Fußball - Bayern-Verteidiger verlässt Club-WM in Katar nach Tod seiner Ex-Freundin / Trainer Flick peilt im Duell mit Tigres aus Mexiko den sechsten Titel an Überstürzte Boateng-Abreise vor dem Finale

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dpa
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Doha. Hansi Flick fühlte mit Jérôme Boateng und erfüllte dem Ex-Nationalspieler die Bitte, sofort nach Deutschland heimzufliegen. Der finale Akt beim Sechs-Titel-Projekt des FC Bayern rückte im Quartier der Münchner Fußballer in Katar vorübergehend in den Hintergrund. „Das hat uns schon alle mitgenommen“, sagte Flick, als er am Mittwoch bei der Club-WM mit ernster Miene berichtete, dass der 32-jährige Boateng aus privaten Gründen vorzeitig aus Katar abreise. Laut „Bild“-Zeitung ist Boatengs ehemalige Freundin Kasia Lenhardt im Alter von 25 Jahren verstorben. Beide hatten sich erst Anfang Februar getrennt.

FCB-Trainer Hansi Flick (l.) und Jérôme Boateng. © dpa
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Der Abwehrspieler hatte ihn darum bei einem Gespräch auf seinem Zimmer gebeten, sagte Flick. An den gewohnten sportlichen Abläufen in der Vorbereitung auf das Endspiel am Donnerstag (19 Uhr/DAZN/Sport Live) gegen Tigres UANL aus Mexiko hielt der Bayern-Tross fest. Das Abschlusstraining fand wie geplant statt. Und die Zielsetzung bleibt auch bestehen.

„Wir freuen uns auf das Finale“, sagte Kapitän Manuel Neuer. „Das war unser großes Ziel“, sagte Flick. Der 55-Jährige verfolgt im WM-Land von 2022 einen historischen Plan. Mit dem sechsten Titel in einer Saison könnte Flick bei dem wegen der Corona-Pandemie verschobenen Turnier sein Bayern-Werk vollenden – und das in nur 16 Monaten. Die Münchner Stars wissen, was ihr ehrgeiziger Chef wünscht – den erfolgreichen Abschluss der Mission 6. Titel. „Hansi hat uns gesagt: Wenn wir schon hier sind, müssen wir Gas geben und auf 100 Prozent spielen“, sagte Torjäger Robert Lewandowski. Auf die Position von Boateng im Abwehrzentrum rückt gegen die Mexikaner Niklas Süle. Weitere Umstellungen ließ Flick offen. Er lobte aber auffällig Leroy Sané für eine „gute Performance“ als Joker beim Sieg gegen Al Ahly. Der Titel des Club-Weltmeisters ist beileibe nicht der ruhmreichste im Weltfußball. Aber eine besondere Konstellation macht ihn doch so wertvoll für die Bayern-Generation um Weltfußballer Lewandowski und Welttorhüter Neuer. Sechs Titel in einer Saison, das ist ein Alleinstellungsmerkmal des FC Barcelona, dem dieses Kunststück 2009 mit Trainer Pep Guardiola und Weltstar Lionel Messi glückte.

„Wenn du weißt, dass nur eine Mannschaft sechs Titel geschafft hat, ist dir bewusst, dass du Fußball-Geschichte schreiben kannst“, sagte Lewandowski. Für Flick wäre die Trophäe eine persönliche Krönung. Als Trainer stünde er dann auf einer Stufe mit Guardiola. dpa