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Tennis - Auf dem ungewohnten Rasen von Wimbledon sorgt die 17-jährige Altriperin Nastasja Schunk fast für die große Sensation / Top 300 der Welt als neues Ziel

„Die beste Woche meiner Karriere“

Von 
Sibylle Dornseiff
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Hat ihre Ziele klar im Blick: Nastasja Schunk, die in der Bundesliga für den TC BASF Ludwigshafen aufschlägt. © dpa

Mannheim. Vor vier Jahren formulierte das damals 13-jährige Tennistalent Nastasja Schunk ein Fernziel klar und deutlich. „Ich will irgendwann unter die Top-50 der Welt und bei den Grand Slams spielen. Vor allem in Wimbledon, denn ich habe noch nie in meinem Leben auf Rasen gespielt.“ Ein Teil dieses Wunsches ist früher in Erfüllung gegangen als gedacht, denn im Juniorinnen-Turnier wurde sie auf dem heiligen Rasen des Londoner Stadions erst im Finale gestoppt. „Das war eine unglaubliche Woche, ich habe so viel erlebt und gesehen“, schwärmt die inzwischen 17-Jährige „von der „besten Woche meiner Karriere“.

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Dabei war sie ohne große Erwartungen im Tross von insgesamt zehn Nachwuchshoffnungen des Deutschen Tennisbundes (DTB) nach London gereist. „Ich habe erst bei einem ITF-Turnier im Juni die letzten notwendigen Qualifikationspunkte gesammelt. Danach haben wir uns zum Start entschlossen“, war sich die Altriperin mit ihrem Heimtrainer Denis Gremelmayr einig.

Lange Suche nach Schuhen

Als Vorbereitung auf die erste Rasen-Erfahrung diente ein Turnier in Bad Homburg. „Es war alles sehr ungewohnt. Ich musste auch unheimlich lange nach den speziellen Rasenschuhen suchen.“ Doch die Linkshänderin gewöhnte sich schnell um und fand sogar Spaß am grünen Belag. „Der Rasen in Wimbledon war absolut perfekt, viel besser als der in Bad Homburg. Darauf zu spielen, war sehr schön, aber noch bevorzuge ich den Sand.“

Aus der Ferne von Heim-Coach Gremelmayr unterstützt - der dreimalige deutsche Meister mit Grün-Weiss Mannheim blieb wegen der unklaren Quarantäne-Regeln zu Hause – und vor Ort von DTB-Trainer Thorsten Popp betreut, startete „Nastja“ Schunk das Unternehmen Wimbledon. „Eigentlich wollte ich ja nur die Atmosphäre erleben“, sagte das Mitglied des Porsche-Talent-Teams, das bis 2019 für die MTG startete und nach deren Rückzug aus der 1. Bundesliga zum TC BASF Ludwigshafen wechselte.

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„Natürlich habe ich mir auch vorgenommen, mein bestes Tennis zu spielen. Dafür bin ich recht weit gekommen“, ist die kurze Enttäuschung nach dem verlorenen Finale „einer großen Freude gewichen, denn es war ein gutes Turnier.“

Nach dem Viertelfinale waren bis auf Schunk alle anderen Deutschen ausgeschieden. Auf dem Weg von der 64er-Runde bis in das Spiel um Platz eins besiegte die Nummer 71 der Juniorinnen-Weltrangliste, die auch dem NK1-Kader des DTB angehört, einige weit vor ihr liegende Konkurrentinnen. Unter anderem im Halbfinale die Nr. 1 Victoria Jiminez Kasintseva (Andorra). „In den ersten Runden war ich ganz entspannt und einfach nur glücklich, überhaupt gewonnen zu haben. Doch vor dem Halbfinale und dem Finale wurde ich dann schon etwas nervös. Beide fanden auf Court 1 statt – vor so viel Publikum habe ich noch nie gespielt.“ Eingeschüchtert fühlte sie sich jedoch weder von der Kulisse noch von der Konkurrenz.

Aber der Weg ins Finale mit fünf umkämpften Matches an fünf Tagen war hart, viermal setzte sich Schunk erst im dritten Satz durch. Das machte sich im Endspiel gegen die Spaniern Ane Mintegi Del Olmo bemerkbar. Noch nicht im ersten Durchgang, den die Deutsche mit 6:2 für sich entschied. „Aber dann wurde ich etwas müde, habe mich nicht mehr so gut bewegt und viele leicht Fehler gemacht. Außerdem hat Ane sehr gut gespielt.“

Doch trotz des verlorenen zweiten Satzes (4:6) und eines 1:5-Rückstands im dritten gab sich Schunk nicht auf und wehrte noch vier Matchbälle ab. Den Trubel und Medienrummel, den ihr Durchmarsch in der Heimat verursachte, bekam sie mit. „Ich erhielt extrem viele Nachrichten, habe auch nicht alle beantworten können.“ Dass sie gar als „die Boris“ tituliert wurde, „fand ich etwas komisch.“

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Viel Trubel in der Heimat

Der Erfolg der Wimbledon-Woche ist mittlerweile messbar: In der Weltrangliste der Juniorinnen kletterte Schunk um 54 Plätze auf Rang 17 nach oben, in der DTB-Rangliste setzte sie sich an die Spitze. Doch auf ihre Einstufung in der Weltrangliste der Damen (aktuell 682) hatten die Spiele in London keine Auswirkung. Dort unter die 300 zu kommen, ist – neben dem Fern-Abitur – das nächste große Ziel. Denn dann kann die eigentlich in der Turnhalle aufgewachsene Tochter der Bundesnachwuchstrainerin Claudia Rödinger-Schunk, die seit ihrem fünften Lebensjahr zum Schläger greift, nicht nur in den zweitklassigen ITF-, sondern auch in den erstklassigen WTA-Turnieren starten.

Angesichts der Verbesserung seit Ende Dezember (975) ist das wohl nur eine Frage der Zeit. Nach einer kurzen Pause nimmt sie am 23. Juli in Versmold die nächsten Weltranglistenpunkte in Angriff. Danach konzentriert sie sich auf die auf knapp vier Wochen komprimierte 1. Bundesliga der Damen.

Freie Autorin Spezialgebiete Sport und Kultur:Sport: Turnen, Tanzen, Leichtathletik, Kanu, Eiskunstlauf, Short-Track, Curling, Judo, Triathlon, Rope Skipping, Turf, Reiten, Volleyball.Kultur: Theater/Schauspiel, Tanz, Ballett

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