Fußball - Viele Probleme beim Aufstiegsanwärter VfB Stuttgarter Baustellen im Endspurt

Von 
dpa
Lesedauer: 

Stuttgart. Die Probleme des VfB Stuttgart lassen sich nicht allein am Schiedsrichter festmachen, das ist auch Sven Mislintat klar. Der Sportdirektor legte bei seinem verbalen Rundumschlag nach dem Last-Minute-Elfmeter beim SV Wehen Wiesbaden auch durchaus Wert auf diese Tatsache. Aber da der 47-Jährige in Bezug auf die Strafstoß-Entscheidung von Referee Sascha Stegemann nicht nur einmal, sondern mehrfach das Wort „Skandal“ aussprach, ging die vergleichsweise sachliche Kritik an den sportlichen Makeln des Fußball-Zweitligisten unter. Das 1:2 beim Abstiegskandidaten zeigte einmal mehr, dass den VfB grundsätzliche Probleme plagen.

Sportdirektor Sven Mislintat stellte den VfB-Kader zusammen. © dpa

Kaderplanung

AdUnit urban-intext1

Nachdem Mislintat vor gut einem Jahr seinen Job als oberster Kaderplaner angetreten hatte, verpflichtete er fast 20 neue Spieler. Nach dem erneuten Ausrutscher gegen einen Außenseiter dürfte sich aber auch der Sportdirektor die Frage stellen, ob dieser Kader richtig zusammengestellt wurde. Im Angriff etwa fehlt den Schwaben schon die ganze Saison ein treffsicherer Stürmer, dennoch verzichtete der Club in der Winterpause auf eine Nachverpflichtung. Aber das ist nur eine Baustelle. Erstaunlich offen gab Mislintat nach der Pleite in Hessen ein mutmaßlich viel größeres Problem zu.

Fehlende Typen

Individuelle Qualität gibt es im üppigen VfB-Kader zuhauf. Außerdem legte Mislintat bei der Kaderzusammenstellung unter anderem Wert auf hochveranlagte Talente wie etwa Silas, Clinton Mola, Tanguy Coulibaly oder Mateo Klimowicz. Aber die Mannschaft ist zu leise. „Jetzt kann man darüber nachdenken, ob wir diese extrovertierten Typen haben, die das alle komplett leben oder nicht, wenn wir unsere Führungsspieler angucken“, sagte Mislintat.

Durchgehend zu hören waren in Wiesbaden zumeist nur Torhüter Gregor Kobel oder Kapitän Marc Oliver Kempf. Selbst Mislintat auf der Tribüne war lauter als viele VfB-Profis, was angesichts der Geisterkulisse im Stadion deutlich wurde. „Wenn ich sehe, dass Silas viermal, mindestens zwei- bis dreimal gelbwürdig gefoult wird, und der Einzige, dem die Hutschnur platzt, der Sportdirektor auf der Tribüne ist, dann muss ich von meinen Jungs auf dem Platz erwarten, dass sie sich da selbst besser unterstützen. Das ist das, was wir lernen müssen“, forderte er.

Unkonzentriertheiten

AdUnit urban-intext2

Das ist aber auch nicht der Grund dafür, dass dem 34-jährigen Mario Gomez und seinen Kollegen die Chancenverwertung erhebliche Probleme bereitet. In Wiesbaden vergab der Ex-Nationalstürmer schon nach wenigen Minuten eine Großchance. Mit nur sieben Treffern ist Nicolas Gonzalez bester VfB-Torschütze in dieser Saison.