Fußball - Wie die Spitzenclubs den lukrativen Europapokal in Corona-Zeiten zu retten versuchen Im Flugzeug zum Heimspiel

Von 
Benjamin Kraus
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Leipzig. Die Corona-Pandemie grassiert in Europa, viele Länder verschärfen Quarantäneregeln und Reisebeschränkungen für Risikogebiete, wo hohe Inzidenzzahlen herrschen oder die gefürchteten Mutanten – all das droht nun die für die nächstenWochen geplante Austragung der K.-o.-Spiele im Fußball-Europapokal in Teilen zu sprengen. Vereine und Verbände aber reagieren kreativ – mit der Verlegung von Spielen in Drittländer.

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Welche Spiele wurden bislang verlegt? Bis dato sind es acht Partien, drei davon in der Champions League, drei in der Europa League, dazu zwei internationale Partien der Frauen, wo das Länderspiel Schottland gegen Portugal nach Zypern wandert sowie ein Champions League-Spiel in Norwegen gleich ganz gestrichen wird. Bei den Männern sind drei deutsche Clubs betroffen, zwei Champions-League-Teilnehmer müssen ihr Heimspiel verlegen: Das Achtelfinal-Hinspiel von RB Leipzig gegen den FC Liverpool amDienstag wird nicht in Sachsen stattfinden, sondern in Budapest. In der Puskas-Arena steigt acht Tage später auch die Partie Borussia Mönchengladbach gegen Manchester City. Für die TSG Hoffenheim ändert sich in der Europa League das Ziel der Auswärtsreise: Die Partie bei Molde FK aus Norwegen findet am 18. Februar nun im spanischen Vilarreal statt.

Was sind die Gründe dafür? Grundsätzliche Einreiseverbote, die auch für Profisportler gelten. Briten dürfen wegen der auf der Insel grassierenden Mutante B.1.1.7. aktuell nicht nach Deutschland einreisen. Und auch nicht nach Spanien und Portugal, weshalb auch Atlético Madrid, Real Sociedad San Sebastián und Benfica Lissabon ihre Europapokal-Heimspiele gegen Teams aus England nach Süd- oder Südosteuropa verlegen.

Hoffenheim nach Spanien

Welche Spiele könnten noch betroffen sein? Eine offene Frage wegen der sich rasch verändernden Gesetzeslagen im Zuge einer dynamischen Pandemieentwicklung. Aktuell gilt etwa auch in England ein Einreiseverbot für Menschen aus Portugal,weil dort sehr hohe Inzidenzzahlen herrschen. Demnach darf der FC Arsenal am 25. Februar Benfica Lissabon nicht zum Europa-League-Rückspiel empfangen. Die Gunners hatten auf ihrer Homepage bereits Piräus/Griechenland als neuen Spielort verkündet, die Meldung dann aber erst mal wieder zurückgezogen.

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Wieso werden die Partien nicht einfach abgesagt oder später ausgetragen, wenn man Corona vielleicht etwas besser im Griff hat? Das liegt am Termindruck im internationalen Spielplan mit der geplanten EM im Sommer. Und dem vielen Geld, dasdie Clubs im Europapokal verdienen können. Der ausrichtende Verband UEFA hat Deadlines festgelegt, bis zu denen die aktuellen Runden gespielt werden müssen, und klargemacht, dass jeder Club für sein Heimspiel verantwortlich ist. Wer es nicht austragen kann, kassiert eine 0:3-Wertung der ausgefallenen Partie gegen sich – was die Chancen auf den finanziell millionenschwer vergüteten Einzug in die nächste Runde krass minimiert.

Wie reagiert die Politik auf diese Entwicklungen? Dagmar Freitag (SPD) als Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags hält das Gebaren der Proficlubs für bedenklich. „Aufgrund der bekannten Mutationen des Virus ist jegliche Ein- und Ausreise in und aus anderen Ländern eine zu viel.“ Der UEFA und den Vereinen gehe es „allein um das Geld“. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil bezeichnet die Spiele als „verzichtbar“. „Es wäre ein stärkeres Signal, wenn dieses Spiel verschoben worden wäre oder gar ausgefallen wären. Der Wettbewerb darf da nicht an erster Stelle stehen“, sagte er. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach äußerte sich ähnlich. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums war weniger kritisch: „Die Ausreise aus Deutschland ist ja nicht verboten. Und bei der Einreise gelten dann Einreise- und Quarantäneregelungen wieder.“ Normalerweise müssen Bürger nach einer Rückkehr aus Risikogebieten für zehn Tage in Quarantäne – hier genießt der Profisport aber Ausnahmen. Sie werden damit begründet, dass seine Akteure mehrmals wöchentlich Testreihen durchlaufen.

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Welche weiteren internationalen Partien laufen noch? Die Club-WM in Katar ist gerade vorbei. Dafür geht es am Montag für den FC Bayern gegen Bielefeld in der Bundesliga weiter. Bayern-Vorstandschef Karl-HeinzRummenigge hatte jüngst die Idee, die Fußballprofis früher gegen Corona zu impfen, weil diese eine Vorbildrolle für die Gesellschaft einnehmen würden.