Fußball-Gruppenliga - Eintracht Bürstadt wünscht sich Rundenabbruch / Trainer Sigmund mit emotionalem Appell an Amateurfußballer „Nicht wegen ein paar Kröten kicken“

Von 
Claudio Palmieri
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Benjamin Sigmund (r.) zeigt sich offen für eine Vertragsverlängerung bei Eintracht Bürstadt. © Berno Nix

Bürstadt. An eine Fortsetzung der Saison glaubt Marcus Haßlöcher nicht mehr. „Es ist ja noch nicht einmal ein Ende des Lockdowns abzusehen“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter der DJK Eintracht Bürstadt. Benjamin Sigmund, der Spielertrainer des Bürstädter Gruppenliga-Teams, fasst sich zunächst kurz: „Nein.“ Dann schiebt er nach: „Wenn es schon im normalen Leben dramatische Beschränkungen gibt, brauchen wir nicht über ein Hobby zu reden. Ganz ehrlich: Im Moment denke ich gar nicht an Fußball.“

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Wenn Sigmund den Fußball als „Hobby“ bezeichnet, meint er das keinesfalls abwertend. Der 41-jährige Immobilienvermittler weiß, wie viel an diesem Hobby hängt. „Es gibt Vereine, die gerade an der Existenzgrenze stehen“, betont der Trainer. Forderungen nach strukturellen Veränderungen bei der Eintracht, wie sie Sigmund noch Anfang 2020 stellte, stehen zurzeit ganz hinten an. „Die Fixkosten laufen weiter. Man kann froh sein, wenn es einen Verein überhaupt noch gibt“, erklärt Sigmund. In diesem Jahr geht sein Appell daher an die gesamte Amateurfußballszene: „Jetzt ist es auch Charaktersache, nicht nur wegen ein paar Kröten zu kicken, sondern aus Spaß, für den Sport.“

Dass der Sport seit Ende Oktober zu kurz kommt, bereitet Sigmund Sorgen. „Wir müssen hoffen, dass die Spieler nach der Ruhephase so aktiv bleiben wollen wie früher“, grübelt er. Doch auch hier vertritt er eine klare Meinung: „Ich habe meinen Jungs mitgegeben, dass jeder für sich verantwortlich ist. Ich kontrolliere das nicht. Ich halte mich fit und gehe laufen, weil ich meinem Körper etwas Gutes tun will.“

Regelmäßigen Kontakt zu seinen Spielern pflegt Sigmund nicht. Ein Symptom des monatelangen Wartezustands? „Der zweite Lockdown ist wesentlich schwieriger als der erste“, findet Haßlöcher: „Man weiß gar nicht, worauf man sich vorbereitet.“ Auch der 46-jährige Sportchef der Eintracht denkt gerade mehr an das, was hinter den Kulissen passiert: „Wieder sind Einnahmen aus Wirtschaftsbetrieb und Weihnachtsfeier weggefallen. Ein Kompliment geht an unseren Vorstand, der uns bis jetzt gut durch die schwierige Zeit bugsiert, sich umschaut, wo wir Hilfen bekommen und sich mit den Ämtern rumärgert.“

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Kommen Haßlöcher und Sigmund auf Sportliches zu sprechen, geht es vor allem um den Sinn hinter den Plänen des Hessischen Fußball-Verbands, die Runde bis 13. Juni so weit wie möglich auszuspielen. „Wir könnten maximal die Hinrunde unterbringen“, schätzt Haßlöcher: „Aber die Runde nach einer Halbserie bewerten und so Auf- und Absteiger ermitteln? Da wird es Mannschaften geben, die sich zu Recht benachteiligt fühlen. Mein Wunsch ist, dass die Runde abgebrochen wird. Dann haben wir genug Zeit, uns auf die neue Saison vorzubereiten.“ Auch Sigmund ist kein Freund davon, die Vereine ohne Planungssicherheit zu lassen: „Warum muss man immer neue Szenarien entwerfen, die man dann vielleicht wieder verwerfen muss? Es gibt auch Wechselstatuten.“ Seine Lösung lautet: „Annullieren.“

Durchwachsene Bilanz

Die Zeit für eine Zwischenbilanz nehmen sich beide dennoch. „Wir haben unsere Tendenz aus der Vorsaison nicht mitgenommen und sind in alte Muster gefallen. Wir haben viele Gegentore kassiert und viele Chancen liegengelassen“, moniert Haßlöcher: „Andererseits stehen wir über dem Strich. Wir sind zufrieden, weil wir kurzfristige Abgänge hatten und auch Verletzungen wie die von Niclas Herzberger, Alex Lehmann und Riccardo Presti.“ Sigmund bewertet Platz 13 nach neun Partien ähnlich: „Nicht jedes schlechte Spiel hatte mit fehlenden Spielern zu tun. In Summe haben wir aber das Beste rausgehauen.“

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Die Gespräche für die neue Runde will Haßlöcher „demnächst“ angehen. Sein erster Ansprechpartner: Benjamin Sigmund. Die Ende 2015 in der A-Liga begonnene Zusammenarbeit soll in die Fortsetzung gehen. „Solange ich sehe, dass die Mannschaft auf den Trainer eingeht, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern“, betont Haßlöcher.

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Und der Coach? Zeigt sich offen. „Klar fragt man sich, ob man die Lust verliert, wenn es mit Corona immer wieder so kommt“, meint Sigmund: „Wenn es aber irgendwann normal weitergeht, mache ich meinen Job so, wie ich ihn 2015 begonnen habe.“

Freier Autor Geboren 1987 in Viernheim. Aufgewachsen in Bürstadt. Lebt in Mainz. Seit 2009 freier Mitarbeiter in den Redaktionen Sport, Lokales (Bürstadt/Biblis/Lampertheim), Online, Kultur. Spezialgebiete im Sport: Eintracht Frankfurt, SV Waldhof, Fußball, American Football, Tischtennis, Judo, Basketball (Albert-Schweitzer-Turnier). Online: Social Media und der DEL-Liveticker. Weitere Autorentätigkeiten unter anderem für das ZDF und 11 FREUNDE.