Fußball - Heimserie des FC Liverpool reißt nach 0:1 gegen Abstiegskandidaten Burnley nach vier Jahren / „Schlag ins Gesicht“ Klopp nimmt Schuld auf sich

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Florian Lütticke
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Alle Anweisungen von Liverpools Trainer Jürgen Klopp waren vergebens. © dpa

Liverpool. Vom Meisterkampf wollte Jürgen Klopp nach dem Ende der Super-Serie des FC Liverpool erst mal nichts mehr wissen. Durch die erste Heim-Niederlage seit knapp vier Jahren in der englischen Premier League und dem schwachen Abschluss der Hinrunde gerät nun sogar die Rückkehr in die Champions League in Gefahr. „Du kannst dir vorstellen, dass das Titelrennen derzeit nicht wirklich mein Problem ist. Das wäre sehr lustig, wenn wir jetzt darüber reden. Wir sollten zuerst etwas ändern“, sagte der FIFA-Welttrainer am Donnerstagabend nach dem 0:1 (0:0) gegen Abstiegskandidat FC Burnley. Die Niederlage sei ein „heftiger Schlag ins Gesicht“.

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Bereis zum fünften Mal in Serie blieben die Reds in der Liga ohne Sieg, seit 438 Minuten wartet Liverpool auf ein eigenes Premier-League-Tor. Der Glanz der glorreichen Meistersaison ist weg. „Es ist eine Niederlage, die Schockwellen aussendet – nicht nur weil die zweitlängste Heimserie in der Geschichte der Premier League vorbei ist“, schrieb der „Mirror“. Und: „Es entfernt die Aura der Größe von dem Team.“ Die zuvor letzte Liga-Heimniederlage hatte Liverpool am 23. April 2017 beim 1:2 gegen Crystal Palace kassiert. Danach blieb das Team im eigenen Stadion 68 Mal in der Liga ungeschlagen, feierte in diesem Zeitraum 55 Siege.

Falsche Entscheidungen getroffen

„Das ist ein Tiefpunkt“, sagte Klopp niedergeschlagen und meinte angesichts der vergebenen Chancen: „Es ist absolut nicht möglich, dieses Spiel zu verlieren, aber wir haben es verloren.“ Der Coach verstand die Welt nicht mehr. „In den entscheidenden Momenten haben wir die falschen Entscheidungen getroffen. Wir haben den Ball in guter Position – schießen aber nicht, sondern passen. Wenn müssen härter daran arbeiten, um die richtigen Entscheidungen im Spiel zu treffen.“

Klopp nahm die Schuld auf sich: „Es ist mein Job, dass sie sich gut fühlen, dass sie sich selbstbewusst fühlen. Das ist meine Verantwortung.“ Neben einem Foto, auf dem der Coach nachdenklich zu Boden schaut, titelte der „Daily Telegraph“: „Klopp Elend“.

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In der sechsten Saison bei den Reds rückt nun auch in den Fokus, wie Klopp Krisen meistern kann. „Es ist sein Job, es zu lösen – egal, ob es die Formation oder das Personal ist – aber es gibt so viele Teams, die die Top Vier anvisieren, so dass das eine Sorge für Liverpool sein wird, bis sie ihren aktuellen Lauf beenden“, sagte Club-Legende Jamie Carragher als TV-Experte bei Sky Sports.

In der Tabelle belegt Liverpool mit 34 Punkten nur noch den vierten Platz, Tottenham Hotspur und Stadtrivale FC Everton direkt dahinter haben noch keine 19 Partien absolviert. Der Rückstand auf Spitzenreiter Manchester United beträgt bereits sechs Zähler.

Nur noch Vierter

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Am Wochenende steht das nächste Schlüsselspiel an. In der vierten Runde des englischen FA-Cups muss Liverpool am Sonntag (18 Uhr) zu Man United. „Wir müssen wieder wir selbst werden“, forderte Klopp von seinen Spielern. Vor dem erneuten Rückschlag gegen Burnley hatte Klopp noch selbstbewusst erklärt: „Ob ihr es glaubt oder nicht, wir jagen den Premier-League-Titel immer noch.“ Doch ihm war bereits da anzumerken, dass das Nervenkostüm dünner wurde. „Wir streben danach“ versicherte der 53-Jährige, „und wenn Ihr das nicht seht, kann ich das nicht ändern. Wenn Ihr denkt, wir schießen keine Tore, weil wir es nicht genug wollen, kann ich das nicht ändern.“

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Um am Ende die Meisterschaft zu gewinnen, müsse sein Team „so perfekt wie möglich“ sein, sagte Klopp. „Wir müssen zu 100 Prozent bereit sein, und das versuchen wir auch die ganze Zeit. Ich weiß, dass in diesem Geschäft nur Ergebnisse zählen, dafür bin ich lange genug dabei. Aber bevor man das Ergebnis holt, muss man die Leistung zeigen“, sagte er und verwies auf das 0:0 gegen ManU: „Und die letzte Leistung war richtig gut.“ Daran anknüpfen konnte seine Mannschaft gegen den Abstiegskandidaten jedoch nicht. dpa