Fußball - Gut sieben Monate nach dem Champions-League-Triumph freut sich der FC Bayern auf das nächste Spektakel gegen Paris

„Ein ganz anderer Tanz“

Von 
Christian Kunz, Martin Moravec
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Bayern-Trainer Hansi Flick hat den Halbfinal-Einzug in der Königsklasse fest im Blick, muss dabei aber auf Serge Gnabry verzichten. Sein Corona-Test war positiv. © dpa

München. Hansi Flick nahm sich vor dem emotionalen Wiedersehen mit Paris Saint-Germain auch wegen des nächsten personellen Rückschlags keine Zeit für Sentimentalitäten. Gut sieben Monate nach dem Endspielsieg gegen Neymar, Kylian Mbappé & Co. schwärmte der Münchner Erfolgstrainer nicht vom Champions-League-Triumph. Total konzentriert nahm er nur den nächsten Schritt zur Titelverteidigung des FC Bayern München in den Fokus, bei dem ihm nach dem verletzten Weltfußballer Robert Lewandowski nun auch noch Serge Gnabry wegen eines positiven Corona-Tests fehlt.

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Der nächste bittere Ausfall für die Offensive des Serienchampions änderte für Flick aber nichts an der Zielsetzung. „Wir wollen ins Halbfinale. Deswegen müssen wir die zwei Spiele sehr konzentriert angehen. Das ist unser Ziel und unsere Aufgabe“, sagte Flick und wollte nicht zuletzt wegen der Personalsorgen nicht zurückschauen. „Bei uns hat das Finale keine Relevanz. Es ist ein neues Spiel gegen eine neue Mannschaft mit einem neuen Trainer.“ 227 Tage liegt beim Viertelfinal-Hinspiel am Mittwoch (21.00 Uhr/Sky) die magische Nacht von Lissabon zurück. Die Flanke von Joshua Kimmich, der Kopfball von Endspielheld Kingsley Coman und die Paraden von Manuel Neuer sind den Protagonisten vor der Partie in München noch bestens in Erinnerung. „Ich denke, dass der Stachel vom Champions-League-Finale noch tief sitzt bei Paris. Dementsprechend wird das wieder ein ganz anderer Tanz“, warnte Kapitän Neuer.

Mbappé spricht von Superduell

Der im Achtelfinale gegen Lionel Messis FC Barcelona viermal erfolgreiche Mbappé verkündete schon seine Vorfreude auf das Königsklassen-Spektakel, bei dem er ein Déja-vu unbedingt vermeiden will. „Das wird ein Superduell“, tönte der Fußball-Weltmeister, der zusammen mit Neymar eine exquisite Offensive anführt. „Sie haben vorne enorm viel Qualität bei Ballgewinnen. Wir müssen schauen, dass wir das entsprechend verhindern“, sagte Flick.

Ihm selbst fehlen die offensiven Variationsmöglichkeiten. Jetzt und wohl auch beim Rückspiel sechs Tage später in Paris, für das der verletzte Lewandowski die Hoffnung auf eine überraschende Blitzheilung nicht aufgeben möchte. Immerhin geht es Gnabry, der in dieser Saison einmal wegen eines positiven Tests ausgefallen war, in häuslicher Isolation laut Club-Angaben gut.

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Wie am Wochenende beim 1:0 gegen Leipzig baut Flick in der Spitze wieder auf den letztjährigen Paris-Profi Eric Maxim Choupo-Moting. Choupo-Moting, dessen Insiderwissen über Paris Flick schätzt, sieht in dem Wiedersehen mit den PSG-Kumpels um die deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Thilo Kehrer eine „geile Geschichte“.

Hinten kann Flick wieder auf die in Leipzig gesperrten Alphonso Davies und Jérôme Boateng zurückgreifen. Boateng zeigte sich im winterlichen München guter Laune, als er mit einer Trinkflasche in der Hand beim Training ein paar Bälle kickte. Zum „Kicker“-Bericht, dass das Ende der Zusammenarbeit zwischen Boateng dem Verein im Sommer nach einer Aufsichtsratsentscheidung nun endgültig feststehe, äußerte sich Flick mitten in der Spiel-Vorbereitung nicht im Detail: „Ich lasse es einfach mal so stehen. Ob das stimmt oder nicht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“

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Der pfeilschnelle Davies wäre prädestiniert für die Sprintduelle mit den flinken Pariser Angreifern. Niklas Süle und Lucas Hernández überzeugten andererseits gegen Leipzig, als man zum zweiten Mal am Stück ohne Gegentor blieb. „Das war ein klares Zeichen, dass wir gegen einen guten Gegner auch zu null spielen können“, sagte Neuer. In acht Königsklassen-Spielen der Saison glückte das nur zweimal.

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Viel wird von der Tagesform abhängen, wenn die Vorjahresfinalisten darum kämpfen, wer sich im Halbfinale mit Manchester City und Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola oder Dortmund messen darf. „Die Chance ist 50:50“, sagte Bayerns französischer Verteidiger Benjamin Pavard. Die Münchner sind seit 19 Spielen in Europa ungeschlagen, als zweites Team könnte man die Marke von 20 Partien knacken. „Ich spüre Tag ein Tag aus, dass diese Mannschaft aus einem besonderen Holz geschnitzt ist“, sagte Thomas Müller.