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Fußball - Kreisfußballwart Held sieht die Einführung der Zeitstrafe auf Herren-Kreisebene positiv / Vereine gespannt auf die Umsetzung

„Es wird eine Umstellung sein“

Von 
Claudio Palmieri
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Frankfurt. Im hessischen Jugendfußball gibt es sie schon lange, im Herrenfußball wurde sie in den 90er Jahren abgeschafft. Jetzt feiert die Zeitstrafe auf Kreisebene ihr Comeback im Spielbetrieb der Männer – als Teil eines Pilotprojekts zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Hessischen Fußball-Verband (HFV), das eigentlich schon für die Saison 2020/21 vorgesehen war.

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„Der Wunsch nach Wiedereinführung von Zeitstrafen war von Vereinen an den Ausschuss für Spielbetrieb und Fußballentwicklung im Hessischen Fußball-Verband herangetragen worden. Dieser formulierte daraus einen Antrag an den DFB-Spielausschuss. Gemäß dem FIFA-Regelwerk sind Anpassungen der Regeln im Breitenfußball in Abstimmung mit dem nationalen Fußballverband möglich“, hatten DFB und HFV in der ersten März-Woche 2020 vermeldet. Das war eine Woche, bevor die Pandemie den Amateurfußball erstmals zum Erliegen brachte.

Radeck: „Gute Sache“

Gelbe Karte, Zeitstrafe, dann gibt gibt es direkt Rot. So soll künftig die Bestrafung von Vergehen auf Kreisebene erfolgen. © Berno Nix

„Ich habe dieses Projekt beim DFB vorgestellt und den Antrag gestellt. Wir haben es für drei Spielzeiten genehmigt bekommen“, sagt Verbandsfußballwart Jürgen Radeck im Gespräch mit dieser Redaktion: „Das erste Jahr ist durch Corona verfallen, so dass wir jetzt zwei Spielzeiten haben, in denen wir testen können, ob die Zeitstrafe sinnvoll ist.“

Radeck hat die Zeitstrafe noch selbst als Aktiver erlebt. „Ich fand das damals eine gute Sache. Wir werden Jahr für Jahr evaluieren und uns mit den anderen Landesverbänden austauschen, was die Erfahrungen der Schiedsrichter, der Sportgerichtsbarkeit und der Vereine angeht.“ Die Zeitstrafe, die schon zum 1. Juli in die Spielordnung übergegangen ist, beträgt zehn Minuten. Sie gilt „in Pflichtspielen und in allen vom Verband in Spielrunden organisierten Spielen ohne Auf- und Abstiegsrecht“, teilten Verbandsfußballwart Radeck und sein Stellvertreter Thorsten Bastian den Vereinen in der vergangenen Woche mit (wir haben berichtet).

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Die Zeitstrafe soll die Gelb-Rote Karte ersetzen und „nur verhängt werden können, wenn ein bereits verwarnter Spieler aktiv am Spiel teilnimmt und ein weiteres verwarnungswürdiges Vergehen begeht“, heißt es weiter. Jedes weitere verwarnungs- oder feldverweiswürdige Vergehen eines mit einer Zeitstrafe belegten Spielers solle „direkt zum Feldverweis auf Dauer“ führen.

Reiner Held, der Kreisfußballwart Bergstraße, kann sich vorstellen, dass das Projekt gut anlaufen wird. „Der Verbandsspielausschuss hat ja die Anregungen einiger Vereine aufgegriffen, die mit der Gelb-Roten Karte nicht ganz einverstanden waren“, weiß der Bürstädter, der auch als Schiedsrichter aktiv ist. Gerade auf Kreisebene, wo Spieler aus- und wieder eingewechselt werden können, hält Held die Zeitstrafe für umsetzbar. „Man kann jetzt anders reagieren. Der Spieler kann sich beruhigen – oder der Trainer schickt nach der Zeitstrafe einen anderen Spieler aufs Feld“, erklärt Held.

Gespannt ist der Bürstädter auf die Umsetzung der Änderung von Paragraf 107 der Spielordnung. „Im Zusammenhang mit der Einführung der Zeitstrafe wird zukünftig in allen Spielklassen auf Verbandsebene die Gelb-Rote Karte zu einem Spiel Sperre führen. Die Ableistung dieser automatischen Sperre erfolgt über gewertete Spiele der Spielklasse, in der der Feldverweis erfolgte. Für Meisterschaftsspiele anderer Mannschaften beträgt die Sperre längstens sieben Tage, sofern sie nicht in der Spielklasse, in der der Feldverweis erfolgte, vorher abgeleistet wurde“, heißt es dort.

„Macht den Fußball komplexer“

Fabian Kreiling, der sich als Spielausschussmitglied der FSG Riedrode um die Belange des 1b-Teams (Kreisliga B) kümmert, sieht die Zeitstrafe zweigeteilt. „Auf der einen Seite bekommen Spieler eine weitere Chance. Auf der anderen Seite macht es den einfachen, ehrlichen Amateurfußball, von dem im Vergleich zu den Profis immer die Rede ist, wieder etwas komplexer. Aber das Projekt hat eine Chance verdient. Vielleicht wird man in einem Jahr sagen: Das hat uns vorangebracht“, findet Kreiling.

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Patrick Andres, Sportausschusschef des B-Ligisten SG Olympia/VfB Lampertheim und ebenfalls Referee, blickt der Zeitstrafe „entspannt“ entgegen: „Es wird eine Umstellung sein. Aber gerade wenn sich die Gemüter erhitzen, bringt eine Zeitstrafe vielleicht mehr, als jemanden mit Rot vom Platz zu stellen. Es kommt auf das Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters an – und darauf, was der Spieler aus der Situation macht. Mal schauen, ob sich etwa die Zahl der Roten Karten reduzieren wird.“

Freier Autor Geboren 1987 in Viernheim. Aufgewachsen in Bürstadt. Lebt in Mainz. Seit 2009 freier Mitarbeiter in den Redaktionen Sport, Lokales (Bürstadt/Biblis/Lampertheim), Online, Kultur. Spezialgebiete im Sport: Eintracht Frankfurt, SV Waldhof, Fußball, American Football, Tischtennis, Judo, Basketball (Albert-Schweitzer-Turnier). Online: Social Media und der DEL-Liveticker. Weitere Autorentätigkeiten unter anderem für das ZDF und 11 FREUNDE.

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