voraus: Als „Bester Spieler“ durfte sich der gebürtige Tunesier mit dem französischen Pass am vergangenen Wochenende beim Sparkassen-Cup in Ketsch auszeichnen lassen. „Ja, okay, das ist Hallenfußball“, lacht der 26-Jährige, doch ganz von ungefähr kommt diese Ehre natürlich nicht, denn das technische Spiel auf engstem Raum, gepaart mit einer entsprechenden Laufbereitschaft, ist das, was den Mittelfeldmann ausmacht.

Mohamed Gouaida möchte sich im Trainingslager den letzten Schliff für eine stabile Rückrunde holen. In der ersten Halbserie fiel er lange verletzt aus. © th
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So sieht sich Gouaida übrigens auch selbst. „Ich bin ein echter Straßenfußballer“, berichtet der 1,78 Meter große Offensivspezialist von seiner Jugend in den Vororten von Straßburg. Als Zweijähriger kam er mit seiner Familie nach Frankreich, musste sich gegen vier ältere Brüder durchsetzen und nach der Schule wurde gekickt. „Vier gegen vier, fünf gegen fünf – wer eben gerade da war“, erinnert sich Gouaida, der dann einen Platz in der Fußball-Akademie von Racing Straßburg bekam, wo er auch die heutigen Waldhöfer Dorian Diring und Zimmerkollege Mounir Bouziane kennenlernte.

Mit Bouziane schon in der Jugend

Mit Bouziane spielte er ebenfalls im Unterbau des SC Freiburg und durfte nach einem Wechsel in die U 23 des Hamburger SV sogar von der großen Profi-Karriere träumen. Unter dem damaligen Trainer Josef „Joe“ Zinnbauer wurde er im November 2014 in den Bundesliga-Kader befördert und absolvierte seine ersten elf Spiele im Oberhaus.

„Es ist leichter, als Nachwuchsspieler mal in die Profimannschaft hochgezogen zu werden, als sich dann auch dort zu behaupten und zu bleiben“, sagte der damals 21-Jährige bescheiden – und sollte recht behalten. Denn mit der Entlassung Zinnbauers verblasste auch Gouaidas Stern in Hamburg. Es folgten Leihen nach Karlsruhe und St. Gallen, ein weiterer Bundesliga-Einsatz für den HSV, die erneute Rückversetzung zu den Amateuren und der Wechsel zu Zweitligist Sandhausen, wo Gouaida ebenfalls nicht richtig Fuß fassen konnte und sich im Sommer für den SV Waldhof entschied. Dort hatte sich Trainer Bernhard Trares an seinen ehemaligen Schützling aus Hamburger Zeiten erinnert und ihn bereits beim Sparkassen-Cup 2019 kontaktiert.

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„Momo hat außergewöhnliche Fähigkeiten“, hält Trares große Stücke auf den „erfahrenen und ballsicheren“ Profi, der dem Waldhof-Spiel auch durch seine individuellen Fähigkeiten Räume öffnen soll. Zugleich erinnert der Coach aber auch daran, dass Geduld gefragt ist. „Ihn müssen wir jetzt in den Rhythmus bringen, wie wir das beispielsweise auch mit Mounir Bouziane geschafft haben“, zieht Trares Parallelen zu Gouaidas Kumpel aus Jugendtagen. Auch den Stürmer warf eine langwierige Verletzung zurück, in der zweiten Hälfte der Hinserie war der Angreifer dann aber fester Bestandteil des Kaders und steuerte drei Treffer bei.

Gouaida fiel sogar noch länger aus. Erst stoppte ihn eine Muskelverletzung in der Vorbereitung, die nach dem Einsatz in Magdeburg wieder aufbrach. Lange war die genaue Diagnose diffus, erst ein Spezialist in Köln brachte Klarheit und empfahl die entsprechende Therapie. Im Dezember kehrte der 26-Jährige wieder in den Kader zurück und will im Trainingslager nun die weiteren Grundlagen für eine dann stabilere Rückrunde legen.

„Das ist genau meine Art Fußball“

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„Ich bin absolut schmerzfrei. Ich brauche noch etwas Rhythmus, aber ansonsten fühle ich mich gut“, freut sich der gebürtige Tunesier auf die Tage von Side. „Ich muss Gas geben und meinen Platz finden, ich möchte wie alle Minuten kriegen“, brennt Gouaida darauf, bald auch auf dem Platz mithelfen zu können. Denn was er lange aus der Zuschauerperspektive mitverfolgen musste, hat ihn entsprechend beeindruckt. „Als Aufsteiger war das schon stark, das ist genau der Fußball, wie ich ihn auch mag. Mit dieser Mannschaft kannst du richtig Spaß haben“, hofft Gouaida, dass dem jüngsten Gute-Laune-Auftritt im Ketsch noch weitere Glücksmomente folgen.

Redaktion Sportredakteur, Schwerpunkte SV Waldhof, Rhein-Neckar Löwen.