Fußball - Niklas Süle muss um seine Zukunft beim FC Bayern bangen / 1:2 bei Jugendverein Eintracht Frustriert in der alten Heimat

Von
Alexander Müller
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Frankfurt. Als wäre der Tag in seiner hessischen Heimat für ihn nicht schon frustrierend genug verlaufen, bekam Niklas Süle am Abend weitere schlechtere Nachrichten übermittelt. Nach der 1:2 (0:2)-Niederlage seines Teams bei Eintracht Frankfurt war Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge als Gast ins ZDF-Sportstudio eingeladen. Dabei vermied der 65-Jährige ein Bekenntnis, ob der Rekordmeister langfristig mit seinem einst als Abwehrchef der Zukunft aus Hoffenheim verpflichteten Süle plant. „Wenn wir eine Lösung finden, sind wir grundsätzlich gern bereit, den Vertrag zu verlängern, aber das wird nur zu gewissen Konditionen möglich sein“, sagte Rummenigge. Süles Kontrakt bei den Bayern läuft 2022 aus. „Es werden jetzt Gespräche geführt, dann werden wir sehen, zu welchem Ergebnis die führen“, erklärte Rummenigge.

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Intakte Wertschätzung hört sich anders an. Unter der Woche war der 25-Jährige schon im Fachblatt „Kicker“ angezählt worden. „Im Verein werden bei ihm eine zu lasche, lässige Einstellung und der Hang zur Bequemlichkeit diagnostiziert“, hieß es dort. Im Spitzenspiel Frankfurt bei seinem Jugendverein Eintracht stellte Bayern-Trainer Hansi Flick Süle dann aus der Not als rechten Außenverteidiger auf. Eine unangenehme Versetzung, vor allem wenn der direkte Gegenspieler Filip Kostic heißt.

Ein bitterer Nachmittag: Niklas Süle verlässt den Frankfurter Rasen. © dpa

Im englischen Sprachraum nennt man so etwas ein „Mismatch“ – der „hünenhafteste Rechtsverteidiger, seit diese Position im Weltfußball erfunden wurde“ („Süddeutsche Zeitung“), wirkte vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw mit seinen Defensivaufgaben überfordert. Das 1:0 durch Daichi Kamada (12.) wurde von Kostic über Süles Seite eingeleitet, beim zweiten Eintracht-Treffer durch Amin Younes (31.) griff der Nationalspieler nicht konsequent genug ein. „Es muss von Beginn an Aggressivität auf dem Platz sein“, kritisierte Bayern-Kapitän Manuel Neuer, nachdem die Münchner durch Robert Lewandowski (53.) in einer dominanten zweiten Halbzeit nur noch zum Anschlusstreffer gekommen waren.

Trainer Hansi Flick warb um Verständnis, dass seine arg strapazierten Club-WM-Sieger das Titelrennen mit dem 3:3 gegen Abstiegskandidat Bielefeld und der letztlich verdienten Niederlage in Frankfurt unfreiwillig wieder spannender gemacht haben. „Wir haben turbulente Tage hinter uns, das darf man nicht vergessen. Wir sind auch nur Menschen“, sagte der Heidelberger.

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Flick musste sich aber auch ankreiden lassen, das Top-Spiel ein wenig vercoacht zu haben. Der zur Pause ausgewechselte Marc Roca wirkte im defensiven Mittelfeld völlig indisponiert, statt Süle hätte auch der mit höherem Tempo ausgestattete Lucas Hernandez als Rechtsverteidiger zur Verfügung gestanden.

Wie es für den Nationalspieler in München weitergehen wird, ist ungewiss. Die Bayern haben als Ersatz für David Alaba bereits den Leipziger Dayot Upamecano (22) verpflichtet. Süle, beim Champions-League-Triumph im August mit seinem starken Blitz-Comeback nach Kreuzband-riss noch einer der Helden von Lissabon, scheint in den Planungen keine große Rolle mehr zu spielen. Dem Hessen könnten noch einige weitere frustrierende Tage bevorstehen.

Redaktion Fußball-Reporter: Nationalmannschaft, SV Waldhof, Eintracht Frankfurt, DFB