Fußball - Präsenz der Polizei beim Spiel des SV Waldhof gegen den 1. FC Kaiserslautern kommt Steuerzahler teuer zu stehen Einsatz kostet über 400 000 Euro

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Stephan Alfter
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Polizeibeamte sicherten am vergangenen Samstag auch den Bereich an der Gästetribüne massiv ab. © dpa

Mannheim. Der Einsatz der Sicherheitskräfte beim Südwest-Derby zwischen dem SV Waldhof und dem 1. FC Kaiserslautern war nicht nur ein personeller und für manchen Beteiligten nervenraubender Kraftakt. Der Dienst der rund 1000 Polizisten, die unterwegs waren, um die beiden Lager voneinander zu trennen, war in der Bilanz auch nicht ganz billig. Wie diese Redaktion auf Nachfrage beim baden-württembergischen Innenministerium und bei der Einsatzleitung des Mannheimer Präsidiums erfuhr, kostete der mitunter hitzige Nachmittag die Steuerzahler rund 345 000 Euro. Und das waren lediglich die Personalkosten.

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Nicht eingerechnet sind die Verpflegungsgebühren der Beamten und die Nutzung der Fahrzeuge und Pferde, die seit dem Morgen im Vorfeld des Spiels und nach dem 1:1-Unentschieden unterwegs waren. Schließlich trafen sich die ersten Fans bereits zwischen 8 Uhr und 9 Uhr, eine erste Bilanz gab es vonseiten des Einsatzleiters vier Stunden nach dem Abpfiff – gegen 19.45 Uhr. Demnach ein rund zwölfstündiger Arbeitstag.

Chaoten zerstören Stahlzäune

Dass die Einsatzkräfte den Spieltermin schon Wochen vorher koordinierten und sich dafür zu Besprechungen treffen mussten, ist ebenso nicht Bestandteil der Summe. Insofern ist davon auszugehen, dass der finanzielle Gesamtaufwand die Marke von 400 000 Euro locker übertreffen wird – auch, weil es Schäden zu beklagen gab.

Nachdem sich Hunderte Kaiserslauterer Anhänger am Morgen etwa in Ludwigshafen am Berliner Platz getroffen hatten, sah der Platz im Nachhineinein aus, als wären Wurstmarkt und Matthaisemarkt unter der Hochstraße zusammengestoßen. Die Stadtreinigung beseitigte gegen 12 Uhr ein Meer von Scherben, nachdem der Tross der Roten Teufel weitergezogen war. Zu Bruch ging wenig später auch eine Scheibe am Mannschaftsbus des FCK. Die Bierflasche eines Waldhof-Anhängers schlug dort gegen 12.30 Uhr ein. Dieser Schaden dürfte allerdings geringer ausfallen, als die Instandsetzungskosten für die Stahlzäune, an denen Chaoten nach dem Spiel rüttelten, bis sie nachgaben und den Weg auf das Spielfeld freigaben. Zudem wurden auf der Westtribüne Sitzreihen aus der Verankerung gerissen und sanitäre Anlagen beschädigt. „Die Kosten dafür lassen sich noch nicht abschätzen“, erklärte Waldhofs Geschäftsführer Markus Kompp auf Anfrage.

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Von diesen Vorkommnissen distanzierten sich die FCK-Verantwortlichen inzwischen deutlich. In einer von den Pfälzern verbreiteten Mitteilung hieß es, man „dulde keine Sachbeschädigungen im Stadion und verurteile den massiven Einsatz von Pyrotechnik, insbesondere von Böllern und Raketen“. Der Klub versuche, die Einzeltäter zu identifizieren und sie in Regress zu nehmen. Ein Stadionbesuch soll für sie zukünftig ausgeschlossen werden.

Über die Frage, wer die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen trage, gab es in der Vergangenheit Auseinandersetzungen im Bundesland Bremen. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im Jahr 2019 zugunsten des Landes entschieden, dass Polizeimehrkosten von der Deutschen Fußball Liga (DFL) mitzutragen seien. Die Dritte Liga, in der das Südwestderby ausgetragen wurde, wird allerdings nicht unter dem Dach der DFL ausgetragen. Insofern hängen die 400 000 aus dem aktuellen Spiel am Steuerzahler.

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Veröffentlicht
Von
Alexander Müller
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Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar