Sieg über Island: DHB-Team glänzt in Mannheim

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dpa
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Die DHB-Auswahl hat den EM-Test gegen Island erfolgreich bestritten. © PIX-Sportfotos/Michael Ruffler

Mannheim. Die 12 037 begeisterten Zuschauer in der ausverkauften Mannheimer SAP Arena applaudierten, Bundestrainer Christian Prokop klatschte glücklich und strahlend schon 15 Sekunden vor dem Abpfiff mit den Spielern auf der Ersatzbank ab. Und dazu hatte der 41-Jährige auch allen Grund. Denn die deutsche Handball-Nationalmannschaft bezwang im vorletzten Testspiel vor der EM die isländische Auswahl nicht nur mit 33:25 (16:13), sondern zeigte auch viel von dem, was sie sich vorgenommen hat. „Ich habe viele gute Sachen gesehen“, sagte Torwart Johannes Bitter und dürfte damit vor allem das Umschaltspiel gemeint haben, das auch Kreisläufer Jannik Kohlbacher von den Rhein-Neckar Löwen herausstellte: „Wir haben Tempo gemacht und die einfachen Tore im Gegenstoß mitgenommen.“ So soll es dann auch am Montag weitergehen. Dann bestreitet die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in Wien gegen Österreich ihre EM-Generalprobe. „Wir fahren da hin, um zu gewinnen“, stellte Kreisläufer Patrick Wiencek klar. Am Donnerstag folgt der Turnier-Auftakt gegen die Niederlande.

Handball DHB-Auswahl gewinnt EM-Test gegen Island

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Nach den vielen verletzungsbedingten Absagen starteten die Deutschen erwartungsgemäß mit Paul Drux auf der Spielmacherposition - und der Berliner prägte gleich die ersten Minuten. Aufgrund seiner Defensivqualitäten auch in der Abwehr eingesetzt, lief er nach Ballgewinnen konsequent die zweite Welle mit und nutzte die fehlende Organisation in der isländischen Abwehr. Vier der ersten fünf Treffer erzielte Drux, ein weiteres Tor zum 5:2-Zwischenstand (10.) erzielte Tobias Reichmann. Schnell und schnörkellos griff der WM-Vierte an - und damit genau so, wie sich das Bundestrainer Prokop angesichts der bekannten Probleme im Positionsangriff vorgestellt hatte.

Wenn die Deutschen aber mal nicht ins Umschaltspiel kamen, taten sie sich in ihren Offensivbemühungen deutlich schwerer und machten Fehler. Drux passte ins Aus, Kohlbacher lief zweimal durch den Kreis, der nach einer Viertelstunde für Drux eingewechselte Marian Michalczik leistete sich einen technischen Fehler. Es sind Ballverluste wie diese, die es bei der EM zu vermeiden gilt, ermöglichten sie doch den Isländern ein paar einfache Treffer. „Im Spiel Sechs gegen Sechs hat es ein wenig gestockt“, gab Rückraummann Fabian Böhm zu: „Aber unser Hauptangriffsmittel ist es eben, über das Tempo zum Erfolg zu kommen.“

Zielstrebigkeit im Konter, eine gute Torwartleistung von Andy Wolff (neun Paraden im ersten Durchgang), Probleme im gebundenen Spiel - diese Dinge waren von den Deutschen zu erwarten, etwas überraschend gesellten sich phasenweise aber auch ein paar Defensivnachlässigkeiten dazu. Die vom dänischen Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen als „beste Abwehr Europas“ geadelte DHB-Defensive wirkte bisweilen unaufmerksam, große Lücken taten sich auf und so lag die Auswahl von Bundestrainer Christian Prokop trotz der Umstellung von einer 6:0- auf eine 3:2:1-Variante zwischenzeitlich mit 11:12 (22.) zurück.

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Der in der Jugend der Rhein-Neckar Löwen ausgebildete und nun für den TVB Stuttgart spielende David Schmidt feierte anschließend sein Nationalmannschaftdebüt, hatte aber weniger Anteil daran, dass der Europameister von 2016 noch mit einem 16:13 in die Pause ging. Vielmehr war es wie schon zu Beginn das deutsche Konterspiel, das für den Drei-Tore-Vorsprung sorgte - und den warf der Mannheimer Uwe Gensheimer mit drei Treffern in Folge im Alleingang heraus.

Mit einem 4:0-Lauf zum 20:13 (36.) starteten die Deutschen in den zweiten Durchgang. Der eingewechselte Johannes Bitter war im Tor sofort mit drei Paraden zur Stelle, die Deckung verteidigte außerdem deutlich stärker als vor dem Seitenwechsel. Die Folge: Gegenstoßmöglichkeiten für den WM-Vierten, der sich diese Gelegenheiten auch nur einmal in Form von Löwe Kohlbacher entgehen ließ. Ansonsten belohnte sich die Prokop-Sieben konsequent für die Arbeit in der Abwehr. „Torwart gut, Abwehr die meiste Zeit gut, viel Tempo im Spiel“, fasste Drux durchaus zufrieden die Vorstellung zusammen.

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Mitte der zweiten Halbzeit baute der Bundestrainer schließlich sein Deckungszentrum um, für die gesetzten Kieler Wiencek und Hendrik Pekeler übernahmen Johannes Golla und Michalczik. Sie sollen und müssen auch bei der EM dem Herzstück der Verteidigung ein paar Verschnaufpausen verschaffen, wenn die Deutschen weit kommen wollen. „Von außen betrachtet sah das ganz gut aus, was die zwei Jungs da gemacht haben“, sagte Wiencek, „in einem hoffentlich langen Turnier mit vielen Spielen in wenigen Tagen und den Reisestrapazen brauchen wir aber auch Alternativen.“

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Deutschland: Wolff (1. Halbzeit), Bitter (2. Halbzeit) - Gensheimer (4), Pekeler (2), Reichmann (3) - Kühn (1), Drux (4), Häfner (2) - Wiencek, Golla (4), Weber (3), Michalczik (1), Böhm (1), Kohlbacher (2), Kastening (3), Schmidt (1), Zieker (2).