Fußball - Der gebürtige Mannheimer Tony Mamodaly hofft nach dem Erfolg Madagaskars beim Afrika Cup auf eine Initialzündung „Mit Straßenkicker-Mentalität“

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Andi Nowey und Andi Nowey
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MANNHEIM. Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird mit dem Begriff „Sommermärchen“ fast inflationär umgegangen. Ein Zwergenaufstand bei der jüngsten Auflage des Afrika Cups wurde diesem Terminus aber gerecht: Die Nationalelf Madagaskars, die sich zuvor noch nie für ein großes Turnier qualifiziert hatte, stürmte beim kontinentalen Wettbewerb ins Viertelfinale und hatte davor unter anderem Nigeria mit 2:0 besiegt.

Tony Mamodaly verfolgte im Juli den Afrika Cup. © Mamodaly
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„Madagaskar war von der Spielanlage her eine der besten Mannschaften. Man sieht, dass die Jungs auf Sandplätzen groß geworden sind und entsprechende Straßenkicker-Mentalität auf den Platz bringen“, sagt Tony Mamodaly. Der 29-jährige gebürtige Mannheimer ist Sohn eines Madagassen, hat selbst acht Länderspiele für die Elf des Inselstaates absolviert und nun sein Ex-Team beim Afrika Cup besucht.

„Die meisten Spieler stehen seit acht, neun Jahren zusammen auf dem Feld“, nennt Mamodaly einen Grund für den Erfolg. „Ich hoffe, dass das jetzt ein Feuer entfacht hat in Madagaskar, wo bislang ein geregelter Ligabetrieb kaum möglich war.“

Zusammen mit seinem Vater war Mamodaly zum Turnier gereist und musste sich zunächst mit logistischen Problemen auseinandersetzen. Aus Angst vor Terroranschlägen konnten die Eintrittskarten nur online erworben werden, die hinterlegten eingescannten Ausweise wurden einem Verifizierungsprogramm unterzogen. Mamodaly kam mit seiner Karte durch, sein Vater hatte keinen Ausweis zur Verifizierung hinterlegt und durfte die erste weitläufige Barriere rund um die Stadien nicht passieren. „Das dürfte auch der Grund sein, warum drei Viertel der Ränge bei den Spielen ohne ägyptische Beteiligung leer geblieben sind“, führt der 29-Jährige die schwache Auslastung auf fehlende Technologien bei den afrikanischen Fans zurück. Mamodaly wandte sich an die madagassische Delegation, mit der er mit seinem Vater ins Stadion gelangte.

Zwei Standbeine

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Sein Besuch beim Afrika Cup blieb nicht auf die Zuschauerrolle beschränkt. Mit seinem vor kurzem gegründeten Agenturnetzwerk ICOS (International Connection of Sport) sowie weiteren Branchengrößen betreut er auch Spieler seines Heimatlands. Gemeinsam arbeitete man an einem Transfer Richtung Europa. Bei zwei Spielern waren die Verhandlungen bereits sehr weit, sie in die Bundesliga zu vermitteln.

Noch vor Beginn des Afrika Cups hatte Mamodaly allerdings über sein Haupt-Standbein, die Agentur „Mind Game Sport“, für vier von ihm betreute Spieler ein ganz besonderes Erlebnis arrangiert. „Wir haben zu Beginn des Jahres eine Partnerschaft mit dem Trainingszentrum Fusion5 Performance aus Essen geschlossen, das Spitzenspieler wie Leroy Sane, Firmino oder Marc-Andre ter Stegen im athletischen und rehabilitativen Bereich betreut“, schildert Mamodaly. Im Rahmen eines Sommercamps, das Fusion5 erstmals auf Ibiza organisierte, hatten die vier die Möglichkeit, sich gemeinsam mit namhaften Bundesliga-Spielern wie Mario Götze oder Dennis Aogo auf die bevorstehende Saison vorzubereiten. „Für die Spieler ist das eine Riesensache“, sagt Mamodaly.

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In der Zwischenzeit ist das Portfolio seiner Agentur gewachsen. Dabei hat er seinen eigenen Weg als Ziel für nachrückende Nachwuchsspieler definiert. Mamodaly, dessen eigene Fußball-Laufbahn sich immer tiefer in eine Sackgasse hinein bewegte, brach die Zelte in Europa ab und entschied sich für die Verknüpfung von Fußball und Studium im amerikanischen College-System.

Vom Waldhof ans College

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Matthias Kuhn, Aron Denk-Gracia, Marcel Kaspar und Samuel Reisgys aus Waldhofs Jugendabteilung sind dem Ruf Mamodalys gefolgt und probieren sich am Mercy College in New York (Denk-Gracia & Kuhn), an der University of Charleston (Kaspar) oder am New Jersey Institute of Technology (Reisgys).

Das Ziel neben einem wertvollen Studium ist weiterhin, den Sprung vom College- in den Profifußball zu schaffen. Zuletzt gelang es Christopher Hellmann (Vancouver Whitecaps) und Julian Büscher (Washington DC United), in die MLS gedraftet zu werden. Büscher saß bei Los Angeles Galaxy in der Kabine gar drei Plätze entfernt von Zlatan Ibrahimovic und füllte ein Credo von Mamodaly mit Leben: „Bei uns in Deutschland folgt ein Schritt auf den nächsten. Die Amerikaner geben dir mit auf den Weg zu träumen. Spannend wird es, wenn man diese beiden Welten übereinanderlegt.“

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Freie Autorenschaft Schwerpunkte: Mannheimer Kreisfußball, Kreisklassen A und B, Kreispokal, Waldhof-Legenden