Fußball - Deutscher Nationalspieler findet klare Worte für die Militär-Saluten bei der türkischen Mannschaft Suat Serdar distanziert sich

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dpa
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Gelsenkirchen/Sofia. Fußball-Nationalspieler Suat Serdar hat sich nach den Diskussionen über die Militär-Salute von türkischen Nationalspielern klar positioniert. „Wir sind alle gegen Krieg. Auch Ozan“, sagte der Mittelfeldspieler mit türkischen Wurzeln mit Blick auf seinen für die Türkei spielenden Schalker Teamkollegen Ozan Kabak am Mittwoch in Gelsenkirchen.

Suat Serdar debütierte gegen Argentinien und in Estland in der deutschen A-Nationalmannschaft. © dpa
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Der in Bingen geborene Serdar hatte in der Vorwoche sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft gegeben. Kabak hatte bei den Spielen der Türkei in der EM-Qualifikation gegen Albanien und in Frankreich auf der Bank gesessen, sich nach dem Heimspiel aber dem Salut der Kollegen angeschlossen. Der FC Schalke 04 hatte daraufhin erklärt, man werde „intern mit Kabak sprechen“ und sich von den Gesten distanziert.

Festnahmen in Bulgarien

Seine Entscheidung für das DFB-Team, deren Umstände der türkische Nationaltrainer Senol Günes kritisiert hatte, verteidigte der 22-jährige Serdar derweil. „Ich wollte niemanden verärgern oder vor den Kopf stoßen“, sagte Serdar: „Aber ich habe seit der U16 immer für Deutschland gespielt. Als Jogi angerufen hat, habe ich mich dann kurz mit meiner Familie besprochen und entschieden, hinzufahren.“ Mit dem türkischen Verband habe es lediglich „losen Kontakt“ gegeben. Günes hatte kritisiert, Serdar habe den Verband im Unklaren gelassen. „Ich war bei seinem Vater und bei Schalke-Spielen, nur für Suat“, hatte Günes erklärt und versichert: „Es wurde gesagt, dass Serdar nicht für die deutsche Nationalmannschaft auflaufen werde.“

Damit, dass der frühere Mainzer in der Vorwoche sowohl beim 2:2 im Testspiel gegen Argentinien als auch beim 3:0 in Estland eingewechselt wurde, hatte Serdar nach eigener Auskunft „nicht gerechnet“. Auf die Frage, ob er glaube, wieder eingeladen zu werden, antwortete er: „Erstmal mache ich mir keine Hoffnungen, sondern konzentriere mich auf Schalke.“

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In Bulgarien sind unterdessen nach den Rassismus-Vorfällen beim EM-Qualifikationsspiel gegen England vier Fußballfans festgenommen worden. Die Männer werden verdächtigt, an den Entgleisungen im Stadion beteiligt gewesen zu sein. Das teilte die bulgarische Polizei zum Auftakt einer Aktion zur Feststellung der Verantwortlichen für die Rassismus-Vorfälle vom Montagabend im Wassil-Lewski-Stadion in Sofia mit. Die Aktion sollte am Mittwoch weiter gehen.

Korruptionsverdacht

Bei der Partie in Sofia waren die englischen Nationalspieler Raheem Sterling und Tyrone Mings mit Affenlauten von der Tribüne attackiert worden. Zudem zeigten einige Zuschauer den Hitlergruß. Wegen der Ereignisse trat der Präsident des bulgarischen Fußballverbandes, Borisslaw Michailow, am Dienstag nach Aufforderung des bulgarischen Regierungschefs Boiko Borissow zurück. In der Verbandszentrale in Bojana bei Sofia begann kurz darauf eine polizeiliche Überprüfung wegen Korruptionsverdachts.