Deutschland - Der 31-jährige Mittelfeld-Star von Real Madrid sieht keine Notwendigkeit, sein Spiel anzupassen

Toni Kroos – der Mann, der in sich ruht

Von 
Christoph Fischer
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Toni Kroos ist für Bundestrainer Joachim Löw der wichtigste Ansprechpartner auf dem Platz. © dpa

Herzogenaurach. Besonders hartnäckige Fragesteller wollen wissen, ob Toni Kroos der Bundeskanzlerin in ihrer Videoschalte auch eine Frage gestellt habe. „Wenn Sie das glücklich macht“, sagt Toni Kroos, „ja, ich habe ihr eine Frage gestellt, und zwar die, ob für Staatschefs bei ihren Treffen auch die Fußball-Europameisterschaft ein Thema ist? Die Kanzlerin hat geantwortet, dass manche sogar die Sitzung verlassen, wenn es um ihre Nationalmannschaften geht.“ Das wäre geklärt, nur so viel zum Niveau von Pressekonferenzen am Tag, an dem die Europameisterschaft 2021 in Rom beginnt.

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Wesentlich zugeknöpfter reagiert Kroos, als man ihn fragt, ob die ansteigende Prominenz im deutschen Mittelfeld nicht nur den Konkurrenzkampf intensiviert hat, sondern auch sein eigenes Spiel? „Ich habe mein Spiel nicht verändert“, sagt Kroos kurz angebunden. Nicht mehr alle sehen seine Rolle im Mittelfeld der Fußball-Nationalmannschaft absolut dominierend, obwohl es nicht den geringsten Zweifel daran gibt, dass Kroos bei Bundestrainer Joachim Löw absolut unumstritten bleibt. Kroos wird am Dienstag gegen Frankreich in der Startformation stehen, die Frage ist lediglich, wer mit ihm im Mittelfeld spielen wird.

Der 31-Jährige bleibt am Freitag zurückhaltend wie immer. „Der größte Gegner ist die Gruppe. Die zu überstehen, wäre schon einmal ein Statement“, sagt er. Ein typischer Satz für ihn. Es geht darum, die erfolgversprechendste Formation zu finden, entscheidend ist nicht nur die individuelle Klasse, sondern, dass daraus eine Mannschaft wird, „sonst geht ein Turnier nicht lang“.

Löws Rekordspieler

Kroos ist der wichtigste Ansprechpartner des Bundestrainers. „Wir sind stetig in Kontakt“, sagt Kroos. 136 Spieler hat Löw in seinen 194 Länderspielen als Chefcoach eingesetzt. Keiner kam häufiger oder länger zum Einsatz als Toni Kroos. fast 8000 Spielminuten sind zusammengekommen.

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Kroos ist für Löw unverzichtbar. Aber trotz aller Verdienste wird über ihn kontrovers diskutiert. Löw kennt diese Debatten alle. „Grundsätzlich ist es nichts Neues, dass es zu manchen Spielern unterschiedliche Meinungen gibt und dass man sich an solchen Spielerpersönlichkeiten bisweilen reibt. Toni Kroos ist jetzt vielleicht auch einmal das eine oder andere Mal dran gewesen. Ich kenne das nicht anders nach den vielen Jahren als Bundestrainer“, sagt Löw.

Kroos macht das alles keine Probleme, er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, er spielt seit sieben Jahren bei den „Königlichen“ von Real Madrid. Dieser Mann ruht in sich selbst. Schon vor der WM in Russland, Deutschland zählte auch 2018 zu den Favoriten, hat Kroos eine andere Meinung vertreten, nach außen vermutlich moderater als nach innen. Einer wie Kroos hat ein Gefühl dafür, ob eine Mannschaft funktioniert oder nicht.

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„Wir haben jetzt zwei Wochen gut zusammengearbeitet, ich habe schon den Eindruck, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben, aber bewerten kann man das erst, wenn wir gespielt haben“, sagt Kroos. Zum Spiel gegen den Weltmeister fällt ihm ein: „Wenn Kylian Mbappé erst einmal ins Rollen kommt, ist er schwer zu stoppen, das weiß man.“ Er erinnert sich an das Halbfinale, als die DFB-Elf bei der Euro 2016 mit 0:2 unterlag. „Ich denke, wir hätten das Spiel nicht zu verlieren brauchen, aber Frankreich ist aktuell noch ein wenig besser als damals in Marseille.“ Seine Ball- und Passsicherheit ist unerreicht, seine stoische Ruhe in den gefährlichsten Situationen unter Druck sensationell. Das ist das Plus des Mannes von Real Madrid, der schon von großen Trainern wie Jupp Heynckes „einmalig“ genannt wurde.

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Thema : Fussball-EM 2021

  • Nationalmannschaft Löws Abschiedstour vor Flicks Augen

    Hansi Flick hat gerade Urlaub. Aber auch da lässt den hochdekorierten Ex-Bayern-Coach und Bundestrainer in spe der Fußball nicht komplett los. Im Terminkalender hatte der 56-Jährige schon vor ein paar Wochen beim Datum 15. Juni den abendlichen Besuch des EM-Auftaktspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich vorgemerkt. Das bestätigte Flick am Morgen des Spieltags nochmals der Deutschen Presse-Agentur: „Ja, ich schaue mir das Spiel an!“ Und das vermutlich aus verschiedenen Blickwinkeln, auch wenn sich Flick zu seinen Erwartungen und Emotionen nicht äußern mochte. Der Tag, das Turnier, die Nationalelf – das soll möglichst bis zum Finale am 11. Juli in London weiter alles exklusiv Joachim Löw gehören. Seinem Ex-Chef, dem er 2014 beim WM-Triumph in Brasilien erfolgreich assistiert hatte, drückt Flick auf dessen Abschiedstour die Daumen. Deutschland gegen Frankreich – der Aufmarsch vieler großer Spieler in der Münchner Arena veranschaulicht auch Flick noch mal den Übergang, den er mit seinem Wechsel vom FC Bayern zurück zum DFB antritt. Gleich zwölf Akteure in beiden EM-Kadern waren zuletzt noch seine Spieler in München; acht bei Deutschland (Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka, Müller, Sané, Gnabry, Musiala), vier bei den Franzosen (Coman, Pavard, Hernández, Tolisso). Anderthalb Jahre lang dirigierte Flick sie zu sieben Titelgewinnen. Beim Wiedersehen zur EM tauschte er aber die Perspektive – vom Spielfeldrand hoch auf die Tribüne. „Ich habe mich gefreut“ Jogi unten, Hansi oben. Löw ist froh, dass Flick sein Erbe antritt. „Als es konkret wurde mit Hansi und klar war, dass er Bundestrainer werden möchte, habe ich mich gefreut“, sagte der 61-Jährige jüngst im dpa-Interview. Er freute sich für „Hansi“, seinen Freund, und für Flick, den Trainer, der „eine sehr gute Entwicklung gemacht“ habe. Löw sieht bei Flick einen doppelten Vorteil. „Hansi kennt den DFB in- und auswendig. Und er kennt nicht erst durch seine Tätigkeit bei Bayern München sehr viele Spieler und hat eine unglaubliche Nähe zu diesen Spielern.“ Löw schätzt an Flick dessen Gespür für Menschen. „Er ist empathisch, er findet einen Zugang zu den Spielern durch Kommunikation.“ Die menschliche Komponente zeichnet auch Löw aus. „Und Hansi verfolgt eine klare Spielidee, die geprägt ist von fußballerischer Kultur und von Offensivgeist. Das freut mich ganz besonders“, ergänzte Löw. Fußball spielen statt Fußball kämpfen - das war Löws steter Ansatz in 15 oft erfolgreichen Bundestrainerjahren. Darum begrüßt Löw die Verpflichtung von Flick, die für DFB-Direktor Oliver Bierhoff die „Wunschlösung“ war. „Deutschland soll und muss weiterhin einen technisch guten Fußball spielen - und nicht zu den Wurzeln zurück, die noch vor Jahren über allem anderen standen. Da zählte man allein Kampf und Einsatz zu den deutschen Tugenden. Aber Spielkultur ist Gegenwart und vor allem die Zukunft“, sagte der Fußball-Feingeist Löw: „Genau dafür steht Hansi Flick.“ Bayern Münchens Triple-Coach von 2020 soll die Nationalelf wieder titelfähig machen, vielleicht schon bei der Weltmeisterschaft 2022, spätestens aber bei der Heim-Europameisterschaft 2024. Es geht um die Generation Mitte 1990, die gespickt ist mit Bayern-Profis wie Kimmich, Goretzka oder Gnabry und Sané. „In zwei, drei, vier Jahren wird es mit einem Zugewinn an Erfahrung ähnlich sein wie bei unserer Goldenen Generation mit Lahm, Schweinsteiger, Boateng, Khedira, Özil, Kroos, Neuer, Hummels, Müller“, prophezeit Löw. Die aktuelle EM-Mannschaft werde „in zwei, drei, vier Jahren auf ihren absoluten Höhepunkt zusteuern“, glaubt der scheidende Bundestrainer. Fernziel Heim-EM Als Flick am 25. Mai in der Frankfurter DFB-Zentrale seinen Vertrag bis 2024 unterschrieb, verwies er ebenfalls auf die ersten Wegmarken seiner Amtszeit. „Meine Vorfreude ist riesig, denn ich sehe die Klasse der Spieler, gerade auch der jungen Spieler in Deutschland. So haben wir allen Grund, die kommenden Turniere, zum Beispiel die Heim-EM 2024, mit Optimismus anzugehen“, äußerte Flick. Bierhoff formulierte den Auftrag an den langjährigen Weggefährten: „Wir haben ein großes gemeinsames Ziel: zurück an die Weltspitze.“ Flick wollte diesen Posten, lukrativere Anfragen aus dem Ausland schlug er aus. „Da hat er wirtschaftlich andere Möglichkeiten gehabt“, bemerkte Bierhoff. Dem Manager war es wiederum wichtig, „diese Personalie vor der Europameisterschaft klarzumachen“. Debüt in Liechtenstein Löw, Bierhoff und die 26 Spieler können so ohne Nachfolgedebatte ihren Job erledigen. Und Flick kann einfach mal im Stadion vorbeischauen. Und beobachten, welche Spieler sich empfehlen für den Neuanfang unter ihm. Aber zu Personalien wie Thomas Müller, Mats Hummels, Spielsystemen und Zielen als Jogi-Löw-Nachfolger will sich der künftige Bundes-Hansi aus Bammental erst „im August detailliert melden“. Und richtig los geht’s dann für ihn Anfang September mit drei WM-Qualifikationsspielen. dpa

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  • Sport Phänomen Ronaldo – erst unsichtbar, dann eiskalt

    Cristiano Ronaldo lief nach dem Schlusspfiff seines furiosen EM-Rekordtages zu Peter Gulacsi und klatschte ihn voller Respekt ab. In der mit 55 662 Zuschauern voll besetzten Puskas Arena mit einer Gänsehautatmosphäre wie in Vor-Corona-Zeiten hat der fünfmalige Weltfußballer beim 3:0 (0:0) von Titelverteidiger Portugal gegen Ungarn gleich zwei Rekorde gefeiert. Mit einem späten Doppelpack sorgte Ronaldo zudem für einen standesgemäßen Ehrentag (87. Minute, Foulelfmeter/90.+2). Zuvor hatte der Dortmunder Raphaël Guerreiro den Weg geebnet (84.). Die Portugiesen nahmen Schwung für das Hammerspiel am Samstag (18 Uhr) in München gegen Deutschland. „Das Wichtigste war, dass wir gewonnen haben. Es war ein schwieriges Spiel gegen einen Gegner, der stark verteidigt hat, aber wir haben drei Tore erzielt“, sagte Ronaldo. „Ich bin der Mannschaft sehr dankbar, dass ich zwei davon geschossen habe.“ {element} Bis zum Jubel benötigten Ronaldo & Co. einen langen Anlauf, auch weil der 36-Jährige selbst eine Großchance aus fünf Metern über das Tor ballerte (43.). Doch später kürte er sich mit nun insgesamt elf EM-Treffern zum alleinigen Rekordtorschützen vor dem Franzosen Michel Platini (9 Tore). Zudem ist er seit Dienstag auch Rekordteilnehmer. Der fünfmalige Weltfußballer ist der einzige Spieler, der bei fünf Europameisterschaften zum Einsatz kam. Portugals Sportzeitung „A Bola“ schwärmte schon vom „historischen Ronaldo“. „Es war wichtig, gut zu starten, um Selbstvertrauen zu bekommen. Jetzt heißt es: weitermachen“, sagte der Superstar. Pfiffe von Ungarns Publikum gab es nach dem Schlusspfiff trotzdem. Kritik am Fan-Auflauf {furtherread} In einer phasenweise hitzigen Partie erwiesen sich die mit vier Bundesliga-Profis aufgelaufenen Magyaren in der Defensive lange als unüberwindbar. Herausragend dabei: Leipzigs Torhüter Gulacsi. Ein Abseitstor von Szabolcs Schön zählte zum Ärger der frenetisch feiernden Ungarn-Fans nicht (80.). „Mit ein bisschen Glück hätten wir ein Tor erzielen können. Das wäre eine tolle Sache gewesen. Wir werden es am Samstag wieder versuchen“, sagte Gulacsi. Im Stadion herrschte Party-Stimmung. Die 55 662 Zuschauer in der Arena, das eigentlich mit 61 000 bei der Endrunde voll ausgelastet ist, empfand der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß allerdings als „ein schlechtes Signal. Man kann nur hoffen, dass nix passiert“, sagte er bei MagentaTV. Am Nachmittag hatten sich tausende Fans auf den Weg vom Budapester Heldenplatz zum Stadion gemacht, das den Namen der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas trägt. Dicht gedrängte Fans hielten in Zeiten der Corona-Pandemie aber kaum Abstand voneinander. Ein Mund-Nasen-Schutz wurde Augenzeugen zufolge auch nur vereinzelt getragen. „Diese Bilder zeigen genau das, was die EM vermeiden sollte. Während halb Europa und 95 Prozent der ärmeren Welt noch nicht geimpft sind, verhält man sich so, als ob die Pandemie vorüber wäre“, kritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. dpa

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  • Sport „Geht nicht um meine Gefühle“

    ZDF-Reporterin Claudia Neumann ist seit Jahren immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Sie selbst liest das alles nicht mehr, sagt sie. Am Donnerstag (18 Uhr/ZDF und Magenta TV) kommt eine ganz besondere Aufgabe auf die 57-Jährige zu, denn sie kommentiert bei Dänemark gegen Belgien das erste Spiel der Dänen nach dem Kollaps von Christian Eriksen. Im Interview erzählt Neumann, wie sie sich auf den besonderen Fußball-Tag vorbereitet, wie sie die schockierenden Bilder aus Kopenhagen am vergangenen Samstag aufgenommen hat und warum sie mit Kritikern auch gerne in den offenen Austausch tritt. Frau Neumann, Fußballer sprechen gerne vom „größten Spiel ihres Lebens“. Sie kommentieren am Donnerstag die EM-Partie Dänemark gegen Belgien – unter ganz besonderen Vorzeichen. Ist es für Sie das bisher größte und speziellste Spiel Ihrer Laufbahn? Claudia Neumann: Es ist definitiv ein sehr besonderes Spiel, auf jeden Fall. Es wird eine spezielle Herausforderung auf uns warten, ein Spiel der Gesten und Symbole, da kann auch ein bisschen Gänsehaut bis auf die Reportertribüne rüberwachsen. Zumal ich sehr empfänglich für solche emotionalen Dinge bin. Sie haben direkt nach dem Vorfall am Samstag das Folgespiel Belgien gegen Russland kommentiert. Wie haben Sie die dramatischen Szenen um Dänemarks Christian Eriksen mitbekommen? Neumann: Wir haben auf den Reporterplätzen oben die UEFA-Monitore, auf denen wir alle Spiele verfolgen können, die Eriksen-Szene hat uns natürlich restlos schockiert. Es war klar, dass das auch unser Spiel betreffen wird. Wir haben zunächst alle Kollegen und Kolleginnen in Mainz in Ruhe gelassen, wohlwissend, dass man jetzt erstmal alles rational sortieren muss. Die Idee, dass wir später erst im Infokanal beginnen, bevor wir nach Beendigung des Dänemark-Spiels im Hauptprogramm auf Sendung gehen, war aus meiner Sicht die richtige Entscheidung. Die Prozesse verliefen so zügig nacheinander, dass ich mir erst während des Kommentierens Gedanken gemacht habe, was ich eigentlich später wiederholen müsste, wenn wir den Kanal wechseln. Nun erwartet Sie am Donnerstag der knifflige Spagat zwischen Menschlichkeit und Fußball-Business. Haben Sie Angst? Neumann: Nein. Angst ist das falsche Wort, aber Respekt. Ich habe gestern ein bisschen reingeschaut, was die Kollegen der ARD im Nachgang gemacht haben, dabei habe ich Almuth Schult gehört, die erzählt hat, dass sie sich mehrere Male beim Weinen erwischt hat. Ariane Hingst, meine Co-Kommentatorin, hat am Samstag gleich gesagt: Die können nicht weiterspielen. Der Kopf von Profisportlern stehe in solchen Situationen kurz vor der Explosion. Das seien so extrem anspruchsvolle psychologische Faktoren. Aspekte, die wir Journalisten so genau kaum nachempfinden können. Aber es fühlte sich für mich schlüssig an in dem Moment. Ich werde am Donnerstag aufpassen müssen, mich selbst nicht zu sehr der emotionalen Schiene hinzugeben. Es geht schließlich nicht um meine Gefühle, sondern um die der Beteiligten. Was ist für eine TV-Kommentatorin die große Herausforderung bei diesem Spiel? Neumann: Eine vernünftige Mischung zu finden. Man muss das Spiel auch seriös rüberbringen, wenn der Ball rollt. Man darf nicht alles unterdrücken. Glücklicherweise geht es Christian Eriksen offenbar ganz gut, angesichts der ernsthaften Situation. Sie standen bei der WM 2018 extrem im Fokus, wurden harsch und unsachlich kritisiert, teilweise beleidigt. Was hat das mit Ihnen gemacht? Neumann: Nichts Besonderes, wenn ich ehrlich bin. Ich habe das eingeordnet im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Viele Leute sagen: Natürlich macht das was mit einem, aber ich könnte es nicht konkret benennen. Für mich ist es eine Geschichte von gestern. Ich lasse das nicht an mich heran, jedenfalls nicht persönlich. Gab es in den vergangenen Jahren weitere Angriffe? Neumann: Ich lese nach wie vor nichts, nur wenn mich jemand darauf anspricht, bekomme ich Kenntnis. Der Reflex, nach Spielen ins Netz zu schauen, ist mir wirklich fremd. War er immer schon, heute sogar in 100-prozentiger Konsequenz. Lesen Sie überhaupt noch in sozialen Netzwerken? Neumann: Soziale Netzwerke interessieren mich dann, wenn ich irgendwo etwas recherchiere. Aber nicht in dem Sinne, dass ich mir von einem kleinen Teil erzählen lasse, wie ich mich zu verhalten habe. Welche Form von Kritik oder Feedback ist für Sie hilfreich? Neumann: Jede, die konstruktiv ist. Das kann von Fachleuten kommen, von TV-Kennern oder Fußball-Experten, aber auch von ganz normalen Zuschauern. Ich bekomme auch gelegentlich eine E-Mail mit positiven aber auch mit kritischen Anmerkungen. Wenn die vernünftig formuliert sind, sind die Leute in der Regel überrascht, dass ich tatsächlich zurückschreibe. dpa

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