Fußball - Kölns Trainer entgeht Rauswurf mit 0:0 gegen Hertha – seine Zukunft könnte sich gegen Schalke und Hoffenheim entscheiden Gisdol rettet sich in Duelle mit Ex-Clubs

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dpa
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Köln. Nur mit Nullnummern wird Markus Gisdol seinen Job auf Dauer nicht retten können. Das 0:0 gegen Hertha BSC verschaffte dem Trainer des 1. FC Köln zwar eine kleine Verschnaufpause. Der „Schritt in die richtige Richtung“, als den Gisdol es verkaufte, war aber bestenfalls ein klitzekleiner. So darf Gisdol die beiden Reisen in seine Vergangenheit zwar bestimmt noch mit dem FC antreten. Sollte er in dieser Woche in den Duellen mit seinen Ex-Clubs auf Schalke und in Hoffenheim aber nicht punkten, dürften es seine letzten Spiele als FC-Coach sein.

Zwei Trainer unter Druck: Kölns Markus Gisdol (l.) und Hertha-Coach Bruno Labbadia vor dem Anpfiff in Müngersdorf. © dpa
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„Wir dürfen uns nicht verrückt machen“, sagte der 50-Jährige, der von Sportchef Horst Heldt im Vorfeld nur eine Job-Garantie für das Hertha-Spiel bekommen hatte. Es sei nach dem 0:5 in Freiburg „das Wichtigste gewesen, dass die Null steht“, betonte der 51-Jährige. Insofern hat sein Team das Mindestziel erreicht. Doch letztlich war es ein glücklicher Heim-Punkt in einem trostlosen Spiel gegen einen ebenfalls verunsicherten Gegner. Ein Befreiungsschlag sieht anders aus. Zumal der FC jede Kreativität vermissen ließ und keine Spielidee für die Offensive zu erkennen war.

Reaktionen auf Cunhas Ruf

Markus Gisdol hatte offenbar genau verstanden, was Matheus Cunha in Richtung der Kölner Bank gerufen hatte. Doch der Trainer des 1. FC Köln wollte „nicht den Polizisten spielen“. Sprich: Keine Strafe für den Brasilianer von Hertha BSC fordern. „Wir sind alle keine Lämmer auf dem Sportplatz“, betonte Gisdol.

Was der wütende Cunha genau gerufen hatte, sprach nach der Partie keiner aus – ein „F-Wort“ soll gefallen sein. Es sei momentan eben „ein sensibles Thema“, sagte Gisdol nach dem 0:0. „In der heutigen Zeit hört man jedes Wort. Wenn der Schiedsrichter es hört, kannst du auch mal heftig bestraft werden. Aber ich fordere keine Strafen.“ Gisdols Kollege Bruno Labbadia bemühte sich, die Angelegenheit einzuordnen. „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Wenn wir alles auf die Goldwaage legen, was Spieler und Trainer zwischendurch miteinander haben, machen wir das Spiel kaputt“, sagte er.

Alarmierende Zahlen

Und die Zahlen sind alarmierend: 14 Heimspiele ohne Sieg sind nur noch eins weniger, als es einst Tasmania Berlin erdulden musste. Und auch der Bundesliga-Rekord der Hertha und von Greuther Fürth (je 17) ist nicht mehr weit. Hinzu kommen mehr als fünf Spiele oder 485 Minuten ohne Tor. Im Jahr 2021 gelang dem FC noch gar kein Treffer. Deshalb steht Gisdol weiter kräftig unter Druck, wenn es am Mittwoch zunächst nach Schalke geht, eines von nur zwei noch hinter dem FC stehenden Teams. Und vier Tage später zur TSG Hoffenheim, die mit vier Punkten Vorsprung auf die Kölner noch in Schlagdistanz liegt.

Bei beiden hat Gisdol eine Vergangenheit. Auf Schalke war er von 2011 bis 2012 Assistent von Ralf Rangnick und Huub Stevens, ehe ihn nach der Trennung von Stevens ausgerechnet der damalige Schalke-Manager Heldt feuerte, statt ihn zum Chef zu befördern. In Hoffenheim war er von 2009 bis 2011 zunächst Coach der 2. Mannschaft und von 2013 bis 2015 dann des Bundesliga-Teams, das er 2013 in der Relegation vor dem Abstieg bewahrte. Mit diesem Szenario wären in Köln alle in dieser Saison schon zufrieden.

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Gisdol bemühte sich, den Druck vor den beiden Partien möglichst kleinzuhalten. „Da wird mir zu viel reininterpretiert“, sagte er: „Nach diesen Spielen wird keine Entscheidung gefallen sein. Und auch keine Vorentscheidung. Deshalb sollten wir nicht zu viel Gewicht in die einzelnen Spiele reinlegen.“ Für seine persönliche Situation werden sie aber sehr wichtig sein.

Der Kollege, den der FC im November 2019 noch vor Gisdol holen wollte, steht derweil nicht viel besser da. Denn auch für die Hertha war das 0:0 kein Durchbruch. Und so steht auch Bruno Labbadia weiter unter Druck. dpa