Fußball - Mehr als zehn Jahre nach dem Scheitern beim FC Bayern trainiert der Schwabe mit Hertha BSC wieder einen Bundesligisten Klinsmanns neue Chance

Von 
Jens Mende, Thomas Flehmer
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„Es wird kein leichter Weg, aber das wäre ja auch langweilig“, sagt Jürgen Klinsmann über seinen neuen Trainerjob bei Hertha BSC Berlin. © Imago

Berlin. Jürgen Klinsmann sieht sich trotz seines Blitzengagements sofort bereit für seine neue Aufgabe bei Hertha BSC. „Selbst wenn alles über Nacht passiert, bin ich vorbereitet. Mein Stab war auf Abruf“, erklärte der neue Cheftrainer des kriselnden Berliner Fußball-Bundesligisten am Mittwoch bei seiner Vorstellung. „Das Allerwichtigste ist, so schnell wie möglich nach oben zu klettern“, definierte der ehemalige Weltmeister und Bundestrainer das Ziel. Hertha ist in der Bundesliga-Tabelle mit nur elf Punkten auf Platz 15 und damit nah an die gefürchtete Abstiegszone herangerückt.

Völler voller Vorfreude

  • Rudi Völler sieht die Bundesliga-Rückkehr seines früheren Sturmpartners Jürgen Klinsmann ausgesprochen positiv. „Ich freue mich, dass Jürgen wieder da ist“, sagte der Sportchef von Bayer Leverkusen am Mittwoch.
  • „Wir spielen ja noch gegen Hertha. Da werde ich Jürgen auf einen Kaffee einladen, und er wird sicher gerne annehmen“, sagte Völler.
  • Er sei sich sicher, dass Klinsmann die Aufgabe bei dem Hauptstadt-Club mit großem Eifer angehen werde: „Er war ja bisher erst einmal Bundesliga-Trainer. Ich bin sicher, er ist so ehrgeizig, allen beweisen zu wollen, was in ihm steckt.“
  • Völler und Klinsmann bildeten unter anderem beim WM-Titel 1990 das Sturmduo der deutschen Nationalmannschaft. 2004 wurde Klinsmann Völlers Nachfolger als Trainer des DFB-Teams.
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Drei Tage nach der blamablen 0:4-Niederlage beim FC Augsburg beendete Hertha-Manager Michael Preetz das gescheiterte Experiment mit dem Bundesliga-Neuling Ante Covic auf der Trainerbank. „Es ist keine einfache Aufgabe. Aber wenn ich so was übernehme, mache ich das nicht halb, sondern hundertprozentig“, betonte Nachfolger Klinsmann, der schon am Mittwochnachmittag die erste Trainingseinheit leitete: „Es wird kein leichter Weg, aber das wäre ja auch langweilig.“

Für den 55 Jahre alten Klinsmann ist Berlin seine zweite Trainerstation in der Fußball-Bundesliga. Als Cheftrainer von Bayern München 2008/09 war er vor Ablauf der Saison gescheitert. Dennoch sagte der Schwabe jetzt: „Ich bin sehr dankbar für das eine Jahr beim FC Bayern, weil ich unglaublich viel gelernt habe.“ Mit den damals für viel Diskussionen sorgenden Buddha-Statuen auf dem Bayern-Vereinsgelände habe er „nie etwas zu tun gehabt“, betonte Klinsmann in Berlin und fügte scherzhaft an: „Ich habe in meinem Koffer, der nicht so groß ist, keine Mitbringsel dabei, die ich installieren möchte.“

Nach vielen „Anrufen hin und her und einem Anruf zu Hause, ob es in Ordnung wäre“, sagte Klinsmann Hertha zu. Frau Debbie gab ihr Okay. In seiner Rolle als Aufsichtsratsmitglied und Vertrauter des neuen Hertha-Investors Lars Windhorst, der mit 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA übernommen hatte, stand Klinsmann in den vergangenen Wochen schon im intensiven Austausch mit Michael Preetz. „Es brauchte noch einen kleinen Anschubser“, dass Klinsmann nun in der Trainer-Rolle Hertha helfen will, berichtete der Hertha-Manager.

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Mit Klinsmann ziehen eine neue Struktur und ein neues Trainer-Personal ein. Der frühere Hertha-Nationalspieler Arne Friedrich wird Team-Manager, Andreas Köpke, in selber Funktion bei der deutschen Nationalmannschaft im Amt, wird bis zum Jahresende als Torhütertrainer aushelfen. Neue Co-Trainer werden der frühere Bremer Bundesliga-Coach Alexander Nouri und Ex-Profi Markus Feldhoff.

Löw überrascht

Bundestrainer Joachim Löw reagierte mit Überraschung auf die neue Rolle seines früheren Chefs. „Das ist eine Nachricht, die auch ich nicht unbedingt erwartet hatte“, sagte Löw am Mittwoch. „Mich freut, dass ein solcher Hochkaräter zurück in die Bundesliga kehrt und sein Wissen damit auch wieder im deutschen Fußball einbringt.“

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Für den damit verbundenen vorübergehenden Abgang des DFB-Torwarttrainers Köpke zeigte Löw Verständnis. „Dass ihn Andy gerade in der Startphase unterstützt, ist für uns alle selbstverständlich.“ Der Deutsche Fußball-Bund stellt Köpke bis Ende des Jahres für seinen Job bei den Berlinern frei. „Ich habe das Selbstvertrauen zu sagen, das traue ich mir zu. Ich habe große Lust drauf“, sagte Klinsmann zu seiner neuen Aufgabe. dpa

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Von
Alexander Müller
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