Fußball - Waldhof-Trainer Patrick Glöckner fordert gegen Wiesbaden eine Reaktion seines Teams auf das verkorkste Lautern-Spiel Derby-Stachel sitzt noch tief

Von 
Alexander Müller
Lesedauer: 

Mannheim. Patrick Glöckner hatte ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis. Mit ungewohnt ernster Miene saß der Trainer des SV Waldhof auf dem Podium der Pressekonferenz und erläuterte in fast schon ausschweifenden Ausführungen, wie es zur Derby-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:2) am vergangenen Samstag kommen konnte. Hier wollte jemand dringend den Vorwurf entkräften, er und seine Mannschaft hätten den für die Fans so wichtigen Südwest-Vergleich auf die leichte Schulter genommen. Die Bedeutung des Derbys unterschätzt? Das wollte Glöckner so nicht stehenlassen – und setzte zu einer teils emotionalen Erklärungsrede an.

Trost vom Trainer: Nach der Derby-Schmach gegen Lautern nahm Patrick Glöckner seinen Angreifer Dominik Martinovic in den Arm. © PIX
AdUnit urban-intext1

„Es war eine durchwachsene Trainingswoche. Einerseits wegen des Wetters, aber vielmehr, weil wir das Derby noch ein bisschen im Kopf hatten. Der Stachel sitzt noch. Wir haben es uns sehr zu Herzen genommen, dass wir in diesem Spiel unsere Leistung nicht so abrufen konnten, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte der Mannheimer Coach am Freitag. „Fakt ist, dass keinem so eine Niederlage mehr weh tut als uns, auch dem Trainer-Team. Wir wollten das Spiel mit den Tugenden angehen, die uns stark gemacht haben: mit Kampf, Leidenschaft, Mentalität und Aggressivität. Es ist für uns ernüchternd zu sehen, dass auf dem Platz dann die zwei, drei Prozent in so einem wichtigen Spiel für uns gefehlt haben.“

Waldhof-Splitter

  • Am Freitag beseitigten Helfer die letzten Schneereste vom Rasen des Carl-Benz-Stadions, der von außen betrachtet bespielbar aussieht. Die finale Entscheidung, ob die Partie des SV Waldhof gegen den SV Wehen Wiesbaden ausgetragen wird, trifft am Samstagvormittag aber das Schiedsrichter-Team.
  • Arianit Ferati (Kapselriss) und Anton Donkor (muskuläre Probleme) fehlen gegen Wehen weiterhin, sollen aber nach Angaben von SVW-Trainer Patrick Glöckner am Dienstag wieder ins Training einsteigen.
  • Voraussichtliche Waldhof-Aufstellung: Königsmann – Gottschling, Gohlke, Seegert, Hofrath – Schuster, Christiansen – Costly, Saghiri (Gouaida), Garcia – Martinovic.

Personelle Veränderungen geplant

Die Aufarbeitung des verkorksten Auftritts gegen den FCK sei deutlich ausgefallen. „Wir haben das Spiel auseinandergenommen, da kann es auch mal lauter werden in der Kabine, da kann die Analyse auch einmal ein bisschen zielstrebiger ausfallen. Da muss jeder durch“, berichtete Glöckner, der es als „positive Aktion“ wertete, dass etwa 15 Anhänger nach dem Training am Dienstag Klartext mit dem Team geredet hatten. „Es waren Worte, die den einen oder anderen Spieler noch einmal mitgenommen haben, was auch wichtig ist, weil eine Reaktion folgen muss.“ Dazu besteht am Samstag (14 Uhr) die Möglichkeit, wenn der Fünfte SV Wehen Wiesbaden ins Carl-Benz-Stadion kommt – am Freitag sah es gut aus, dass die Partie trotz des Wintereinbruchs in dieser Woche ausgetragen werden kann.

Laut Glöckner hat eine Vielzahl von Faktoren zur letztlich blutleer wirkenden Vorstellung gegen Lautern geführt: die intensive Belastung im Januar, die Derby-Unerfahrenheit einiger junger Profis, mangelnde Abgezocktheit, „Fehlerketten“ vor den Gegentoren und die psychologische Ausgangslage gegen einen mit dem Rücken zur Wand stehenden Gegner. „Wenn man das große Ganze sieht und es auseinanderfächert, hatten wir vielleicht zwei oder drei Spiele mehr in den Knochen und waren von der Tabelle in einer komfortableren Situation. Das hat vielleicht dazu geführt, dass der eine oder andere Prozentpunkt Gier auf dem Platz gefehlt hat“, sagte Glöckner, der sich aber gegen den Vorwurf mangelhafter Einstellung verwehrte: „Wir waren nicht überfordert, sondern wollten vielleicht zu viel.“

AdUnit urban-intext2

Bis die Gelegenheit kommt, den schwachen Eindruck im Derby zu tilgen, müssen die Mannheimer noch bis zur nächsten Saison warten. Eine schnelle Reaktion ist jedoch am Samstag gegen die Mannschaft des Ex-Waldhof-Profis Rüdiger Rehm anvisiert. „Ich hoffe, dass wir die Mannschaft wieder so in die Spur bekommen haben, dass wir das Lautern-Spiel abschütteln und wieder positiv vorangehen. Mund abputzen, Brust rausnehmen und gegen Wehen Wiesbaden zeigen, was unsere Tugenden sind. Vollgas voraus, weiter geht’s!“, postulierte Glöckner.

Der Waldhof-Coach plant für das Match gegen den Zweitliga-Absteiger, gegen den der SVW in der Hinrunde den ersten Saisonsieg einfuhr (1:0), personelle Veränderungen. Welche, ließ er zwar offen. Aber vieles spricht dafür, dass Max Christiansen nach seinen beiden Einwechslungen zuletzt als prägende Figur im Mittelfeld in die Startelf zurückkehrt, entweder für Mohamed Gouaida oder für Hamza Saghiri.

AdUnit urban-intext3

Jesper Verlaat muss sich nach seinem auskurierten Muskelfaserriss indes weiter gedulden, wie zwischen den Zeilen herauszuhören war. „Marcel Seegert und Gerrit Gohlke bringen zurzeit gute Leistungen und haben sich auch gut eingespielt. Wir haben viermal zu Null gespielt“, lobte Glöckner sein Innenverteidiger-Duo der vergangenen Wochen. „Da muss man als Trainer jonglieren. Fakt ist: Jessi ist ein hervorragender Innenverteidiger, der alle Fähigkeiten mitbringt. Aber klar ist auch: Das Leistungsprinzip steht an oberster Stelle.“

AdUnit urban-intext4

Egal, wer letztlich auf dem Platz steht. Der Trainer will am Samstag einen anderen Spirit als gegen den FCK sehen. „Es geht nur darum, ob wir in der Lage sind, unsere Tugenden abzurufen, um in der 3. Liga bestehen zu können. Es geht nur darum, wie viel PS wir auf den Platz bekommen. Wir wollen mit dem Messer zwischen den Zähnen dastehen.“ Wiesbaden soll den Derby-Frust zu spüren bekommen.

Mehr zum Thema

SV Waldhof Tendenz leicht positiv: Kann SV Waldhof am Samstag spielen?

Veröffentlicht
Von
Alexander Müller
Mehr erfahren

SV Waldhof SV Waldhof kann wahrscheinlich am Samstag spielen

Veröffentlicht
Von
Alexander Müller
Mehr erfahren

Fußball Im Hinspiel hat’s für Waldhof geklappt

Veröffentlicht
Von
alex
Mehr erfahren

Fußball Rehm kehrt zurück nach 7209 Tagen

Veröffentlicht
Von
Alexander Müller
Mehr erfahren

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB