Eishockey - Mannheimer ERC versucht im Lockdown alles, um den Nachwuchs an den Verein zu binden Auf Eis gelegt

Von
Christian Rotter
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Mannheim. Moritz Seider ließ sich nicht lumpen. Als Christian Lorch bei ihm nachfragte, ob er etwas Zeit für den Eishockey-Nachwuchs des Mannheimer ERC investieren könne, rannte sein ehemaliger Trainer beim größten deutschen Verteidiger-Talent offene Türen ein. Seider, der in dieser Saison beim schwedischen Topclub Rögle BK für Furore sorgt, derzeit aber mit einer Schulterverletzung ausfällt, zeigte beim Onlinetraining, dass er nach seiner Profikarriere durchaus das Zeug dazu hat, sein Wissen als Coach an Talente weiterzugeben.

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„Das war natürlich eine richtig feine Sache“, sagt Danilo Valenti, der Sportliche Leiter beim MERC. „Wir versuchen derzeit alles, um unsere Spieler bei der Stange zu halten und an uns zu binden.“

Einfach ist diese Aufgabe nicht. Seit dem zweiten Lockdown Anfang November ist die Arbeit des MERC buchstäblich auf Eis gelegt. In normalen Jahren würden die verschiedenen Mannschaften in den Ligen um Punkte kämpfen, der schwarzen Hartgummischeibe nachjagen und im Training alles daran setzen, um besser zu werden. Das alles ist derzeit jedoch nicht möglich. Untätig sind die Blau-Weiß-Roten aber seitdem nicht, im Gegenteil. Sie versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. „Wir haben eine große Verantwortung den jungen Menschen gegenüber. Sie sind unser Kleinod, daher ist ein regelmäßiger Austausch wichtig“, betont Valenti, dem Vater von Jungadler-Trainer Sven und Opa von Adler-Stürmer Yannik.

Interaktives Online-Training

Wie so vieles im Alltag, so läuft auch beim MERC momentan vieles digital ab, die drei- bis viermal in der Woche online abgehaltenen Trainingseinheiten werden aber positiv angenommen. In ihnen wird nicht nur graue Theorie gepaukt, obwohl die Analyse der DEL-Spiele der Adler Mannheim durchaus Spaß bereiten. „Die Kinder und Jugendlichen sind nicht nur Konsumenten, sondern werden eingebunden. Sie zeichnen daheim Übungen auf, schicken sie uns, und wenn diese dann bei unserem nächsten Treffen gezeigt werden, erfahren sie eine ganz wichtige Wertschätzung“, sagt Valenti.

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Ab und zu sind die „Vorturner“ sogar Idole der Kinder – so, wie Seider oder die Adler-Stürmer Matthias Plachta und David Wolf, die den Nachwuchs per Videobotschaft zur sogenannten „Connor-McDavid-Challenge“ herausforderten. McDavid, der bei den Edmonton Oilers in der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL mit dem deutschen Superstar Leon Draisaitl die gegnerische Defensive vor schier unlösbare Aufgaben stellt, ist nicht nur für seine Geschwindigkeit, sondern auch für seine feine Stocktechnik bekannt. Und eben an dieser sollte die U 13 des MERC feilen. Mit Aktionen wie diesen soll die „Flamme, die in den Kindern brennt, am Leben gehalten werden“, verdeutlicht Valenti. Dabei kann er sich auf eine Trainergruppe verlassen, die ihre Spieler begeistert.

Trotz dieser Bemühungen ist eines klar: Das Training auf dem Eis kann keine noch so gut vorbereitete Videokonferenz ersetzen. Und so hofft der MERC mit ganz vielen anderen Vereinen, dass er endlich wieder seiner Bestimmung nachkommen kann. „Es ist uns ganz wichtig zu betonen, dass wir für die Lage in der Corona-Pandemie Verständnis haben. Junge Menschen sind derzeit aber von ihrem Sport ausgesperrt. Wir gehen nicht, weil wir denken, sondern wir denken, weil wir gehen“, unterstreicht Valenti. „Wir sind bestrebt, in einem Dialog mit der Politik Lösungen zu finden.“

Hygienekonzept steht

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Derzeit liegt das passende Hygienekonzept in der Schublade. Aber – bis Ende Oktober funktionierte es. „Alle haben sich daran gehalten“, sagt Valenti. „Und als mich die Spieler gefragt haben, was sie falsch gemacht hatten, als wir am 2. November alles zumachen mussten, konnte ich ihnen nur mit ,Nichts‘ antworten.“

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Auch die Laufschule ist geschlossen. Normalerweise stehen in dieser 70 bis 80 Kinder erstmals auf Schlittschuhen, schnuppern in den Eishockeysport hinein. „Uns fehlt ein ganzes Jahr im Nachwuchs“, betont Valenti. Und damit ein Jahrgang, der im besten Fall einen Topspieler wie Moritz Seider hervorgebracht hätte.

Redaktion Koordinator der Sportredaktion